11. Mai 2011

Pressemitteilung

 

Durchs Fenster ins Königsschloss: Wie der Gala-Schlitten Ludwigs II. seinen komplizierten Weg in die Bayerische Landesausstellung fand

Am Samstag eröffnet die Bayerische Landesausstellung "Götterdämmerung – König Ludwig II. und seine Zeit" im Königsschloss Herrenchiemsee. Eines der größten und empfindlichsten Ausstellungsobjekte hatte eine besonders komplizierte Anreise: Der berühmte Gala-Puttenschlitten Ludwigs II. musste durch ein Fenster an seinen Platz in der Ausstellung geschafft werden. Ein Transport durch das Innere des Schlosses war nicht möglich.

Der Gala-Puttenschlitten war das erste elektrisch beleuchtete Fahrzeug in Bayern, wenn nicht sogar weltweit. Das königliche Gefährt aus dem Marstallmuseum in Schloss Nymphenburg war vor seiner Reise nach Herrenchiemsee aufwendig restauriert worden. Um ihn an seinen Platz im "Kriegssaal" im 1. Stock des Schlosses zu bringen, mussten in einer spektakulären Aktion mehrere Transportcontainer übereinander gestapelt werden.

Ludwigs elektrifizierter Schlitten: Eine technische Sensation

Der Gala-Schlitten mit Puttendekoration wurde 1872 "auf allerhöchsten Befehl Seiner Majestät des Königs Ludwig II. von Bayern von dem kgl. Hofsattler und Wagenfabrikanten Joha. Mich. Mayer, nach dem Entwurfe des kgl. Directors Franz Seitz erbaut", wie auf einem Messingschild im Schlitten festgehalten ist.

Er ist der größte von mehreren prunkvollen Schlitten, die Ludwig sich bauen ließ. Seine fantasievolle Gestaltung, inspiriert vom Stile des Rokoko, ist von herausragender kunsthandwerklicher Qualität: Mythologische Meereswesen stützen den Schlittenkasten, während Putten die Symbole von Herrschaft und Ruhm vorneweg tragen. Die verglaste Krone wurde 1885 mit einer Glühbirne ausgestattet. Eine Chromschwefelsäurebatterie die im Sitzkasten untergebracht war, speiste die Lampe – damals eine bahnbrechende technische Neuerung.

Der Prunkschlitten und der Lodenmantel – Die zwei Seiten Ludwigs II.

Im Kriegssaal am Nordende der Spiegelgalerie von Herrenchiemsee wird der prachtvolle Schlitten während der Landesausstellung im reizvollen Kontrast mit einem höchst gegensätzlichen Ausstellungsobjekt präsentiert: dem Zivilmantel Ludwigs II.

Dieser schwere dunkle Lodenmantel ist sehr schlicht; nur die doppelreihigen Knöpfe und ein Samtkragen zieren ihn. Möglicherweise ist es dieser Mantel, der auf  den Porträts des Königs zusammen mit dem Schauspieler Joseph Kainz zu sehen ist, die 1881 in Luzern entstanden. Er wurde vom Königlich Bayerischen Hoflieferanten Fritz Schulze hergestellt, der in der Münchner Maximilianstraße 34 ein Konfektionsgeschäft für Herren und Damen besaß. Für die Ausstellung restaurierte die Bayerische Schlösserverwaltung den legendenumwobenen Mantel.

Durch die nach dem Tod Ludwigs II. verbreiteten Photographien prägte dieser schlichte, dunkle Lodenmantel das "private" Bild des Königs – im Kontrast zur fast verschwenderischen Ausstattung seiner Schlösser, Schlitten und Kutschen.

 

Presse-Informationen:
Ines Holzmüller und Dr. Jan Björn Potthast, Pressesprecher der Bayerischen Schlösserverwaltung
Telefon (0 89) 1 79 08-160 und -180, Fax (0 89) 1 79 08-190, presse@bsv.bayern.de


Pressemitteilung 11. Mai 2011

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