2. April 2009

Pressemitteilung

Neue Bilder auf Herrenchiemsee

Exter-Galerie zeigt "Porträt eines Japaners"

Zwei neu gestaltete Räume in der "Gemäldegalerie Julius Exter": Zum Start in das Sommerhalbjahr 2009 erwarten den Besucher im Augustiner-Chorherrenstift mehrere Bilder, die hier noch nicht gezeigt wurden. Darunter befindet sich auch Exters berühmtes "Porträt eines Japaners". Die Galerie zeigt in zwölf Räumen rund 150 Bilder aus allen Schaffensperioden Julius Exters (1863-1939). Der vielseitige Maler wird heute wieder zu den wichtigsten Vorkämpfern der Moderne in München gezählt.

Im Mittelpunkt des ersten Raumes steht das feierlich-strenge Porträt des Geistlichen "Professor Wilhelm Mülle" von 1905. Dem monumentalen Bildnis sind Gemälde mit christlichem Inhalt zugeordnet. Außerdem finden sich im Raum einige kleine Porträts, von denen der mystisch aus dem Dunklen hervorleuchtende Bildniskopf Exters von 1909 besonders beeindruckt. Exters Bilder wirken hier expressiv erregt, oft auch schwermütig.
Heiter und lebensfroh sind dagegen die Gemälde im zweiten neu gestalteten Raum mit Landschaften und Badebildern vom Chiemseestrand: Höhepunkte der Freilichtmalerei, in denen sich Exters souveräne Gestaltung mit Farben vollendet manifestiert.

 

Berühmtes Dokument einer Freundschaft: Exters Porträt von Harada Naojiro

Internationalen Ruhm genießt Exters Porträt seines japanischen Studienkollegen und Freundes Harada Naojiro (1863-1899). Es entstand 1884/85 während des gemeinsamen Studiums an der Akademie in München und wurde 1888 als "Porträt eines Japaners" im Münchner Glaspalast ausgestellt. Jetzt ist es erstmals auf Herrenchiemsee zu sehen und bildet den wirkungsvollen Auftakt zur Exter-Galerie: Das in dunklen Farben gehaltene ganzfigurige Porträt  ist von einer geheimnisvollen Aura umgeben, die durch den breiten Altgoldrahmen noch gesteigert wird. Dunkle Farbtöne und schimmerndes Gold verleihen der exotischen Gestalt des Porträtierten eine geradezu visionäre Wirkung.

Naojiro präsentiert sich darauf stolz in offizieller japanischer Kleidung mit grüner, schwarzgestreifter Rockhose (hakama), hellbraunem Kimono und schwarzem Überwurf (haori). Die Linke hält eine japanische Tabakspfeife, während die Rechte ein einfaches Tischchen berührt, auf dem persönliche Gebrauchsgegenstände seine Herkunft verraten. Eine chinesische Porzellanvase und der in zarten Farben ausgeführte japanische Paravent im Hintergrund sind weitere Attribute dieses jungen Mannes aus der Fremde, dessen fein modellierter Kopf sich hell von den sonst tonig und eher geheimnisvoll dunkel gehaltenen Partien des Bildes abhebt. Einige Farbskizzen beziehen sich auf das Metier des Kunststudenten und angehenden Malers.

 

Der erste japanische Kunststudent in München

Harada Naojiro war der Sohn eines Samurais aus Edo. Im Februar 1884 war er nach München gekommen, um als erster Japaner an der Kunstakademie Malerei zu studieren. Er nahm Unterricht beim Historien- und Porträtmaler Gabriel von Max. In München lernte der Künstler 1886 auch seinen Landsmann Mori Ōgai kennen, später der ranghöchste Militärarzt Japans und zugleich der bekannteste japanische Schriftsteller und Übersetzer (vor allem auch deutscher Literatur) des 19. Jahrhunderts. Ōgai hat seinen Freund Harada – und mit ihm auch Julius Exter – als Romanfigur in der Novelle "Utakata no ki" ("Wellenschaum") verewigt.

Exters Harada-Porträt beweist einerseits die frühe Meisterschaft des Kunststudenten und ist andererseits das Dokument einer ungewöhnlichen Freundschaft. Dieses wohl bekannteste Exter-Bild ist vor allem in Japan zu einer Art Ikone geworden. Auf dem Weg zum Königsschloss ist es jetzt den zahlreichen japanischen Besuchern möglich, das Harada-Porträt im Original kennenzulernen.

 

Sommeröffnungszeiten auf Herrenchiemsee

Die "Gemäldegalerie Julius Exter" ist ein Teil des Museums im Augustiner-Chorherrenstift Herrenchiemsee und befindet sich im barocken Prälaturstock (Nordflügel) des ehemaligen Klosters. Als Museum öffentlich zugänglich ist auch das Exter-Haus mit Garten in Übersee-Feldwies am Chiemsee. In einer Sonderausstellung sind hier im Sommer 2009 weitere Werke des Künstlers zu sehen.

Im Neuen Schloss Herrenchiemsee gelten bereits die Sommeröffnungszeiten: Das "bayerische Versailles" Ludwigs II. öffnet seine Tore täglich von 9 bis 18 Uhr für Besucher.

Weitere Informationen zu Herrenchiemsee finden Sie unter www.herrenchiemsee.de.

 

Presse-Informationen:
Dr. Jan Björn Potthast, Pressesprecher der Bayerischen Schlösserverwaltung
Telefon (0 89) 1 79 08-160, Fax (0 89) 1 79 08-190, presse@bsv.bayern.de


Pressemitteilung 2. April 2009

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