21. April 2004

Pressemitteilung

Hanfstaengl: Neue Terrasse ermöglicht einmaligen Blick auf Klenzes Monumentalbau – die Befreiungshalle

"Eine angemessene Präsentation unseres reichhaltigen kulturellen Erbes erfordert ein zeitgemäßes Tourismusangebot. Mit dem neuen Besucherservicezentrum verfügt die Befreiungshalle in Kelheim über moderne Besuchereinrichtungen für die vielen Besucher aus nah und fern", stellte Präsident der Schlösserverwaltung Egfried Hanfstaengl bei der Eröffnung des Neubaus des Besucherzentrums bei der Befreiungshalle in Kelheim am Mittwoch (21.4.) fest.

Der Michelsberg bei Kelheim, seine Naturschönheiten und sein baulicher Schmuck gehören, so Hanfstaengl, schon seit langem zu den wichtigen touristischen Zielen unseres Landes und damit auch zu den am meisten besuchten Objekten der Bayerischen Schlösserverwaltung. Es sei nicht leicht gewesen, für die Umgebung auf dem Michelsberg – einem Landschaftsschutzgebiet mit Europadiplom – eine rundum funktionierende, allseits akzeptable bauliche Lösung zu entwickeln. "Die gefundene Lösung ist bestechend. Die 1,97 Millionen Euro aus den Privatisierungserlösen sind sichtbar gut angelegt", betonte Hanfstaengl.

Das neue Besucher-Service-Zentrum enthält neben dem Kassenraum neue Sanitäranlagen, einen Museumsladen und ein kleines Restaurant mit 80 Sitzplätzen sowie eine Sonnenterrasse. Von dieser können die Besucher einen einmaligen Blick auf den Monumentalbau Leo von Klenzes genießen. Der Zugang wurde ferner behindertengerecht gestaltet. Das neue Besucherzentrum bietet auch Raum und Gelegenheit für Kulturveranstaltungen, merkte Hanfstaengl an.

König Ludwig I. habe die Standorte seiner Denkmalprojekte stets mit Bedacht ausgewählt. Eine besonders glückliche Hand habe er dabei in Kelheim bewiesen, als es darum ging, einem der markantesten Ereignisse in der europäischen Geschichte des 19. Jahrhunderts einen Erinnerungsbau zu widmen: der Neuordnung des Kontinents, die dem Sturz des Kaisers Napoleon folgte. "Die erfolgreiche Vereinigung der Völker Europas zur Durchsetzung eines gemeinsamen politischen Ziels – nichts anderes war ja in dem entscheidenden Gefecht bei Leipzig im Oktober 1813 gelungen – prägte den späteren Bayernherrscher tief. Die Stiftungsinschrift im Zentrum des Fußbodenmosaiks belegt noch heute diese frühe Völker verbindende Haltung, die in der unmittelbar bevorstehenden Osterweiterung der Europäischen Union eine konsequente Fortentwicklung findet", stellte Hanfstaengl fest.

Die Befreiungshalle errichtete König Ludwig I. als Gedenkstätte und Ehrentempel des eigenen Volkes. Damit sollte die Erinnerung an verdiente Männer und große geschichtliche Ereignisse wach gehalten werden. Sie ist den siegreichen Feldherren in den Schlachten gegen Napoleon und der Einigung aller deutschen Stämme nach den Befreiungskriegen gewidmet. Den Bau begann 1842 Friedrich von Gärtner. Nach seinem Tode führte Leo von Klenze den Bau 1847 nach eigenen Plänen weiter und vollendete ihn schließlich 1863. Das Gebäude aus Ziegelsteinen ist im unteren Bereich 18-eckig und im oberen Teil kreisförmig. "So bewundern wir noch heute den grandiosen, innen bis zu 45 Meter hohen Kuppelsaal als eine der großen Leistungen der Baukunst – und dies weit über Bayerns Grenzen hinaus", hob Hanfstaengl hervor. Die monumentalen Kalksteinfiguren der Strebepfeiler, zu deren Entwurf der Bildhauer Johann Halbig herangezogen wurde, stellen die am Befreiungskrieg beteiligten "Volksstämme" dar. Mit der verkleideten Kuppe entstand ein sehr eigenwilliges, turmartiges Gebäude mit einem flach ansteigenden Ziegeldach. Für die Skulpturen der Siegesgöttinnen im Innern lieferte der Bildhauer Ludwig Schwanthaler verschiedene Modelle. Er selbst konnte allerdings nur noch die beiden Eckfiguren ausführen. Die Arbeiten an den Viktorien aus Carrara-Marmor führten verschiedene Künstler weiter. Die Schilde wurden von Ferdinand Miller aus erbeuteten Geschützen gegossen.

Die Befreiungshalle ist ein markantes Wahrzeichen auf dem Michelsberg südwestlich von Kelheim. Das Wahrzeichen kann jetzt im Rahmen der Sommeröffnungszeit durchgehend von 9 bis 18 Uhr besichtigt werden.

 

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Michael Grill, Bayerische Schlösserverwaltung, Öffentlichkeitsarbeit
Telefon (0 89) 1 79 08-160, Fax (0 89) 1 79 08-190, presse@bsv.bayern.de


Pressemitteilung 21. April 2004

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