17. September 2003

Pressemitteilung

Schloss Nymphenburg: Die Restaurierung der Karl-Theodor-Zimmer

Im Jahr 2001 begannen die Voruntersuchungen zur Erarbeitung des Konzeptes für Durchführung der anstehenden Restaurierungsarbeiten. An diesen Untersuchungen waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Restaurierungszentrums sowie freischaffende Restauratoren beteiligt. Dabei zeigten sich das "chinesische" Schreibkabinett und das angrenzende Vorzimmer in sehr unterschiedlichen Erhaltungszuständen, die es zu berücksichtigen galt.

Gemeinsame, grundlegende Probleme in beiden Räumen lagen in den unzureichenden klimatischen Bedingungen begründet. Die Fenster waren nicht ausreichend abgedichtet. Große Klimaschwankungen hatten zu Rissen und Verformungen der hölzernen Wandverkleidungen geführt. Eindringendes Wasser hatte größere Verluste der Farbfassungen im Fensterbereich zu Folge. Durch unzureichende und unsachgemäße Pflege war das Parkett stark verschmutzt und in Mitleidenschaft gezogen. Eine wenig sensibel ausgeführte Elektroinstallation hatte ebenfalls ihre Spuren hinterlassen. Die Türblätter der Durchgangstür vom Vorzimmer zum Kabinett sowie die Tür des eingebauten Ofens waren in einer frühen Phase der Umnutzung als Depot ausgebaut worden. Die Durchgangstüren fanden sich glücklicherweise in einem Baudepot wieder auf, während die Ofentür verschollen blieb. Diese wurde im Zuge der Restaurierungsarbeiten neu angefertigt.

Im "chinesischen" Schreibkabinett zeigte sich, das die weiße Fassung zwar stellenweise überarbeitet war, jedoch weitgehend im originalen, stark verschmutzten und gelösten Zustand vorlag. Teile der vergoldeten Ornamente waren mit einer gealterten Goldbronze überstrichen, unter der sich jedoch noch wesentliche Teile der differenziert ausgeführten originalen Vergoldung befanden. Die gute Befundlage und der in großen Bereichen originale Bestand ermöglichten eine weitgehend konservierende Vorgehensweise. Der vorhandene Bestand wurde gefestigt, Fugen, Risse und Verformungen, soweit möglich, stabilisiert und geschlossen. Übermalungen wurden abgenommen und Fehlstellen behutsam einretuschiert. Der jetzt präsentierte Zustand zeigt somit in weiten Bereichen das gealterte, jedoch originale Erscheinungsbild.

Der vorgefundene Zustand im Vorzimmer unterschied sich sowohl von der Gestaltung, Farbgebung, diversen Überarbeitungen und dem Erhaltungszustand deutlich von dem des "chinesischen" Kabinetts. Größere Bereiche der Fassungen waren gelöst oder verloren gegangen. Fassungsuntersuchungen zeigten, dass die Vertäfelungen ursprünglich weißliche Flächen und Einfassungen aufwiesen und durch ein in kräftigem "giftgrünen" (arsenhaltiges "Schweinfurter grün"?) abgesetzten Profil akzentuiert waren. Die originale Fassung ist fragmentarisch erhalten. Eine Freilegung hätte jedoch einen erhebliche Aufwand bedeutet, ohne ein zufriedenstellendes Ergebnis zu liefern. Hier wurde die Raumschale nach Befund neu gefasst.

Der Holzboden aus "Versailler Tafelparkett" gehört zu den ältesten noch erhaltenen Holzböden im Schloss Nymphenburg. Bei seiner Restaurierung wurde darauf geachtet, nur die konstruktiven Schäden zu beseitigen und das gewachsene Oberflächenbild zu erhalten. Der Boden wurde mit einem holzschonenden Kälte-Reinigungsverfahren von Schmutz und Pflegemitteln gereinigt und anschließend neu gewachst.

Die jetzt präsentierten Teile der Innenausstattung wurden konserviert, die Vorhänge aus grünem Taft rekonstruiert.

Die Restaurierung wurde fachlich begleitet von den Werkstätten für Baurestaurierung, Gemälde-Skulptur, Keramik, Möbel- und Holzobjekte, Textil, der Schreinerei und Zimmerei des Restaurierungszentrums der Bayerischen Schlösserverwaltung sowie freischaffenden Restauratoren.

Die Bauabwicklung und Betreuung erfolgte durch das staatliche Hochbauamt München I.

 

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Claudia Albrecht, Bayerische Schlösserverwaltung, Öffentlichkeitsarbeit
Telefon (0 89) 1 79 08-160, Fax (0 89) 1 79 08-190, presse@bsv.bayern.de


Pressemitteilung 17. September 2003

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