30. August 2002

Pressemitteilung

Tag des offenen Denkmals am Sonntag, den 8. September 2002.
Landshut, Burg Trausnitz: Ausgrabungen in der ehemaligen Torwartstube 

Am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, den 8. September 2002 können die Ausgrabungen in der ehemaligen Torwartstube (inneres Burgtor) auf der Burg Trausnitz in Landshut besichtigt werden.

In der Dürnitz können sich die Besucher zunächst anhand von Schautafeln allgemein über die Baumaßnahmen auf der Burg und die Ausgrabungen informieren. Im Rahmen von Führungen können sie anschließend den Grabungsbereich in der relativ kleinen Torwartstube besichtigen.

Mit Hilfe von Rekonstruktionszeichnungen, Plänen und einigen Funden wird die Entdeckung einer bisher unbekannten, vorwittelsbacherzeitlichen Burg erklärt, deren Entstehung bis in das 9./10. Jahrhundert zurückdatiert wird. Bisher konnte freilich nur ein kleiner Teil dieser vorwittelsbachischen Burg freigelegt werden. Zu besichtigen ist ein Segment des Grabens dieser ältesten Wehranlage.

Die Führungen finden je nach Bedarf zwischen 10.00 und 16.00 Uhr statt.
Besichtigung und Führungen sind kostenlos.

Informationen: Walter Rappelt, Burgverwaltung Landshut, Telefon (08 71) 9 24 11-0


Archäologische Ausgrabungen 2001/2002 auf der Burg Trausnitz ob Landshut

Der sogenannte Damenstock der Trausnitz wird zur Zeit für museale Zwecke um- und ausgebaut. Angesichts der landesgeschichtlichen Bedeutung der Burg entschloss sich die Bayerische Schlösserverwaltung, diese Baumaßnahme mit umfangreichen archäologischen Untersuchungen in diesem Bereich und im westlichen Flankenturm des inneren Burgtores, wo ein Informationsraum zur Burggeschichte eingerichtet werden soll, in enger fachlicher Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege zu begleiten.

Dank der Ausgrabung konnten wichtige Details zur Baugeschichte der Wittelsbacher Burg geklärt werden. Hierbei ist die Entdeckung der Ringmauer des Gründungsbaues Ludwig des Kelheimers von besonderer Bedeutung. Es besteht nun die Möglichkeit, das Aussehen der Wehranlage des 13. Jahrhunderts wesentlich genauer zu rekonstruieren als zuvor.

Von noch größerer Wichtigkeit für die mittelalterliche bayerische Landesgeschichte aber ist die Aufdeckung von Funden und Bauspuren einer bisher unbekannten vorwittelsbacher-zeitlichen Burg, deren Entstehung dank einiger typischer Keramikfragmente bis in das 9./10. Jahrhundert zurück datiert werden kann. Es zeigt sich damit, dass die Gründung von Stadt und Burg Landshut 1204 nicht in einem unbesiedelten Gelände stattfand, sondern an ein schon lange bestehendes Herrschaftszentrum anknüpfte. Dies wirft auch ein neues Licht auf die rasche Konsolidierung der herzoglichen Gewalt unter den ersten Wittelsbachern.

Die Burg Trausnitz, ab 1204 erbaut, zählt zu den ältesten Wittelsbacher Residenzen. Seit den Tagen Ludwig des Kelheimers wurde die Burg freilich vielfach erweitert und ausgebaut, sodass über das Aussehen des Gründungsbaues wenig bekannt ist. Wir wissen lediglich, dass die beiden das Tor zur Hauptburg flankierenden, halbrunden Türme sowie die Dürnitz mit der Burgkapelle zum ältesten Bestand der Wehranlage gehören.

Veranstalter: Bayerische Schlösserverwaltung unter Beteiligung des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege und des Staatlichen Hochbauamtes Landshut.


Ergänzende Information zur Baumaßnahme
Ausbau des Damenstocks der Burg Trausnitz zum Renaissancemuseum:

Nach dem Auszug des Staatsarchivs aus dem Damenstock, der ab 1456 erbaut wurde, werden die ehemaligen Archivräume grundlegend saniert und für Museumszwecke ausgebaut.

Folgende Maßnahmen sind vorgesehen:

Foyer:
Im Erdgeschoss stellt das geplante Foyer mit Museumsladen im historischen, überwölbten Raum einen Auftakt zum Renaissancemuseum dar.
Ein Ort, an dem sich die Besucher über alle Besichtigungsmöglichkeiten auf der Burg und weiterführende Angebote der Bayerischen Schlösserverwaltung informieren können.

Museumsräume:
Im ersten und zweiten Obergeschoss werden die ehemaligen Archivräume im Damenstock der Burg Trausnitz ausstellungsgerecht um- und ausgebaut. Das Museumskonzept "Kunst- und Wunderkammer der Renaissance" wird auf den zwei Ausstellungsebenen als Zweigmuseum des Bayerisches Nationalmuseums München verwirklicht.
Zusätzlich zur bestehenden Treppe wird zur behindertengerechten Erschließung dieser öffentlich genutzten Ausstellungsräume und des "Weißen Saals" (Veranstaltungsnutzung) ein Aufzug eingebaut.

Statische Sicherung, Haustechnik und Restaurierung:
Umfangreiche statische Sicherungsmaßnahmen und technische Einbauten, wie z.B. eine Lüftungsanlage mit Luftfeuchteregulierung, machen die hochwertige Museumsnutzung möglich. Das Projekt wird abgerundet durch restauratorische Maßnahmen an der bedeutenden historischen Bausubstanz.

Termine:
Baubeginn Februar 2002
Fertigstellung  Ende 2003
Eröffnung des Museums 2004

Veranschlagte Kosten: 2,985 Mio. Euro
(ohne Ausstellungsarchitektur in den Museumsgeschossen)


Burg Trausnitz

Die Burg wurde 1204 von Herzog Ludwig I. gegründet. Von dieser Bauphase zeugen u.a. der Bergfried, die "Alte Dürnitz" und die Burgkapelle St. Georg, eine Doppelkapelle mit bis heute erhaltenem Figurenschmuck (um 1230/35) und Flügelaltären aus dem 15. Jahrhundert. Unter Wilhelm V. und seiner Gemahlin Renata von Lothringen wandelte sich die Anlage zu einem Renaissanceschloss. Es entstanden der Italienische Anbau, die Laubengänge und die berühmten Wandmalereien der "Narrentreppe" mit Szenen aus der italienischen Commedia dell'arte. Erwähnenswert ist auch eine Folge von Wirkteppichen mit Begebenheiten aus dem Leben Ottos I. von Wittelsbach.


Pressemitteilung 30. August 2002

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