2. Dezember 2002

Pressemitteilung

Kreissparkasse Altötting-Burghausen unterstützt die Bayerische Schlösserverwaltung beim Erwerb eines Kunstwerks für die Burg Burghausen

Dank der Hilfe der Kreissparkasse Altötting-Burghausen und der Bayerischen Sparkassenstiftung konnte die Bayerische Verwaltung der staatlich Schlösser, Gärten und Seen 2002 ein bedeutendes spätgotisches Relief erwerben, das künftig auf der Burg Burghausen präsentiert werden soll.

Das kunstgeschichtlich wie historisch gleichermaßen bedeutende Werk zeigt den niederbayerischen Ritter Hans Ebran von Wildenberg († 1502) und seine Gemahlin Barbara Paulsdorfer. Es stammt aus der Kapelle des Spitals zu Pattendorf bei Rottenburg, das Hans Ebran und seine Gemahlin 1493 gestiftet haben, und sollte dort die Spitalinsassen an die Stifter erinnern und zur Fürbitte auffordern. Schon im späten 18. Jahrhundert ist das Relief dort entfernt worden. Mit der Sammlung Dr. Richard Oertel wurde es 1979 in München versteigert und verschwand in Privatbesitz, aus dem es erst im Herbst 2001 in einer Kölner Auktion wieder auftauchte. Über den Kunsthandel konnte es nun für Bayern zurückerworben werden.

Das kleinformatige Relief (45 x 36,8 cm) ist aus gebranntem Ton gearbeitet und gehört damit einer für das steinarme Niederbayern typischen Kunstgattung der Spätgotik an. Das bildsame Material wurde nach dem Brand mit einer farbigen Fassung verdeckt, von der große Teile erhalten sind.

Hans Ebran von Wildenberg entstammte dem niederbayerischen Beamtenadel und machte im Dienst der Reichen Herzöge eine beachtliche Karriere. Unter Ludwig dem Reichen (reg. 1450-1479) nahm er an sieben Feldzügen des Herzogs teil. In den 1460er Jahren wurde er Oberrichter zu Landshut und Mitglied des herzoglichen Rates. Wenig später wurde er Hofmeister (d.h. oberster Beamter im Hofstaat) der Herzogin, die ihre Hofhaltung auf der Burg Burghausen hatte. Offenbar hat er sich in diesem anspruchsvollen Amte bewährt, denn Herzog Georg der Reiche (reg. 1479-1503) übertrug ihm die Hofmeisterwürde bei seiner Gemahlin, Herzogin Hedwig von Polen. In seinen letzten Lebensjahren wirkte Hans Ebran auch als Pfleger von Burghausen. Er war somit dem Herzoginnenhof und der Stadt an der Salzach für mehr als ein Vierteljahrhundert verbunden.

Der bayerischen Landesgeschichte ist Hans Ebran noch in anderer Hinsicht ein Begriff. Seine "Chronik von den Fürsten aus Bayern" ist die erste deutschsprachige Darstellung der bayerischen Regentengeschichte und das erste historiographische Werk eines Laien in Bayern. Als hoher und einflussreicher Hofmann schuf er ein Werk, das den geschichtlichen Rang des Bayernlandes und die Legitimität der wittelsbachischen Herrschaft darstellte und damit die deutschsprachige Geschichtsschreibung der Zeit beeinflusste.

Das Relief zeigt also eine für Niederbayern und insbesondere für Burghausen sehr wichtige Persönlichkeit. Bildnisse von Hofbeamten und Politikern des späten Mittelalters sind außerordentlich selten überliefert und zumeist an Grabdenkmäler gebunden. Die Existenz eines selbständigen Stifterreliefs belegt den hohen Statusanspruch des Ritters.

Im Rahmen der Burghausener Ausstellung über Herzogin Hedwig im Sommer 2002 wurde das Relief zum ersten Male öffentlich präsentiert. Es soll künftig in den Räumen der Bayerischen Schlösserverwaltung auf der Burg aufgestellt werden. Im Zusammenhang einer verbesserten musealen Einrichtung soll es den Kristallisationspunkt eines Raumes bilden, der den Hofbeamten und dem Personal des Herzoginnenhofes gewidmet ist.

Weitere Informationen und kostenlose Pressefotos erhalten Sie bei:
Claudia Albrecht, Bayerische Schlösserverwaltung, Öffentlichkeitsarbeit
Tel. (0 89) 1 79 08-160, Fax (0 89) 1 79 08-190, presse@bsv.bayern.de


Burg Burghausen

Die Burg Burghausen gehört mit einer Länge von über einem Kilometer zu den größten Burganlagen Deutschlands. Über ein Vierteljahrhundert war sie die Zweitresidenz der Herzöge von Bayern-Landshut und barg deren Gold- und Silberschatz. Ihre Mauern dienten als vornehmes Staatsgefängnis und Wohnsitz der Gemahlinnen und Witwen der Reichen Herzöge. Die Burg war zugleich Grenzfeste nach Osten und Zeugnis des Macht- und Repräsentationswillens der bayerischen Herzöge. Unter Herzog Heinrich XII. entstanden ab 1255 Palas, Dürnitz und Kemenate. Herzog Georg der Reiche (reg. 1479-1503) ließ die Anlage wegen der drohenden Türkengefahrt zur stärksten Festung im Land ausbauen.

Im Palas werden Gemälde altdeutscher Meister sowie Möbel, Skulpturen und Wirkteppiche aus Gotik und Frührenaissance gezeigt. Die von Herzog Georg dem Reichen und seiner Gemahlin gestiftete Burgkapelle St. Hedwig zählt zu den Kostbarkeiten spätgotischer Architektur.


Pressemitteilung 2. Dezember 2002

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