5. März 2007

Pressemitteilung

Toskana-Möbel wieder in der Residenz Würzburg zu sehen

Schlösserverwaltung will weitere bislang deponierte Originalmöbel mit Hilfe von Spenden restaurieren

Die Residenz Würzburg ist um vier Kunstwerke des Toskana-Mobiliars reicher. Nach aufwendigen Restaurierungsmaßnahmen präsentiert die Bayerische Schlösserverwaltungam Donnerstag (8. März) den ersten Teil einer prachtvollen vergoldeten Sitzgarnitur. Aus dem kriegszerstörten Großen Salon der sogenannten Toskanazimmer sind ab sofort wieder einige der mit kunstvollen Ornamenten überzogenen Möbel des Großherzogs Ferdinand III. von Toskana zu sehen: ein Schlafsessel (Bergère), ein gepolsterter Hocker (Tabouret) und zwei Armlehnsessel (Fauteuils). Schon die 54 seidenumsponnenen Quasten, die die Restauratoren wieder an dem Hocker anbrachten, sind kleine Kunstwerke für sich. Und für die gesamte Garnitur mussten 90 Meter Borte neu angefertigt werden.

Jetzt lassen die eleganten Möbelstücke aus dem 1809 bis 1812 eingerichteten Großen Salon wieder etwas von dem Glanz der Empire-Ausstattungen der Residenz zur Regierungszeit Ferdinands III. von Toskana als Großherzog von Würzburg (1806-1814) lebendig werden.

Der Verein der Freunde der Würzburger Residenz ermöglichte durch eine Spende in Höhe von 10.000 Euro die Restaurierung der ersten vier Möbel dieser Sitzgarnitur.

Weitere Teile der Garnitur sollen restauriert und gezeigt werden.

Mit Hilfe von Spenden will die Schlösserverwaltung auch alle weiteren Teile der Garnitur, die 1945 nicht zerstört wurden, restaurieren und ausstellen. Für die Fortsetzung der Restaurierung ist vom Rotary Club Würzburg bereits eine Spende in Höhe von 2.500 Euro eingegangen. Benötigt werden insgesamt rund 30.000 Euro.

Möbelkunst auf höchstem Niveau: Sechs Stühle und ein drei Meter langer Diwan

Neben den nun präsentierten Möbeln gibt es noch einen zweiten Schlafsessel, zwei weitere Armsessel, sechs Stühle und einen weiteren Hocker. Eine Besonderheit ist der über drei Meter breite Diwan: Er besteht aus zwei zusammengeschobenen, mit je einer halbrunden Seitenlehne versehenen Teilen, die auch einzeln als Chaiselongue verwendet werden konnten.

Großherzog Ferdinand III. von Toskana

Der Habsburger Ferdinand III. von Toskana (1769-1824), ein Enkel Maria Theresias und Bruder des deutschen Kaisers Franz II., war von französischen Truppen aus der Toskana verdrängt worden. Als Ersatz erhielt er zunächst Salzburg, 1805 im Frieden von Pressburg dann das säkularisierte Hochstift Würzburg als Herrschaftsgebiet zugesprochen. Am 1. Mai 1806 traf er als Großherzog von Würzburg in der Residenz ein. Acht Jahre regierte er hier, bevor er 1814 in sein angestammtes Großherzogtum nach Florenz zurückkehren konnte.

Wohnen im Empirestil: Die Toskanazimmer der Residenz Würzburg

Ferdinand III. von Toskana ließ in der Residenz drei Appartements in modernen Empireformen für sich und seine Familie einrichten. Die Ausstattung der Toskanaräume im Zeitstil des Empire erfolgte nach Entwürfen des in Frankreich geschulten Innenarchitekten Nicolas-Alexandre Salins de Montfort (1753-1839). Dessen engster Mitarbeiter war der Frankfurter Tapezierer Ludwig Daniel Philipp Rumpf (1762-1845), ein Spezialist für Möbelherstellung und textile Raumausstattung. Möbelgarnituren wurden außerdem von dem Schreinermeister Johann Valentin Raab (1777-1839) und der Werkstatt des kurz zuvor verstorbenen Philipp Carl Hildebrand (1753-1805), beide in Frankfurt, angefertigt. Bronzearbeiten und Uhren wurden größtenteils aus Paris bezogen, Glaslüster aus Dresden.

Sämtliche wandfesten Ausstattungen dieses Toskanaappartements fielen dem Residenzbrand nach der Bombardierung Würzburgs 1945 zum Opfer. Heute befindet sich dort die Gemäldegalerie des Martin von Wagner Museums der Universität Würzburg. Ein bedeutender Teil des Mobiliars der Toskanazeit – in erster Linie Sitzgarnituren – konnte jedoch gerettet werden, wenn auch in beschädigtem Zustand.

 

Presse-Informationen:
Ines Holzmüller, Pressesprecherin der Bayerischen Schlösserverwaltung
Telefon (0 89) 1 79 08-160, Fax (0 89) 1 79 08-190, presse@bsv.bayern.de


Pressemitteilung 5. März 2007

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