17. September 2010

Pressemitteilung

Kaffee-Kultur: Vier kostbare Neuerwerbungen für Bayreuth

Museum Bayreuther Fayencen um bedeutende Stücke reicher

Dank einer Spende des Bayreuther Mäzens Dipl.-Ing. Wolfgang Ramming konnte die Bayerische Schlösserverwaltung einige bedeutende Objekte für das Museum Bayreuther Fayencen neu erwerben.

Eine kapitale Kaffeekanne mit phantasievollen Malereien auf höchstem Niveau und drei "Koppchen" ergänzen bald die Sammlung Rummel im Neuen Schloss. "Die Neuerwerbungen bereichern das Fayencen-Museum auf das Glücklichste, so dass im Neuen Schloss einer der weltweit besten Bestände Bayreuther Hausmalerei gezeigt werden kann", freut sich Dr. Peter O. Krückmann von der Schlösserverwaltung.

Die Neuerwerbungen werden bei den Residenztagen im Rahmen der Führung "Schätze aus dem Depot" im Neuen Schloss der Öffentlichkeit vorgestellt (Samstag 18.9., 11 und 14 Uhr).

Bayreuth war im 18. Jahrhundert berühmt für seine Fayence-Manufaktur. Die zwischen 1716 und 1788 produzierten Erzeugnisse trugen den Ruhm Bayreuths als bedeutendes Zentrum höfischer Kultur weit über die Grenzen des Fürstentums hinaus.

"Hausmalerei" auf höchstem Niveau

Im Schatten dieses blühenden Manufakturgewerbes stehen bis heute die Bayreuther Hausmaler, obgleich sie zu den bedeutendsten Vertretern ihres Fachs zählen. Hausmaler arbeiteten nicht nur in der Fayence-Manufaktur, sondern dekorierten auch als freie Künstler zu Hause weißes, unbemaltes Porzellan, das von auswärtigen Manufakturen bezogen wurde. Beliebt waren Formstücke aus Meißen, aber auch Importware aus Ostasien.

Wilhelmines Kaffeekanne?

Einer der größten Künstler auf dem Gebiet der Hausmalerei in Deutschland war Johann Friedrich Metzsch. Über seine Lebensumstände wissen wir so gut wie nichts, außer dass er von 1744 bis 1750 in der Bayreuther Manufaktur als "Hofporzellain-Mahler" tätig war. Rammings Spende ermöglichte den Ankauf einer von Metzsch verzierten kapitalen Kaffeekanne. Die überaus phantasievolle Malerei zeigt seinen Malstil auf höchstem Niveau. In der Fachliteratur wurde deshalb die Meinung geäußert, dass es sich um ein Stück aus dem Besitz der Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth handeln könne. Nur annähernd vergleichbare Stücke befinden sich in Museen in London und Paris.

Ein Service von so hohem Rang diente vor allem der höfischen Repräsentation. Benutzt wurde es nur zu seltenen Anlässen. Man muss dabei bedenken, dass aus Amerika per Segelschiff importierter Kaffee ein fast unbezahlbares Luxusgetränk war.

Mode und Missverständnisse

Zwei anderen Servicen zugehörig sind drei sogenannte Koppchen. Das sind henkellose Schälchen mit dazu passenden Untertellern. Ihre Form ist von asiatischen Vorbildern angeregt, während die Bayreuther Hausmalerei rein europäischen Charakter hat. Interessant ist ihr von der damaligen China-Mode inspirierter Gebrauch, wie er auf zahlreichen Gemälden überliefert ist: Eingegossen wurde das Getränk zwar zunächst in das Koppchen, doch man trank es dann aus der Untertasse, die einen relativ hohen Rand hat. Wie es zu diesem Brauch kam, ist nicht bekannt. Möglicherweise handelt es sich um eine falsch verstandene Überlieferung asiatischer Trinksitten. Die schalenartige Form chinesischer Untertassen mag dieses Missverständnis begünstigt haben.

Das komplette Programm der Residenztage Bayreuth 2010 finden Sie im Internet unter:
www.bayreuth-wilhelmine.de

Weitere Informationen:
Schloss- und Gartenverwaltung Bayreuth-Eremitage
Ludwigstraße 21, 95444 Bayreuth
Telefon (09 21) 7 59 69-0, Fax (09 21) 7 59 69-15
sgvbayreuth@bsv.bayern.de
www.bayreuth-wilhelmine.de

 

Presse-Informationen:
Dr. Jan Björn Potthast, Pressesprecher der Bayerischen Schlösserverwaltung
Telefon (0 89) 1 79 08-160 und -180, Fax (0 89) 1 79 08-190, presse@bsv.bayern.de


Pressemitteilung 17. September 2010

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