29. März 2010

Pressemitteilung

Charlottenzimmer in der Residenz München wieder eröffnet

Erweiterter Rundgang, neue Ausstellungsstücke: Zu Ostern viel Neues im Residenzmuseum

Zum Start der Sommersaison öffnet eine Zimmerflucht in der Münchner Residenz nach längerer Schließung ihre Pforten: Die Charlottenzimmer stehen ab Ostern wieder für Besucher offen. Zusätzlich erweitert sich der Rundgang durch das Residenzmuseum künftig durch die Einbeziehung der Empore der Allerheiligen-Hofkirche über den Allerheiligengang. Außerdem ist die Residenz, eines der bedeutendsten Raumkunstmuseen der Welt, jetzt um einige weitere Attraktionen reicher.

Die Charlottenzimmer sind benannt nach Prinzessin Charlotte Auguste, der ältesten Tochter König Max I. Josephs von Bayern, die hier ab 1814 wohnte. Sie werden auch Hofgartenzimmer genannt, da sie 1966 mit Inventarstücken aus dem Hofgartentrakt museal ausgestattet wurden, der im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört worden war.

Im Zuge von Instandsetzungsarbeiten im Umfeld des Cuvilliés-Theaters wurde im Charlottentrakt ein neues Heizsystem installiert. Außerdem erneuerte die Bayerische Schlösserverwaltung die Fenster und stattete sie mit Lichtschutz aus. Das kostbare Kunstgut der Zimmerflucht kann nun in einem stabilen Klima unter besten konservatorischen Bedingungen präsentiert werden.

Einblicke in die höfische Wohnkultur des ausgehenden 18. Jahrhunderts

In den ersten sechs Räumen der Charlottenzimmer werden hochrangige Kunstwerke aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gezeigt. Die wertvollen Möbelgarnituren, Tapisserien und Uhren stammen zu einem großen Teil aus den Stadtpalästen und Schlössern der Wittelsbacher Nebenlinie Pfalz-Zweibrücken. Als Max Joseph, der spätere erste bayerische König, 1799 die Nachfolge des kinderlos verstorbenen Kurfürsten Karl Theodor antrat, brachte er dieses Kunstgut nach München mit. Es wurde von den bedeutendsten französischen Künstlern jener Zeit geschaffen und stammt aus Straßburg, Paris sowie aus dem Schloss Karlsberg, das während der Napoleonischen Kriege zerstört worden war.

In drei weiteren Räumen vermitteln Einrichtungsgegenstände aus dem Besitz König Max I. Josephs und seiner Familie einen Eindruck von der höfischen Wohnkultur des beginnenden 19. Jahrhunderts.

Erweiterter Rundgang: Auf den Spuren Ludwigs I. in die Hofkirche

Mit der Wiedereröffnung der Charlottenzimmer kann der Besucher der Residenz nun wieder alle Raumfluchten im Obergeschoss rund um den Brunnenhof besichtigen. Auch der sogenannte Allerheiligengang mit dem Bilderzyklus italienischer Landschaften von Carl Rottmann ist wieder zugänglich. Die Fresken, die Rottmann im Auftrag König Ludwigs I. 1830-1833 schuf, schmückten einst die westlichen Arkaden des Hofgartens, bis man sie während des Zweiten Weltkriegs unter großen Schwierigkeiten barg. Die Ansichten von Landschaften, Städten und berühmten Bauwerken Italiens mit den beigefügten Dichtungen Ludwigs I. lassen den Betrachter von heute die Reise des Königs von Trient bis Sizilien nacherleben.

Der Gang ist nach der östlich angebauten Allerheiligen-Hofkirche benannt. Leo von Klenze ließ sie im Auftrag König Ludwigs I. 1826-1837 errichten. Die überkuppelte Wandpfeiler-Emporenkirche lehnt sich an die Capella Palatina in Palermo und den Markusdom in Venedig an. Der im 2. Weltkrieg weitgehend zerstörte Kirchenraum konnte erst 2003 als Konzert- und Veranstaltungsraum wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Mit der Wiedereröffnung der Charlottenzimmer wird die Allerheiligen-Hofkirche nun in den Museumsrundgang einbezogen. Erstmals ist die Kirche nun auf dem gleichen Weg erreichbar, den Ludwig I. einst von seinen Wohngemächern über den Schwarzen Saal nahm, um auf der südlichen Empore der Messe beizuwohnen. Die bisher externe Besichtigungsmöglichkeit über den Zugang im Bereich des Marstallplatzes wird aufgehoben. Bei Konzerten und Veranstaltungen ist das Hauptportal der Allerheiligen-Hofkirche nach wie vor geöffnet.

Restaurierte Tapisserien, neues Gemälde

Neues gibt es beim Rundgang durch das Residenzmuseum auch im Bereich der Alten Hofkapelle zu entdecken. An der Kapellentreppe werden nach Reinigung und aufwändiger Restaurierung zwei fein gewirkte Tapisserien in neuer Farbenpracht präsentiert. Die Behänge der sogenannten "Grotesken-Folge" nach Entwürfen von Peter Candid, geschaffen im Auftrag Herzog Maximilians I. in der Münchner Wirkteppichmanufaktur um 1613-1615 unter Hans van der Biest, gehören zu den qualitätvollsten Erzeugnissen ihrer Zeit. Weitere hoch bedeutende Wirkteppiche aus der gleichen Manufaktur sind in den Räumen aus der Zeit Maximilians I. rund um den Kaiserhof zu besichtigen: Die berühmte "Otto von Wittelsbach-Folge" mit Szenen aus dem Leben des ersten bayerischen Herzogs in den Steinzimmern und die zwölf "Monats-Teppiche" in den Trierzimmern.

Im Vorraum der Reichen Kapelle, dem kostbar ausgestatteten privaten Andachts- und Gebetsraum Herzog Maximilians I. und seiner Gemahlin, hängt neuerdings ein Gemälde, das Engelhard de Pee zugeschrieben wird. Die Darstellung Jesu im Tempel zeigt die wichtigsten Mitglieder der Familie Wittelsbach zur Zeit der Geburt des späteren Herzogs Maximilians I. (1573) und demonstriert anschaulich das konfessionspolitische Selbstverständnis des katholischen bayerischen Herrscherhauses. Das Bild entstand um 1575/85 und ist eine Leihgabe der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.

Die Residenz München ist mit ihren etwa 130 Prunk- und Sammlungsräumen eines der bedeutendsten Museen ihrer Art in Europa. Ein kostenlos erhältlicher Audioguide in fünf Sprachen begleitet den Besucher auf seinem Rundgang und erläutert anschaulich die Geschichte, die Funktion und die Ausstattung der Räume.

Weitere Informationen finden Sie unter www.residenz-muenchen.de

Sommeröffnungszeiten 1. April – 15. Oktober:
Residenzmuseum und Schatzkammer: täglich 9 Uhr – 18 Uhr
Cuvilliés-Theater:
Montag - Samstag 14 – 18 Uhr,
Sonn- und Feiertags 9 – 18 Uhr
14. Juni - 13. September: täglich 9 – 18 Uhr

 

Presse-Informationen:
Dr. Jan Björn Potthast, Pressesprecher der Bayerischen Schlösserverwaltung
Telefon (0 89) 1 79 08-160 und -180, Fax (0 89) 1 79 08-190, presse@bsv.bayern.de


Pressemitteilung 29. März 2010

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