5. Juni 2002

Pressemitteilung

Eröffnung des Hofküchengartens der Residenz Würzburg am 8. und 9. Juni 2002

Gartenführungen, Bilderausstellung, Gemüse- und Kräuterverkauf

Die Bayerische Schlösserverwaltung hat am 8. Juni 2002 um 14 Uhr den wiederangelegten Küchengarten im Hofgarten der Würzburger Residenz eröffnet.

1997 entschloss sich die Bayerische Schlösserverwaltung den Küchengarten in Anlehnung an die ehemals vorhandene Wege- und Beetstruktur wieder neu anzulegen und mit historischen und neuen Obst- und Gemüsekulturen zu bepflanzen.

Die Wiedereinrichtung wurde in drei Bauabschnitten von Oktober 1998 bis September 2001 realisiert. Über 120 hochstämmige Obstbäume und knapp 60 Beerensträucher fanden Eingang in den Küchengarten. Die Kronen der Obstbäume sollen in den kommenden Jahren wie zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Kessel- und Kegelkronen geschnitten werden, so dass die Besucher des Würzburger Hofgartens in einigen Jahren hier wieder die gärtnerische Handwerkskunst des Formobstschnitts bewundern können.

Die ehemaligen Grabelandflächen des neu eingerichteten Küchengartens werden zunächst als einfache Rasenflächen gepflegt und sollen dann im Laufe der nächsten Jahre sukzessive mit Gemüsekulturen bepflanzt werden.

Im Rahmen der Eröffnung bieten Gartenführungen, Informationen des Fachpersonals sowie Literaturtipps den Besuchern die Möglichkeit, sich über Geschichte und Entwicklung des Küchengartens zu informieren. Der Verkauf von Gemüse und Kräutern aus eigenem Anbau (Hofgärtnerei) lässt den Besucher die praktische Umsetzung des Küchengartens live erleben.

Zur Geschichte des Küchengartens

Im 17. und 18. Jahrhundert entwickelten sich zahlreiche fürstliche bzw. königliche Hofküchengärten zu eigenständigen, künstlerisch durchgeformten Gartenpartien, die man nicht ohne Stolz präsentierte. Auch der alte Küchengarten im Würzburger Hofgarten besaß aus heutiger Sicht bemerkenswerte ästhetische Qualitäten, insbesondere durch seinen regelmäßigen Grundriss, die kunstvoll geschnittenen Obstbäume und Mauerspaliere und die reinlich gepflegten Gemüsepflanzungen auf den großen Beetflächen.
Erst im Zuge der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Hofgarten der Residenz um das Gelände des Küchengartens erweitert. Bis dahin gehörte diese Fläche zum benachbarten Kloster St. Afra. Als Nutzgarten stand bis zur Eingliederung des Küchengartens nur das alte Gärtnereigelände in der südöstlichen Bastion zur Verfügung. Im 19. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts diente der Küchengarten ausschließlich dem Anbau von Obst und Gemüse. Von 1920 bis 1941 und von 1949 bis 1968 hatte das benachbarte bischöfliche Knabenseminar "Kilianeum" den westlichen Teil (ca. 2.700 ) des Küchengartens gepachtet. Neben den Beetflächen, die zur Anzucht von Gemüse dienten, konnten von den Mitarbeitern und Kindern des Kilianeums auch die Früchte der auf dem Pachtgrund gepflanzten Obstbäume und Beerensträucher geerntet werden. So erbrachte beispielsweise die Ernte des Jahres 1923 folgende Mengen Obst: 1.123 kg Kernobst (Birnen und Äpfel), 455 kg Steinobst (Zwetschgen, Mirabellen, Reineclauden, Aprikosen), 8 kg Beerenobst (vorwiegend Johannisbeeren) und 50 kg Fallobst. Gegen Ende der 1960er Jahre wurde den nutzgärtnerischen Bereichen des Hofgartens immer weniger Bedeutung beigemessen. So kam es, dass 1969 in Würzburg das Küchengartenareal aufgegeben und umgestaltet wurde. Es entstand eine große Rasenfläche mit einem umlaufenden Randweg und einer Lindenreihe entlang der Mauer zum benachbarten Kilianeum. Vor der Terrassenmauer der Orangerie wurde ein etwa zwei Meter breiter Pflanzenstreifen mit Stauden und Gehölzen angelegt, in die vereinzelt Bänke eingerückt waren. Die schweren, aus Muschelkalk gefertigten Brunnensteine wurden innerhalb des Hofgartens an einen anderen Ort (Gärtnereigelände) gebracht.

