29. März 2012

Pressemitteilung

Zum Beginn der Sommersaison am 1. April:

Blütenpracht aus Meißener Porzellan:
Kostbarer Tafelaufsatz Ludwigs II. zurück in Linderhof

Einer der empfindlichsten Schätze von Schloss Linderhof ist an seinen Platz zurückgekehrt. Das "Tischlein-deck-dich" mag zu den bekanntesten Objekten im Schloss gehören; weitaus kostbarer ist jedoch der Aufsatz, der diesen Tisch ziert: Hauchzarte, naturgetreue Blüten aus Meißener Porzellan bilden ein bezauberndes Blumenbouquet in einer großen Jardinière.

Dieser einzigartige Tafelaufsatz hatte im Laufe der Zeit durch die Besucherströme in Linderhof stark gelitten und musste nun restauriert und ergänzt werden. Die Bayerische Schlösserverwaltung präsentierte jetzt das ganze florale Ensemble im königlichen Speisezimmer pünktlich zum Start der Sommersaison wieder in alter Pracht.

Am heutigen Donnerstag (29. März) kehrte das kostbare Objekt zurück an seinen Platz im Speisezimmer. Barbara Nahstoll, Restauratorin der Bayerischen Schlösserverwaltung, schloss ihre Restaurierungsarbeiten mit dem diffizilen Transport des Blumenbouquets vom königlichen Schlaf- hinüber ins Speisezimmer ab.

 

Rätselhafte Meisterwerke

Der Steckstrauß besteht aus hauchzarten, naturgetreuen Porzellanblüten, die mit verschiedenen Materialien kombiniert sind. Unterschiedliche Blumensorten bilden ein üppiges Bouquet in einer großen Jardinière, ebenfalls aus Meißener Porzellan. Während der aufwendigen Restaurierungsarbeiten wurde deutlich, dass der Tafelaufsatz wohl nahezu einzigartig auf der Welt ist: Nur im Königsschloss Herrenchiemsee gibt es noch ein vergleichbares Bouquet, das ebenfalls auf einem versenkbaren "Tischlein-deck-dich" im Speisezimmer zu finden ist.

"Die Blumen stammen aus Frankreich und geben gewisse Rätsel auf", so Dr. Uwe Gerd Schatz von der Schlösserverwaltung. "Möglicherweise sind sie aus lebenden Blüten geschaffen worden, die in die heiße Masse getaucht wurden. Auf jeden Fall sind sie kunsthandwerklich perfekt – genau so, wie Ludwig II. das stets anstrebte".

 

Ein Zelt im königlichen Schlafzimmer

Das Stecken der Porzellanblüten, das nur vor Ort machbar ist, war aufwendig: Ein beheiztes Zelt musste im königlichen Schlafzimmer von Linderhof aufgestellt werden. Bei einer Raumtemperatur von etwa 5 Grad im Schloss war im März an langwieriges hemdsärmeliges Arbeiten mit ruhiger Hand an fragilen Blüten nicht zu denken.

Um das kostbare und seltene Stück sicher präsentieren zu können, mussten das "Tischlein-deck-dich" restauriert und die Windevorrichtung stabilisiert werden. Der Tisch konnte – nach französischen Vorbildern des 18. Jahrhunderts – mit Hilfe eines Gestänges ins Erdgeschoss versenkt, dort gedeckt und wieder heraufgehoben werden. Diese Technik erlaubte Ludwig II. alleine zu speisen, ohne von der Dienerschaft gestört zu werden.

Auch der prächtige Lüster und die Sitzmöbel (nach Entwürfen von Franz Seitz) im Speisezimmer wurden restauriert, so dass man dieses perfekte Gesamtkunstwerk nun wieder in vollem Glanz bewundern kann.


 

Linderhof

Die Schloss- und Gartenanlage Linderhof ist eines der vielfältigsten und kunstvollsten Ensembles des 19. Jahrhunderts. Seine "Königliche Villa" konnte König Ludwig II. von Bayern (1845-1886) als einzigen seiner Bauten vollenden (1878). Hinter der barocken Fassade entfaltet sich Rokoko nach Motiven der Zeit Ludwigs XV. von Frankreich. Allerdings ist das Zweite Rokoko oder Neurokoko, das unter Ludwig II. entstand, weit mehr als  bloße "Kopie" des französischen Stils und in der Ornamentik sehr stark von süddeutschen Vorbildern geprägt: Ludwig übernahm vieles vom Rokoko seiner eigenen Vorfahren, vor allem aus der Amalienburg in Nymphenburg und aus den Reichen Zimmern Kaiser Karls VII. in der Münchner Residenz.

Weitere Informationen:
Schloss- und Gartenverwaltung Linderhof
Linderhof 12 , 82488 Ettal
Telefon (0 88 22) 92 03-0, Fax (0 88 22) 92 03-11
sgvlinderhof@bsv.bayern.de
www.linderhof.de


Presse-Informationen:
Dr. Jan Björn Potthast
Pressesprecher der Bayerischen Schlösserverwaltung
Telefon (0 89) 1 79 08-180, Fax (0 89) 1 79 08-190
presse@bsv.bayern.de


Pressemitteilung 29. März 2012

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