27. Oktober 2005

Pressemitteilung

Festung Marienberg in Würzburg: Restaurierung des Renaissance-Portals der Marienkirche abgeschlossen

Ein Jahr nach Beginn der Arbeiten konnte nun die Restaurierung des Renaissance-Portals der Marienkirche auf der Festung Marienberg in Würzburg abgeschlossen werden. Die Gesamtkosten der Instandsetzung, die unter der Leitung des Staatlichen Hochbauamtes Würzburg stand, belaufen sich auf 114.000 Euro. Die Fachaufsicht hatte die Bayerische Schlösserverwaltung. Der Freistaat Bayern wendet derzeit pro Jahr für den Bauunterhalt der Festung Marienberg rund 200.000 Euro und für Instandsetzung der Mauern und Wälle rund 500.000 Euro auf.

 

Die Marienkirche

Ältester Kern der Marienkirche ist der ehemals freistehende zweigeschossige Rundbau mit einer zurückgesetzten Rotunde als Obergeschoss, die mit romanischen Lisenen und Rundbogenfriesen gegliedert ist. Die Entstehung dieses Baues wird im 11. Jahrhundert angenommen. Nach dem Festungsbrand von 1600, der auch die Marienkirche in Mitleidenschaft zog, ließ Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn die romanische Rundkirche in Form einer Zentralkapelle der Renaissance umgestalten. Die Fenster wurden zur heutigen spitzbogigen Form vergrößert, eine Balustrade mit grotesken Wasserspeiern wurde auf den Unterbau aufgesetzt und das kuppelförmige Dach mit Laterne auf der Rotunde errichtet. Gleichzeitig wurde der Kirche durch den Bildhauer Michael Kern an der Westseite ein zweigeschossiges Portal aus rotem Sandstein vorgeblendet. Dieses wurde 1893 zum großen Teil inklusive der Skulpturen erneuert.

 

Das Portal

Der Eingang, über dem sich in einer runden Rollwerkkartusche das Wappen des Bauherrn Julius Echter befindet, wird flankiert von den zwischen den Säulenpaaren stehenden Figuren der Apostel Petrus und Paulus. Der Architrav dient als Sockel für eine Gruppe der Verkündigung Mariä beiderseits eines von Doppelpilastern gerahmten Rundbogenfensters. Über dem bekrönenden Gesims mit gesprengtem Giebel steht die Figur der Muttergottes, begleitet von den Gestalten des Frankenapostels Kilian und des ersten Würzburger Bischofs Burkard.

 

Die Schäden

Neben der Witterungsexposition des Portals führten vor allem gravierende Fehler bei früheren Restaurierungsmaßnahmen zu dem insgesamt desolaten Erhaltungszustand. Für die Schäden an der Portalarchitektur waren vor allem die defekten bzw. mangelhaft ausgeführten Blechabdeckungen ursächlich. Ständige Durchfeuchtung und Frostsprengung im Winter unter der Sandsteinoberfläche führten häufig zu Mehrfachschäden, vor allem Schalenbildung und Abschuppen des Natursteins. Bei früheren Sanierungen wurden wegen der zahlreichen Fehlstellen sehr viele Mörtelergänzungen ausgeführt, die heute wiederum hohl liegen und abzufallen drohen. Eine dauerhafte Erhaltung der oberen Portalhälfte mit konservatorischen Mitteln war aufgrund dieser starken Schäden nicht möglich.

 

Die Planung

Grundlage der jetzigen Maßnahme war eine umfassende Bestandsaufnahme mit Kartierung durch den Steinrestaurator Walter Hartleitner aus Bamberg, der bei der Ausführung auch die Fachbauleitung innehatte. Wertvolle Hinweise für die möglichst originalgetreue Wiederherstellung des Portals lieferten historische Fotografien, die Herr Dr. Markus Hundemer vom Bildarchiv des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege freundlicherweise zur Verfügung stellte. Ein wiederentdecktes Foto des Zustands vor 1893 zeigt zwar ebenfalls einen stark verwitterten und reduzierten Erhaltungszustand – was die weitgehende Erneuerung 1893 erklärt – aber auch einige interessante, bei späteren Sanierungen veränderte Details.

 

Die Maßnahmen

Aus Gründen der Nachhaltigkeit musste in der oberen Portalhälfte ein umfassender Natursteinaustausch durchgeführt werden, verbunden mit einem kompletten Ab- und Wiederaufbau in diesem Bereich. Nicht erneuert wurden der bekrönende Sprenggiebel, die Volutenelemente seitlich des Fensters sowie das Gewände und der Bogen des Fensters. Als Austauschmaterial kam ein dem Originalmaterial entsprechender roter Mainsandstein zur Anwendung. Abweichend zum Vorzustand wurden alle Profilstücke rückseitig ins Mauerwerk der Fassade eingebunden und auf der Oberseite leicht abgeschrägt, um eine ausreichende Wasserableitung zu gewährleisten. So konnte auf Verblechungen weitgehend verzichtet werden.

Zur Erhaltung der verbleibenden originalen steinernen Oberflächen der Portalarchitektur und an sämtlichen Figuren wurden konservatorische Maßnahmen durchgeführt. Sie umfassten im wesentlichen die Festigung sandender und schuppender Partien mit Kieselsäureester, eine Klebung von lockeren Teilen und Schalen mit Epoxidharz und deren Hinterfüllung mit mineralischer Injektionsmasse. Schalenkanten wurden mit einer dem Stein angepassten mineralischen Kittmasse angeböscht. Defekter oder fehlender Fugenmörtel wurde ersetzt. Nach Stabilisierung der Oberflächen erfolgte eine Abnahme der restlichen alten Anstriche mit einem Wirbelstrahlverfahren. Dies ergab zum einen ein vereinheitlichtes Erscheinungsbild und zum anderen eine verbesserte Diffusionsfähigkeit der Steinoberflächen. Abschließend wurden neue Kittungen und Altantragungen mittels Retusche farblich an den umgebenden Stein angepasst.

 

Presse-Informationen:
Ines Treffler, Pressesprecherin der Bayerischen Schlösserverwaltung
Telefon (0 89) 1 79 08-160, Fax (0 89) 1 79 08-190, presse@bsv.bayern.de


Pressemitteilung 27. Oktober 2005

Download dieser Pressemitteilung als rtf-Datei

| nach oben |