Wiederherstellung des alten Küchengartens

1997 entschloss sich die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, den Küchengarten in Anlehnung an die ehemals vorhandene Wege- und Beetstruktur wieder neu anzulegen und mit historischen und neuen Obst- und Gemüsekulturen zu bepflanzen. Die Wiedereinrichtung des Küchengartens wurde in drei Bauabschnitten von Oktober 1998 bis September 2001 realisiert. Dabei kamen unter anderem das vermauerte Gartentor in der Mitte der westlichen Gartenmauer und der seit 1969 ebenfalls vermauerte rundbogige Mauerdurchbruch zum Kilianeum zum Vorschein. Drei der vier Brunnensteine kehrten an ihren alten Standort zurück; nur der vierte Brunnenstein musste neu gefertigt werden. Über 120 hochstämmige Obstbäume und knapp 60 Beerensträucher wurden neu gepflanzt. Die Kronen der im Küchengarten gepflanzten Obstbäume werden in den kommenden Jahren als Kegel- und Kesselkronen geschnitten. Diese sehr aufwendigen und kunstvollen Schnittformen sind heute kaum noch bekannt, waren aber in den Gärten des ausgehenden 18. Jahrhunderts weit verbreitet. Die Früchte, die an diesen optimal besonnten Baumkronen reiften, bestachen durch ihre hervorragende Qualität und wurden deshalb an den herrschaftlichen Höfen als Tafelobst gereicht.

Der Küchengarten bekommt Mobiliar

Im Oktober 2000 beauftragte die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen die metallverarbeitenden Betriebe Hey Metallgestaltung bzw. Weber und Hermann Metallgestaltung, Ausstattungselemente für den neu angelegten Küchengarten der Residenz Würzburg zu entwerfen. Gefordert wurden zeichnerische Entwürfe für Gartenbänke, Wasserhähne, Zauntore und Absturzsicherungen an der Rampe. Über das Aussehen der früher genutzten Elemente ist nichts bekannt, auch sind keine Reste der ehemaligen Ausstattung vorhanden. Eine Orientierung an historischen Vorlagen war aus diesen Gründen nicht möglich. Demnach entschied man sich, die Ausstattung des Küchengartens bewusst von denjenigen Bestandteilen des Gartens abzuheben, die sich an historische Vorlagen anlehnen, wie z.B. die Wege- und Beetstruktur oder die Vegetation.

Vier Kriterien bildeten den Rahmen zur Gestaltung der einzelnen Elemente:

  1. Die Ausstattungselemente sollten individuell für diesen Ort erarbeitet werden,

  2. dem Denkmalcharakter des Ortes gerecht werden, d.h. in Material, Form- und Farbgebung mit dem Vorhandenen in eine harmonische Beziehung treten oder in einer positiven Weise zum Vorhandenen in Kontrast stehen,

  3. deutlich zeigen, dass es sich um zeitgenössische Ausstattungselemente handelt und

  4. mit künstlerischem Anspruch und handwerklichem Können überzeugend gearbeitet sein.

Die Betriebe wurden gebeten, ihre Entwürfe bis zum 1.12.2001 bei der Schloss- und Gartenverwaltung Würzburg abzuliefern. 

Im Anschluss entschied eine Kommission, bestehend aus Vertretern der Denkmalpflege und Gartenkunst über die Vorschläge und erteilte nach eingehender Überprüfung Weber und Hermann den Auftrag, den vorgelegten Entwurf weiter auszuarbeiten. Ausschlaggebend für die Bevorzugung des Entwurfs waren z.B.:

  1. eine weniger dominante Anmutung der Elemente, was die übrigen Bereiche des Gartens besser zur Geltung bringt,

  2. eine raffinierte handwerkliche Verarbeitung, die stärker als der konkurrierende Entwurf versucht, an die Tradition hervorragenden Schmiedehandwerks anzuknüpfen

  3. eine stärker an der Funktionalität orientierte Materialverwendung und Formgebung.

