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Kunst & Glaube.
Ottheinrichs Prachtbibel und die Schlosskapelle Neuburg

Sonderausstellung · 12. Mai bis 7. August 2016 · Schloss Neuburg/Donau

Informationen für Ausstellungsbesucher / Prospekt / Begleitprogramm

 

 

Bild: Motiv der Ausstellung "Kunst & Glaube"

Zwei Kunstwerke fürstlichen Auftrags stehen im Zentrum der Ausstellung: die reich bebilderte Prachthandschrift der Ottheinrich-Bibel, ein epochenübergreifendes Werk von Weltrang, und der monumentale Bibelzyklus der Schlosskapelle, ein herausragendes Denkmal der Reformation in Deutschland.

150 internationale Leihgaben von Spitzenwerken der Buchkunst, Tafelmalerei, Skulptur und Goldschmiedekunst bereichern die kostbare Schau. Sie spannt einen Bogen von dem ersten illustrierten Neuen Testament in deutscher Sprache zum ältesten für den protestantischen Ritus ausgestatteten Kirchenraum in Deutschland.

Von der erlesenen spätgotischen Hofkultur Herzog Ludwigs des Bärtigen, dem Bruder der Königin von Frankreich, bis zu Pfalzgraf Ottheinrich, dem Renaissancefürsten und Anhänger der Reformation, beleuchtet die Ausstellung ein Jahrhundert künstlerischer Innovation, bewegter Geschichte und religiöser Reform.

Am authentischen Schauplatz, dem prächtigen Schloss Neuburg, in Szene gesetzt, lässt sich ein Jahr vor dem Jubiläum „500 Jahre Reformation“ erleben, mit welchem Glanz Bild und Bibel die Auseinandersetzung um den rechten Glauben an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit prägten.


Die Themen der Ausstellung

 

Die Ottheinrich-Bibel

Bild: Illustration in der Ottheinrich-Bibel

Heilung des Taubstummen und Speisung der Viertausend, Markusmaler, um 1430
© Bayerische Staatsbibliothek, München, Cgm 8010(2, fol. 55v/56r

 

Die acht Bände umfassende Ottheinrich-Bibel zählt zu den berühmtesten Prachthandschriften der Welt. Mit Maßen von über einem halben Meter gehört sie nicht nur zu den größten Bibelhandschriften, die je geschaffen wurden. Mit 146 großformatigen Miniaturen ist sie auch eine der am reichsten illustrierten Bibeln der Spätgotik und der Renaissance.

Um 1430 gab Herzog Ludwig der Bärtige das monumentale Werk in Auftrag. Regensburger Buchmaler statteten Matthäus- und Markusevangelium mit glänzenden Miniaturen aus. Rund 100 Jahre später beauftragte Pfalzgraf Ottheinrich Mathis Gerung mit der Vollendung des ererbten Ausnahmewerks.

Die Ausstellung vereint in einmaliger Weise eine bisher nie gezeigte Fülle prachtvoll illuminierter Buchseiten aus beiden Schaffensperioden der Bibel, umrahmt von den bedeutendsten Bibelhandschriften der Epoche. Im Konzert der Buchpreziosen erweist sich die künstlerische Innovativkraft dieses Jahrhundertwerks.

Die Schlosskapelle Neuburg

 

Bild: Schlosskapelle

Schlosskapelle mit Deckengemälden von
Hans Bocksberger d.Ä., 1543

Die Schlosskapelle Neuburg ist der älteste für den protestantischen Ritus ausgestattete Kirchenraum in Deutschland. Im Auftrag ihres Bauherrn Ottheinrich entstand im Jahr 1543 die spektakuläre Ausmalung mit einem monumentalen Bilderzyklus – ein bahnbrechendes Zeugnis der neuen Glaubenslehre.

In über 40 Szenen breiten die Wand- und Deckengemälde der Kapelle ein eindrucksvolles Panorama biblischer Geschichte aus. Die protestantische „Bilder-Predigt“ gipfelt in der

Darstellung der Himmelfahrt im Zentrum der Decke – eine Pionierleistung illusionistischer Malerei nördlich der Alpen.

Die Ausstellung lädt ein, die Schlosskapelle als Meisterwerk der Renaissance und fürstliches Bekenntnis zur Reformation neu zu erleben. Mittels medialer Inszenierungen lässt sie Predigt, Musik und Liturgie der Zeit am authentischen Ort anschaulich werden.

