28. November 2005

Pressemitteilung

Stadtresidenz Landshut in Memoryspiel und Puzzle verewigt

Burgverwaltung und Stadt Landshut präsentieren Puzzle sowie Gedächtnis- und Wissensspiel

Mit drei neuen Spielen kann die Stadtresidenz Landshut künftig spielend erkundet und entdeckt werden. Die Bayerische Schlösserverwaltung und die Stadt Landshut präsentierten am Montag (28. November) das "Mythen-Spiel", das auch in lateinischer Sprache unter dem Titel "Ludus de fabulis antiquis" erschienen ist, sowie das Puzzlespiel "Der Drache Python".

Das Spiel ist ein Gedächtnis- und Wissensspiel zur antiken Mythologie. Es besteht aus Bildspielkarten und ähnelt dem Memory. Anhand von 30 Kartenpaaren mit Motiven aus den Wand- und Deckengemälden der Stadtresidenz Landshut und dazu passenden Fragen und Antworten kann jeder Spieler mit Wissen über die Residenz und die antike Mythologie glänzen – oder sich fehlendes Wissen aneignen.

Die Antworten zu den Fragen befinden sich auf der jeweils dazugehörigen zweiten Bildspielkarte. Wer das Mythenspiel spielen möchte, sollte ein gutes Erinnerungsvermögen haben, sich in der Stadtresidenz auskennen und sich für die Mythen der alten Griechen und Römer interessieren. Es gibt verschiedene Spielvarianten.

Für das Puzzle "Der Drache Python" ist das Motiv einem der Wandgemälde im Göttersaal der Residenz entnommen. Es hat 270 Teile und ist für Kinder ab circa acht Jahren geeignet.

Im Auftrag der Stadt und der Schlösserverwaltung hat der Städte-Spiel-Verlag die drei neuen Spiele herausgebracht. Die Bildmotive für die Karten sowie fachkundige Fragen und Antworten stellte der stellvertretende Stadtarchivleiter Werner Ebermeier zusammen. Aus der Feder Ebermeiers stammt auch ein Begleitheft mit vielen zusätzlichen Informationen zur antiken Mythologie. Die Redaktion der lateinischen Ausgabe hat Dr. Udo Reinhardt vom Seminar für Klassische Philologie an der Universität Mainz übernommen. Die Motive wurden fotografiert von Hansjörg Eder aus Altdorf bei Landshut.

Die Spiele sind ab sofort erhältlich in den Besucherservicezentren in der Stadtresidenz Landshut und auf der Burg Trausnitz sowie im Verkehrsverein Landshut, in der Buchhandlung Pustet und in der Spielwarenhandlung Holzwurm. Das Mythenspiel kostet in deutscher und lateinischer Fassung 16,95 Euro. Das Puzzle "Der Drache Python" ist für 9,95 Euro zu haben.

Der Drache Python

In uralter Zeit lebte in Griechenland auf dem Berg Parnass ein riesiger Drache. Seine Mutter war die Erdgöttin Gaia (lateinisch Tellus, Terra). Ihr gehörte damals das an der Südseite des Berges gelegene Orakel von Delphi, welches viele Jahrhunderte große Bedeutung besaß. Zu dieser berühmten Stätte kamen die Menschen der Antike von nah und fern, um die Gottheit in bestimmten Angelegenheiten durch die Vermittlung einer Priesterin um Rat zu fragen. Menschen, die in ihrem Privatleben eine schwierige Entscheidung zu treffen hatten, aber auch Gesandtschaften kleiner und großer Staaten, in denen wichtige politische Beschlüsse – etwa über Krieg und Frieden – bevorstanden, waren in Delphi anzutreffen. Die ältesten Besucher des Orakels durften allerdings nicht ängstlich sein, denn in grauer Vorzeit bewachte ein Furcht erregendes Monster den heiligen Ort: der Drache Python. Auf dem Spiel ist der Drachen vor seiner Höhle zu sehen. Im Hintergrund ist Delphi angedeutet.

Wenn auch die Menschen vor dem Ungeheuer erschauderten, so fand es in dem Gott Apollon (Apollo) doch seinen Bezwinger. Zu dem Kampf Apollons gegen den Drachen kam es angeblich aus folgendem Grund: Als die eifersüchtige Göttin Hera (Iuno) erfuhr, dass Zeus (Iuppiter), ihr späterer Gatte, Leto (Latona) geschwängert hatte, verfügte sie, dass die werdende Mutter ihre Kinder dort zur Welt bringen solle, wo die Sonne niemals hinkomme. Python aber verfolgte die Schwangere in der Absicht, sie zu töten. Um sie vor diesem Schicksal zu bewahren, gab Zeus Leto in die Obhut des Meeresgottes Poseidon (Neptunus), der sie auf die Insel Ortygia (Wachtelinsel) brachte, die später den Namen Delos erhielt. Um Heras Willen Genüge zu leisten, bedeckte Poseidon die Insel mit seinen Wogen, so dass die Sonne sie nicht mehr erreichen konnte. Andererseits vermochte aber auch Python die derart versteckte Leto nicht zu finden und musste unverrichteter Dinge auf den Parnass zurückkehren.

Leto gebar nun die Zwillinge Apollon und Artemis (Diana). Hephaistos (Vulcanus), der Gott des Feuers und der Schmiedekunst, beschenkte die beiden mit Pfeilen. Schon wenige Tage nach seiner Geburt soll sich Apollon aufgemacht haben, um Python für seine Mordabsichten zu bestrafen. Mit einem wahren Pfeilhagel – wie bei dem römischen Dichter Ovid nachzulesen ist – brachte er den Drachen zur Strecke und übernahm nun selbst das Delphische Orakel. Seine Orakelpriesterin nannte man Pythia. Aus den Leichenspielen, die Apollon nach dem Tod Pythons abhielt, gingen nach antiker Vorstellung die Pythischen Spiele hervor. Diese genossen in der Antike ein kaum geringeres Ansehen als die ihnen vergleichbaren Olympischen Spiele. Gegen Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. setzte ihr Niedergang ein.

Die Darstellung des Drachen Python befindet sich neben zahlreichen anderen Szenen aus der antiken Mythologie als Wandgemälde im Italienischen Bau der Stadtresidenz Herzog Ludwigs X. in Landshut. Das im Jahr 1543 fertiggestellte Gebäude ist ein nach norditalienischen Vorbildern erbauter Renaissancepalast.

 

Presse-Informationen:
Ines Treffler, Pressesprecherin der Bayerischen Schlösserverwaltung
Telefon (0 89) 1 79 08-160, Fax (0 89) 1 79 08-190, presse@bsv.bayern.de


Pressemitteilung 28. November 2005

| nach oben |