15. März 2005

Pressemitteilung

Vier restaurierte Prunkstücke für Schloss Veitshöchheim

Eckschreibtisch (Inventar-Nummer: Vh.M 28)

Für eine ungewöhnliche Raumsituation wurde ein Schreibtisch mit Aufsatz speziell maßangefertigt: Er sollte nicht nur in eine Ecke passen, diese Ecke hatte auch noch unterschiedlich breite Seitenwände. Trotzdem wirkt der mit Nussbaum und Wurzelmaser furnierte Tisch mit fünf Schubladen auf den ersten Blick völlig symmetrisch. Erst bei genauerer Betrachtung des Aufsatzes, der weitere acht Schubladen und drei offene Fächer enthält, zeigt sich die Asymmetrie, die dazu führt, dass die Laden rechts nur halb so tief sind wie die auf der linken Seite.

Bei der aktuellen Restaurierung im Restaurierungszentrum der Schlösserverwaltung wurde die Konstruktion stabilisiert, das Furnier gefestigt und – wo nötig – ergänzt, sowie die Beschläge gereinigt. Eine besondere Methode wurde zur Behandlung starker Lichtschäden angewendet: Durch Lösungsmitteldämpfe konnte die Oberfläche regeneriert werden, ohne die vorhandene Politur zu beeinträchtigen. Dadurch kommt die feine Maserung der Furniere und die Differenziertheit der Oberflächengestaltung wieder voll zur Geltung.

Das um 1760 in Süddeutschland angefertigte Möbel steht erst seit der Wiedereinrichtung des Schlosses als Besichtigungsobjekt 1932 in Veitshöchheim, ursprünglich gehörte es zum Möbelbestand in Nymphenburg.

Schreibschrank in Lacktechnik (Inventar-Nummer: Vh.M 29)

Ein Möbel, dem die Bewunderung der Besucher stets gewiss ist, ist ein großer Schreibschrank, dessen schwarzgrundige Oberfläche in Lacktechnik gestaltet ist. Bei dem um 1720/30 entstandenen Möbel, dessen genaue Herkunft ungeklärt ist, handelt es sich jedenfalls um eine europäische Arbeit. Auf der schwarzen Lackoberfläche mit eingestreuten, glitzernden Metallpartikeln sind mit leicht erhabener Modelliermasse verschiedenste fernöstliche Motive dargestellt: Architektur- und Landschaftsdarstellungen werden belebt durch figürliche Szenen, durch exotische Blüten, Pflanzen, Vögel, Insekten und zwei spielende Tiger.

Das Möbel besteht aus einem kommodenartigen Unterbau mit vier Schubladen, darüber folgt das aufklappbare Schreibfach und ein hoher, mit einem doppelten Bogen schließender Aufsatz mit zwei verspiegelten Türen.

Bei der von der Schlösserverwaltung betreuten Restaurierung dieses Möbels durch eine externe Restaurierungswerkstatt wurde die Konstruktion wieder stabilisiert, Risse ausgespant, die Fassung gesichert und gereinigt. Unsachgemäße ältere Kittungen wurden entfernt und materialgerecht ersetzt und einretuschiert.

Deckenleuchter mit fliegendem Genius (Inventar-Nummer: Vh.B 5)

Nach den Fürstbischöfen von Würzburg und vor den bayerischen Königen nutzte Großherzog Ferdinand von Toskana, der 1806-1814 das damalige Großherzogtum Würzburg regierte, die Annehmlichkeiten von Schloss Veitshöchheim als Sommersitz. Unter den von diesem Fürsten angeschafften Einrichtungsgegenständen fällt ein figürlich gestalteter Leuchter auf:

Scheinbar schwerelos schwebt ein geflügelter weiblicher Genius in der Luft, der zwei goldene Reifen hält. An dem einen in seiner erhobenen Rechten ist der gesamte Leuchter von der Decke abgehängt, an dem anderen in seiner gesenkten Linken hängt eine urnenförmige Ampel mit drei vergoldeten Widderköpfen und eben so vielen Leuchterarmen.

Die stark geschädigte, Bronze imitierende Fassung des um 1807/1808 aus Holz geschnitzten Leuchters wurde im der Restaurierungszentrum der Schlösserverwaltung mit Warmleim gefestigt. Anschließend konnte die Oberfläche gereinigt, Fehlstellen mit geeigneter Kittmasse geschlossen und mittels Retuschen farblich an die angrenzenden Flächen angeglichen werden.

Anzeigetafel für das Billardspiel (Inventar-Nummer: Vh.M 60)

Ab dem 22. April 2005 wird sich das "Billardzimmer" in Schloss Veitshöchheim wieder mit einer Einrichtung präsentieren, die seinem Namen entspricht. Während der schwere historische Billardtisch bereits im Würzburger Kunstdepot auf seine Neuaufstellung wartet, erhält das Zubehör momentan noch in den Münchner Restaurierungswerkstätten der Schlösserverwaltung seine abschließende Behandlung. Neben normalen Billardqueues und Hilfsqueues mit ungewöhnlichen Formen gehört dazu auch ein Satz Elfenbeinkugeln mit altertümlichen Punktmarkierungen und eine handgeschriebene Tabelle, die offenbar für ein besonderes Zahlenbillard Verwendung fand.

Ästhetisch ansprechend gestaltet ist vor allem eine hölzerne Anzeigentafel vom Anfang des 19. Jahrhunderts. Durch zwei verschiebbare "Händchen" als Zeiger konnten hier Spieler "Eins" und Spieler "Zwey" ihren jeweiligen Punktestand markieren. Die als Pfeile gestalteten Stangen, auf denen die Zeiger laufen, sind erstaunlicherweise aus Silber und nur mit einem transparenten gelben, äußerst haltbaren Lack überzogen. Die Pfeilspitzen, Die Federn, die naturalistisch gestalteten Händchen sowie der Löwenkopf im geschwungenen oberen Abschluss der Tafel bestehen dagegen aus vergoldeter Bronze.

Im Restaurierungszentrum der Schlösserverwaltung wurden alle Einzelteile gereinigt. Das partiell stark ausgebildete Krakelee der blauschwarzen Holzoberfläche der Tafel (die vielleicht auch für Kreidenotizen diente?) wurde optisch reduziert. Fehlstellen der Fassung wurden durch Retuschen geschlossen. Intention war es auch bei dieser Restaurierung, das die historischen Gebrauchsspuren ablesbar bleiben.

 

Presse-Informationen:
Ines Treffler, Pressesprecherin der Bayerischen Schlösserverwaltung
Telefon (0 89) 1 79 08-160, Fax (0 89) 1 79 08-190, presse@bsv.bayern.de


Pressemitteilung 15. März 2005

| nach oben |