30. September 2009

Pressemitteilung

Schlösserverwaltung restauriert Wände und Deckenfresken

Innenrestaurierung der Hofkirche der Residenz Würzburg beginnt

Die Restaurierungsarbeiten in der Hofkirche der Residenz Würzburg beginnen am Montag (5. Oktober). Mit einem festlichen Gottesdienst am Vorabend (Sonntag, 4. Oktober) um 18 Uhr wird die bevorstehende Restaurierung gefeiert. Aus Sicherheitsgründen muss die Kirche während der rund dreieinhalb Jahre dauernden Bauarbeiten gesperrt werden. Ab Mitte 2012 ist die Hofkirche voraussichtlich wieder für Besucher geöffnet.

Restauriert werden unter anderem die Wände und Deckenfresken, die Dacheindeckung wird erneuert, die drei Gewölbedecken saniert, der Glockenturm reaktiviert und die Orgel erweitert. Die umfangreiche Sanierung kostet einschließlich der bereits abgeschlossenen Kirchendachsanierung rund 3,5 Millionen Euro.

 

In der "Nacht der offenen Kirchen" öffnet die Hofkirche bis 21 Uhr

Eine gute Gelegenheit, die Hofkirche noch einmal zu besichtigen, bietet sich in der "Nacht der offenen Kirchen" am Freitag, 2. Oktober. Dann öffnet die Schloss- und Gartenverwaltung Würzburg die Hofkirche bis 21 Uhr.

Die Hofkirche der Residenz, eine der vollkommensten Sakralbauten des 18. Jahrhunderts in Deutschland, ist ein Werk Balthasar Neumanns. Die 1735 bis 1743 ausgeführte Dekoration hat Lucas von Hildebrandt aus Wien entworfen. Der Grundstein für die Residenz der Würzburger Fürstbischöfe war im Jahre 1720 im Auftrag von Fürstbischof Johann Philipp Franz von Schönborn gelegt worden. Die Residenz, seit 1981 UNESCO-Weltkulturerbe, zählt zu den bedeutendsten architektonischen Schöpfungen der Barockzeit und darf in einem Atemzug mit Schloss Versailles bei Paris oder Schloss Schönbrunn bei Wien genannt werden.

Weitere Informationen im Internet: www.residenz-wuerzburg.de

1. Zeittafel

1719
Planungsbeginn der Residenz, Kirche im Nordost-Flügel platziert

1720
Grundsteinlegung im Mai, Kirche im Nordoval geplant

1730
Verlegung der Kirche in den Südwest-Flügel, Entwürfe von J. L. v. Hildebrandt und B. Neumann

1732
Ausführungsentwurf von B. Neumann, 1733 Einwölbung

1735/36
Ausmalung der Kuppeln durch J. R. Byss, Beginn der Auskleidung mit farbigem Stuckmarmor durch A. Bossi

1737
Seitenaltäre zur Ausführung befohlen, aufgerichtet 1741, Vergoldung bis 1744

1738
Oberer Altar mit Versetzen der Immaculata vollendet

1740
Festlegung der Assistenzfiguren und deren Bestellung in Carrara nach Entwürfen von J. W. v. d. Auvera

1741
Kolonnadenaltar vollendet

1743
Weihe am 13. September

ab 1945
Durchfeuchtung der Gewölbe- und Kämpferzone infolge Kriegsschäden

1958-1963
Restaurierung des Kirchenraumes

1981
Aufnahme der Residenz in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO

 

2. Würdigung

Die Hofkirche der Würzburger Residenz gehört wegen Balthasar Neumanns geistreicher Architektur und wegen der Phantasie und Qualität ihrer Ausstattung – hauptsächlich durch Antonio Bossi – zu den Höhepunkten der europäischen Baukunst. Sie ist im Zusammenspiel von Architektur, Malerei, Skulptur und Ornament ein Werk aus einem Guss, dem man weder die langwierige Planungsgeschichte mit ihren vielen Änderungen noch die Zwänge des gewählten Bauplatzes anmerkt. Das ständige Anpassen und Perfektionieren der Ideen seit 1731 kam dem systematisch-schöpferischen Denken Neumanns entgegen, der gleich einem Dirigenten die vielstimmigen Einflüsse und Überlegungen zusammenführte.

