14. November 2002

Pressemitteilung

Schloss Neuburg an der Donau: Die mittelalterliche Baugeschichte muss umgeschrieben werden; Archäologische Grabung an der Ostterrasse  

An der östlichen Stützmauer der Schlossterrasse waren wasserbedingte Schäden aufgetreten, vermutlich durch Sickerwasser von der Terrasse her. Zur Ursachenerforschung wurden im Rahmen des Bauunterhaltes der gesamte Terrassenbelag geöffnet und die Reste der historischen, nicht mehr funktionsfähigen Entwässerungsleitungen freigelegt. Allein im Jahr 2002 wurde von der Schlösserverwaltung hierfür etwa 68.000 Euro aufgewendet. Der Einbau eines funktionstüchtigen Entwässerungssystems und dichten Belages, was zur Trocknung der Stützmauer beitragen soll, wird noch größere Aufwendungen erfordern.
Im Zuge dieser Baumaßnahme konnte unter fachlicher Betreuung durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege eine archäologische Grabung durchgeführt werden.


Archäologische Untersuchungen im und um das Neuburger Schloss

Erstmals in der Geschichte der Erforschung des Neuburger Stadtberges konnten in den letzten drei Jahren ausgedehnte archäologische Untersuchungen in und um das Neuburger Schloss angestellt werden, bei denen hochinteressante Ergebnisse zutage traten: unter der Schlossterrasse kamen Burgmauern aus drei verschiedenen Jahrhunderten zum Vorschein. Erhebliche Bauschäden an der östlichen Stützmauer der Schlossterrasse hatten Fragen nach deren Ursache und richtiger Behebung aufgeworfen. Bei Voruntersuchungen im Jahr 2001 zeigte sich, dass besagte Stützmauer ungewöhnlich stark ausgebildet und in Natursteintechnik ausgeführt ist. Aufgrund dieser Ergebnisse wurde ihre Mauerkrone im laufenden Jahr vollständig freigelegt. Die extreme Breite von mehr als 4 Metern und die Qualität ihrer Ausführung spricht dafür, dass sie die Umfassungsmauer der Herzogsburg Ludwig des Gebarteten darstellt, einer Nebenresidenz des Teilherzogtums Bayern-Ingolstadt. An ihrer Innenseite schloss sich ein noch in größeren Flächen erhaltenes Katzenkopfpflaster aus Donaukieseln an. Schon im Jahr 1993 waren bei Umbaumaßnahmen unter dem Ostflügel des Schlosses überraschend romanische Mauerzüge einer hochmittelalterlichen Burganlage wohl des 13. Jahrhunderts entdeckt worden, welche eine herrschaftliche Ortskontinuität andeuteten. Es war davon auszugehen, dass es sich dabei um die Burg eines von den Wittelsbachern eingesetzten Ministerialengeschlechtes handelt, nachdem diese nach 1246 von Neuburg Besitz ergriffen hatten.

Ein damals angedachter Suchschnitt zur Bestätigung der Befunde auf der Schlossterrasse konnte in diesem Sommer realisiert werden. Während die erwarteten Befunde einer Burganlage ausblieben, konnte der Ringwall aus frühkeltischer Zeit (5. Jh. v. Chr.) angetroffen werden, der hier den Steilabfall zur Donauniederung markiert.

An der Außenseite des Walles wurde überraschend eine 1,8 Meter starke Mauer entdeckt, die zunächst rätselhaft erschien. Durch Fundmaterial und einen Vergleich mit ähnlichen Beobachtungen um das Plateau des Stadtberges ließ sich diese Mauer erstmals als diejenige der ungarnzeitlichen Burg des 10. Jahrhunderts identifizieren, welche einstmals den gesamten Stadtberg umschloss. Der Mauerring ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass Neuburg in den Urkunden des 10. und 11. Jahrhunderts> als urbs, civitas, castellum und castrum bezeichnet wurde. Verständlicher werden dadurch auch die mehrfachen Aufenthalte Herzog Heinrichs IV., des späteren Kaisers Heinrich II. in Neuburg.

Befunddarstellung und Architekturplatz

Es bietet sich an, die gewaltige Umfassungsmauer, deren wasserdichte Überdeckung ohnehin nötig ist, durch einen geeigneten Plattenbelag aus Naturstein abzudecken und so erlebbar zu machen. Vergleichbares gilt für den Mauerzug des 10. Jahrhunderts. Die dazwischen liegenden Flächen könnten in der historischen Technik als Katzenkopfpflaster mit Donaukieseln belegt werden, wodurch ein Architekturplatz von einzigartigem Reiz entstehen würde.

Ob und wann die an sich wünschenswerte Präsentation des herausragenden archäologischen Befundes in Form eines begehbaren Schachtes, also gleichsam einer Raumvitrine, finanziert werden kann, ist derzeit noch völlig offen.

Bauforschung

Die Entdeckung der Umfassungsmauer erforderte eine Beweisführung hinsichtlich ihrer Datierung. Mit archäologischen Mitteln war dies wegen der gewaltigen Höhendifferenzen weder finanziell noch technisch durchführbar. Doch gelang unter Anwendung des Vergleichs von Mörtelproben eine stratigraphische Anbindung der Umfassungsmauer über die Fundamente der "Runden Stube" zum Südflügel, der zur Zeit in Teilbereichen saniert wird. Überraschend konnte festgestellt werden, dass in dessen Kellergeschoss mehr als ein halbes Dutzend spätmittelalterliche Bauphasen erhalten sind, welche noch vor die Baumaßnahmen Ottheinrichs im Jahr 1533 zurückreichen. Hochwertiges Quadermauerwerk im vorgelagerten spätmittelalterlichen Burggraben könnte ein in den Archivalien genanntes Bad darstellen, ein Vorgänger der Badstube von Pfalzgraf Ottheinrich.

Weitere Baumaßnahmen

Veranstaltungsbereich Kleine und Große Dürnitz, Flämische Barockgalerie
Im Schloss Neuburg läuft derzeit auch eine große Baumaßnahme zur Sanierung und zum Ausbau des Westflügels und von Teilen des Südflügels. Bereits im 2. Quartal 2003 ist beabsichtigt, den Veranstaltungsbereich Kleine und Große Dürnitz fertigzustellen. Bis Ende 2004 werden die Räume der Flämischen Barockgalerie im Westflügel, einer Einrichtung der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, ausgebaut sein. Die genehmigten Kosten für diese Baumaßnahme liegen bei insgesamt 14,45 Mio. DM = ca.7,4 Mio. Euro.


Schloss Neuburg an der Donau

Der Ottheinrich-Bau in Heidelberg ist landesweit bekannt. Wesentlich länger als dort regierte Ottheinrich in der Neuburger Residenz. Architektur und Kunst spiegeln auch hier seinen hohen Anspruch wider.

Pfalzgraf Ottheinrich (1502-1559) ließ die mittelalterliche Burg zu einer Schlossanlage der Renaissance umbauen. Sein Nachfolger, Pfalzgraf Wolfgang von Zweibrücken, vollendete die Innenhoffassade des Westflügels mit biblischen Szenen in Sgraffitotechnik; ab 1665 wurde der von zwei Türmen flankierte barocke Ostflügel hinzugefügt. Die zweigeschossige Kapelle mit Wand- und Deckengemälden von Hans Bocksberger stellt einen Höhepunkt der barocken Deckenmalerei in Bayern dar. Eine Besonderheit sind auch die Grottenanlagen mit ihrer Tuffstein- und Muschelverkleidung.


Pressemitteilung 14. November 2002

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