25. Januar 2011

Pressemitteilung

Vor 125 Jahren starb König Ludwig II.:
"Blaues Jahr" in Bayerns Königsschlössern

Bayern ist reich an Kulturschätzen aus allen Epochen. Aber seine weltweit wohl bekanntesten Sehenswürdigkeiten Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee verdankt der Freistaat jenem König, der vor 125 Jahren ein mysteriöses Ende fand: Ludwig II.

Die Bayerische Schlösserverwaltung, die heute seine märchenhaften Bauwerke betreut, ist in Erinnerung an den kunstsinnigen König einer der Partner des "Blauen Jahres". Im "Blauen Jahr" 2011 erinnern die Schlösserverwaltung, die Stadt München und verschiedene Museen in Oberbayern gemeinsam sowohl an den 125. Todestag Ludwigs II. als auch an die Gründung der Künstlergruppe "Blauer Reiter" vor 100 Jahren.

Dunkelblau war die Lieblingsfarbe des rätselhaften Monarchen. Sie findet sich immer wieder in den prachtvollen Interieurs seiner Schlossschöpfungen, vor allem in den Schlafzimmern. Ein dunkles Blau erinnert auch an die Nacht, die  bevorzugte Zeit des Königs. Seit etwa 1875 lebte Ludwig nachts und schlief tagsüber. "Mondkönig" nannte mancher ihn daher – im Kontrast zu dem von ihm grenzenlos verehrten "Sonnenkönig" Ludwig XIV. von Frankreich, dem er in Schloss Herrenchiemsee, dem "bayerischen Versailles", huldigte.

Die Rohbauräume im Nordflügel dieses Schlosses, die seit Ludwigs Tod unvollendet und unzugänglich blieben, sind in diesem Jahr Schauplatz der Bayerischen Landesausstellung "Götterdämmerung – König Ludwig II. und seine Zeit". Diese Räume werden für die Ausstellung, die das Haus der Bayerischen Geschichte und die Bayerische Schlösserverwaltung in Zusammenarbeit dem Landkreis Rosenheim veranstalten, mit großem Aufwand vorbereitet und erstmals für das Publikum geöffnet.

Anlässlich der Landesausstellung, die vom 14.5. bis 16.10.2011 auf Herrenchiemsee stattfindet, restauriert die Schlösserverwaltung außerdem das Paradeschlafzimmer im Neuen Schloss. Dieses unbeschreiblich prunkvoll ausgestattete Gemach, mit dem Ludwig II. ein Denkmal für Ludwig XIV. und das absolutistische Königtum setzen wollte, ist wohl der teuerste Raum, der im 19. Jahrhundert geschaffen wurde.

Als besonderer Beitrag zum Blauen Jahr wird das sogenannte Königshäuschen in Linderhof erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Hier ist die Sonderausstellung  "Vom Lynder-Hof zum Schloss" zu sehen (10.6. bis 16.10.2011). Sie beleuchtet die Vorgeschichte der Hofstelle "Lynder-Hof", die Nutzung des Königshäuschens durch Mitglieder der Familie Wittelsbach von König Maximilian II. bis zum Prinzregenten Luitpold sowie seine Bedeutung als königliches Planungsbüro während der Bautätigkeit König Ludwigs II.

Die Ausstellung "Denk Mal! – seit 1886 Tourismus in Linderhof" im historischen Palmenhaus auf dem Schlossgelände spannt einen großen Bogen: Von den ersten Gästen, die sich während ihrer Sommerfrische auf den beschwerlichen Weg nach Linderhof machten, über die Öffnung des Schlosses unmittelbar nach dem Tode Ludwigs II. bis hin zum heutigen Massentourismus mit seinen Folgen (10.6. bis 11.9.2011).

Das "Blaue Jahr" spielt auch in München: Im Marstallmuseum in Schloss Nymphenburg wird zu Ostern 2011 der Ludwig II.-Raum unter dem Schwanenturm wiedereröffnet, in dem kostbare Exponate aus der Zeit Ludwigs II. präsentiert werden. Zum Beispiel das lebensgroße Ölgemälde, das den König als Großmeister des St.-Georgs-Ritterordens zeigt, ein wertvolles Präparat seines Leibreitpferdes "Cosa Rara" sowie einer seiner beiden "Nymphenschlitten", mit denen Ludwig II. bei nächtlichen Fahrten unter seinen Zeitgenossen Aufsehen und Bewunderung erregte.

Mitte April 2011 wird in Schloss Nymphenburg das Appartement der Königin, das auch das Geburtszimmer Ludwigs II. umfasst, neu eröffnet. Die Räume werden derzeit im Hinblick auf eine größere historische Authentizität einer musealen Neuordnung mit zahlreichen Restaurierungsmaßnahmen unterzogen.

In der Münchner Residenz ermöglicht die Ausstellung "Arkadien unter Glas: Die königlichen Wintergärten in der Münchner Residenz" (im St.-Georgs-Rittersaal) einen Einblick in den verschwundenen Wintergarten Ludwigs II. auf dem Dach des Kaisersaaltraktes am Hofgarten. In dieses grüne Paradies mit exotischer Pflanzen- und Tierwelt, einem See, einem maurischen Kiosk, einer indischen Fischerhütte und einer künstlichen Grotte zog sich der König gerne zurück. München mied er in späteren Jahren ohnehin aber lieber.

Eng verknüpft mit Ludwig II. ist auch die Roseninsel im Starnberger See. Er setzte zwar den Schlossbau seines Vaters im Feldafinger Park nach dessen plötzlichem Tod 1864 nicht fort, aber das kleine "Casino" auf der Insel wurde zu einem seiner Lieblingsaufenthalte. Hier empfing Ludwig ausgewählte Gäste wie Zarin Maria Alexandrowna, Richard Wagner und Kaiserin Elisabeth von Österreich.

Nachdem ihn eine Kommission mitten in der Nacht in Schloss Neuschwanstein mit der Nachricht von seiner Absetzung überrascht und mitgenommen hatte, starb Ludwig II. am 13. Juni 1886 unter geheimnisumwitterten Umständen im Starnberger See. An dieses tragische Ende vor 125 Jahren erinnert nun das Blaue Jahr.

 

Presse-Informationen:
Dr. Jan Björn Potthast, Pressesprecher der Bayerischen Schlösserverwaltung
Telefon (0 89) 1 79 08-160 und -180, Fax (0 89) 1 79 08-190, presse@bsv.bayern.de


Pressemitteilung 25. Januar 2011

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