Während sich die Ikonographie der Kirche mit Darstellungen von Maria, Dreifaltigkeit und Bistumsheiligen in traditionellen Bahnen bewegt, wurden für Architektur und Ausstattung Ideen aus Italien, Böhmen, Frankreich und Deutschland aufgenommen und durch die beteiligten Künstler zu eigenem Ausdruck umgemünzt: Der europäische Horizont brachte ein Werk hervor, das so nur in Würzburg stehen kann.

 

3. Eckpunkte der Restaurierungsmaßnahmen
Chronologie der Maßnahme
  • 1999 erste Abstürze von Stuck aus dem Bereich der Gewölbe.

  • Seit 2000 Untersuchung der Schadensphänomene mit ständiger Beobachtung der Schadensentwicklung, um verlässliche Aussagen über den Schadensumfang machen zu können.

  • Der Planungsauftrag wurde am 11.6.2007 erteilt.

  • Die Kosten der am 11.6.2007 baufachlich genehmigten Haushaltsunterlage wurden auf 3.500.000 Euro festgesetzt.

  • Am 9.7.2008 wurde die Maßnahme vom Ausschuss für Staatshaushalt und Finanzfragen des Bayerischen Landtages genehmigt.

  • Das Bayerische Staatsministerium der Finanzen hat am 9.7.2008 Bauauftrag erteilt.

 

Wichtigste Einzelmaßnahmen
  • Restaurierung der Innenraumschale mit Stuckornamentik von Antonio Bossi und Konservierung der Deckenmalerei des Johann Rudolph Byss, sowie deren Überarbeitung durch Karl Körner.

  • Neueindeckung des Schieferdaches über der Hofkirche einschließlich Austausch der Holzschalung und Erneuerung des Blitzschutzes.

  • Sanierung des Gewölberückens über dem Kirchenraum mit anschließender Entschuttung des Dachraums.

  • Reaktivierung des Glockenturms über dem Zwischenbau.

  • Restaurierung der Orgel und Erweiterung durch ein zusätzliches Rückpositiv.

 

Schäden an der Innenraumschale und Deckenmalerei
Das Schadsalz Magnesiumsulfat hat den Stuck weitgehend entfestigt und die Goldauflage aufgesprengt. Dies ist auf die starke Durchfeuchtung der Gewölbe ab 1945 zurückzuführen. Abstürze von großen Stuckteilen waren die Folge, deshalb musste im Jahr 2000 zur Sicherheit der Besucher ein Netz über den gesamten Kirchenraum gespannt werden. Bei der Deckenmalerei ist beinahe vollständiger Verlust der Haftung der Malschicht auf dem Untergrund festzustellen.

 

Restaurierungsmaßnahmen
Es erfolgt eine Bearbeitung aller Schadstellen im vergoldeten Stuck und eine nachhaltige Reparatur durch Abnahme der salzkontaminierten Bereiche mit gleichzeitiger Sicherung der Originalsubstanz einschließlich Salzreduzierung und Konservierung des Originalbestandes. Die Fehlstellen werden neu stuckiert und wieder vergoldet. Die salzbelasteten Marmorierungen sowie die Stuckplastik werden nach der Entfernung des Schadsalzes neu gefasst. Die Malschichtträger der Deckenmalerei in den drei Gewölbekuppeln werden durch Hinterspritzen und Hinterfüllen der Hohlstellen gesichert, die Risse sind zu schließen. Die Oberfläche der Malschicht wird entstaubt und gereinigt. Die gesamte Fläche ist nach der Salzreduzierung noch zu festigen und die verschiedenen Fehlstellen werden, wo nötig, retuschiert.

 

Presse-Informationen:
Ines Holzmüller und Dr. Jan Björn Potthast, Pressesprecher der Bayerischen Schlösserverwaltung
Telefon (0 89) 1 79 08-160 und -180, Fax (0 89) 1 79 08-190, presse@bsv.bayern.de


Pressemitteilung 30. September 2009

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