Die Auftraggeber

 

Bild: Stephanskreuz

Stephanskreuz, Liebfrauenmünster Ingolstadt,
um 1400/32
, © Foto: Georg Pfeilschifter, Lenting

Herzog Ludwig der Bärtige

Herzog Ludwig der Bärtige von Bayern-Ingolstadt war ein Wittelsbacher Fürst von europäischem Format. Als Bruder der Königin von Frankreich, Isabeau de Bavière, nahm er regen Anteil an der französischen Hofkultur.

Legendär sind die Schatzobjekte, die er von Paris nach Bayern führte. Zum Schmuck seiner Grablege in Ingolstadt stiftete er goldene und emailverzierte Reliquiare und verpflichtete die besten Künstler seiner Zeit.

Am Ende seines streitbaren Lebens wurde Ludwigs Nebenresidenz in Neuburg Fluchtort zahlreicher Goldschmiedearbeiten und wertvollster Bücher. Teil des Schatzes war auch seine noch unvollendete Prachtbibel. Erstmals nach knapp 600 Jahren werden diese Kunstwerke wieder in Schloss Neuburg vereint.

Pfalzgraf Ottheinrich

Ein Kunstmäzen und Sammler höchsten Anspruchs war auch der Pfalzgraf und spätere Kurfürst von der Pfalz Ottheinrich. Die Residenz seines Fürstentums Pfalz-Neuburg baute er zu einem der prachtvollsten Renaissanceschlösser nördlich der Alpen aus.

 

Bild: Pfalzgraf Ottheinrich, Chorbuch, 1538

Pfalzgraf Ottheinrich, Chorbuch, 1538, © Bayerische Staatsbibliothek, München, Mus.ms. C, fol. 188v

 

Der leidenschaftliche Buchliebhaber verfügte über eine berühmte Bibliothek, die in Neuburg einzigartige Werke der Buchmalerei, seltene Drucke, aufwändig illustrierte Luther-Bibeln und Druckschriften zum Glaubensstreit versammelte.

1542 trat Ottheinrich zum Protestantismus über. Die Zusammenschau der wichtigsten Werke seiner Hofkünstler vor und nach dem Glaubenswechsel zeigt ihn als humanistischen Kunstliebhaber und kunstsinnigen Anhänger der Reformation.

Schloss Neuburg an der Donau

Bild: Schloss Neuburg, Innenhof

 

Die prächtige Schlossanlage, deren vier mächtige Flügel sich um einen Innenhof mit Arkadengängen gruppieren, entstand am Ort einer spätgotischen Burg, die Herzog Ludwig der Bärtige als seine Nebenresidenz nutzte.

Bauherr der drei anspruchsvollen Renaissancetrakte war Pfalzgraf Ottheinrich, der die Schlossanlage ab 1530 zur imposanten Residenz des 1505 gegründeten Fürstentums Pfalz-Neuburg ausbauen ließ. 1665-70 erhielt das Schloss seinen barocken Ostflügel, dessen Rundtürme bis heute die Fernsicht prägen.

Besondere Sehenswürdigkeiten sind neben der einzigartigen Schlosskapelle, die mit biblischen Szenen in Sgraffito-Technik dekorierte Hoffassade, der holzvertäfelte Rittersaal der Renaissance und die barocken Schlossgrotten.

Weitere Informationen zu Schloss Neuburg an der Donau


Ausstellungszeitraum · Ausstellungsort

12. Mai bis 7. August 2016 · täglich 9-18 Uhr (auch montags geöffnet)

Schloss Neuburg an der Donau, Residenzstraße 2, 86633 Neuburg/Donau

 

Prospekt »Kunst & Glaube. Ottheinrichs Prachtbibel und die Schlosskapelle Neuburg«

Leaflet »Art & Faith. Ottheinrich’s illuminated Bible and the Neuburg Palace Chapel«

 

Eintrittspreise (Ausstellung inklusive Museumseintritt)

7,50 Euro regulär · 6,50 Euro ermäßigt (auch Gruppen ab 15 Personen)
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren erhalten freien Eintritt.

 

Besucherservice und Anmeldung für Gruppenführungen

Telefon 08431 6443-12 · ausstellung-neuburg@bsv.bayern.de
Hinweis: Auch Gruppen, die keine Führung buchen wollen, bitten wir um frühzeitige Anmeldung.

 

Hier finden Sie das Begleitprogramm zur Ausstellung.

 


© Hintergrundbilder: Bayerische Staatsbibliothek; Georg Pfeilschifter, Lenting; Bayerische Schlösserverwaltung

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