Die zeichnerischen Entwürfe beider Betriebe, die ausgeführten Gartenbänke und zwei der insgesamt vier Wasserhähne für die Brunnensteine werden zur Eröffnung des Küchengartens am 8./9. Juni 2002 zu sehen sein.

Farbe zur Eröffnung

Neben den Entwürfen zur Ausstattung des Küchengartens werden Gemälde der Malergruppe "Sichtweise" mit Obst- und Gemüsemotiven zu bewundern sein. Die vier Künstlerinnen Evelyn Bräunlich, Elisabeth Maseizik, Elvi Rieger und Gabi Weinkauf präsentieren auf rund 20 Acrylarbeiten ihre Ansichten zum Thema "Küchengarten". Vor allem das Motiv "Zucchini" stellt hierbei ein beliebtes Thema dar und ist innerhalb der Gruppe sehr unterschiedlich gestaltet und verarbeitet worden. Die Gemälde sind im Rahmen der Eröffnung des Küchengartens am 8./9. Juni 2002 in der Orangerie ausgestellt.

Chronologie der Wiederherstellung des Küchengartens

1997/98:

Herbst und Frühjahr: Vorplanungen zur Wiederherstellung des ehemaligen Küchengartens nördlich der Orangerie

1998:

Erster Bauabschnitt (Neubau westlicher Gartenteil):
Oktober: Rückbau der Treppenanlage an der nördlichen Terrassenmauer; Rodung der Gehölze und Stauden entlang der nördlichen und westlichen Gartenmauer; Freilegung eines stirnseitigen zugemauerten Gartenausganges
November: Wegebau- und Erdarbeiten; Sanitärarbeiten; Neuanlage der Wege und Beetflächen

1999:

Zweiter Bauabschnitt (Neubau östlicher Gartenteil):
Juni: Rasenarbeiten und Ansaat (westlicher Teil)
August: Wegebau- und Erdarbeiten, Sanitärarbeiten; Neuanlage der Wege und Beetflächen; Versetzen der drei noch vorhandenen Muschelkalktröge
September: Ausbilden der neuen Böschung und der Zufahrtsrampe; Rasenarbeiten und Ansaat (östlicher Teil)

2000:

Dritter Bauabschnitt (Bepflanzung)
März: Bepflanzung des Gartens mit Apfelhochstämmen
Oktober: Beauftragung zweier Schmiedebetriebe zur Entwurfsgestaltung der Ausstattung für den Küchengarten
Dezember: Bepflanzung des Gartens mit Birnenhochstämmen
Abgabe der Entwürfe für die Ausstattung des Küchengartens: Bänke, Absturzsicherung an der Rampe, Zauntore, Wasserhähne

2001:

März: Fortführung der Bepflanzung des Gartens mit Beerensträuchern
Mai: Tagung der Kommission zur Beurteilung der Entwürfe zur Ausstattung des Küchengartens
Juni: Einfassung der beiden Rabatten seitlich des Mittelweges mit Kräutern (Salbei, Thymian, Lavendel, Strohblume)
September: Füllpflanzung mit Kapuzinerpresse und Melde
Erstellung und Anbringen des Mauerspaliers an der westlichen Gartenmauer


Zahlen zum Küchengarten der Residenz Würzburg

Größe:

5.000

genutzte Beetfläche:

375

Rasenfläche:

2.500

Wegeflächen:

1.850

Obstsorten:

59 Apfelhochstämme in 29 Sorten
64 Birnenhochstämme in 31 Sorten
38 Johannisbeeren in 8 Sorten
20 Stachelbeeren in 5 Sorten

Einfassung:

122 m Salbei-Einfassung
266 m Thymian-Einfassung
120 m Lavendel-Einfassung
1.700 m Holz-Einfassung

 

Pressemitteilung 5. Juni 2002

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