22. März 2013

Pressemitteilung

Sonderausstellung mit Folgen: Burg Prunn ist jetzt ein modernes Burg- und Literaturmuseum

Die Bayerische Schlösserverwaltung will den großen Erfolg in Burg Prunn fortsetzen. Im vergangenen Jahr strömten knapp 50 000 Besucher auf die kleine Burg im Altmühltal. Dies entspricht einer Steigerung der Besucherzahl gegenüber dem Vorjahr von enormen 81 Prozent. "Dies soll kein Einmaleffekt bleiben, denn zur Sommersaison können alle Besucher Neues entdecken", kündigte Dr. Uta Piereth, Kuratorin der Dauerausstellung, am Freitag (22. März) in Prunn an. Ein Höhepunkt der neu eingerichteten Dauerausstellung "Burg Prunn und das Nibelungenlied" ist die mit Utensilien und Materialien einer mittelalterlichen Schreiberwerkstatt handgeschriebene Doppelseite des Prunner Codex.

"Die Burg Prunn ist nicht nur eine malerische Ritterburg, sondern jetzt mit all ihren Besucherattraktionen ein modernes Burg- und Literaturmuseum, das zu den wichtigsten kulturellen  Ausflugszielen in der Ferienregion Altmühltal zählt", betonte Piereth.

Bildfahnen mit zahlreichen Abbildungen helfen dabei, die mittelalterliche Geschichte der Burg anschaulich zu erzählen. Spannende Mitmach-Stationen, Sonderveranstaltungen wie Konzerte oder ein Schauspiel rund um das Nibelungenlied, ein umfangreiches Ferienprogramm sowie Familienführungen lassen den Besuch auf der Burg Prunn zu einem unvergesslichen Erlebnis werden.

Das Jahr 2013 auf der Burg Prunn

Im Mai erscheint der neu verfasste Amtliche Führer zur Burg Prunn. Das Buch in handlichem Format wird reich bebildert sein, fünf Euro kosten und an der Burgkasse, in den Museumsläden der Schlösserverwaltung, im Buchhandel und in der Online-Buchhandlung erhältlich sein.

Ab 26. Mai bis Oktober werden jeden dritten Sonntag im Monat um 15 Uhr Kinderführungen angeboten. Das Programm finden Sie unter www.burg-prunn.de.

Das abwechslungsreiche Veranstaltungsprogramm startet in den Pfingstferien. Vom 30. Mai bis 2. Juni gibt es Mitmachstationen für Kinder zum Thema "Fit in Kopf und Bein – der harte Weg zum Rittersein". Hier können kleine Ritter und Burgfräulein Helme basteln, Ringe stechen, Siegel herstellen, Rätsel-Fragebögen ausfüllen und Schachturniere austragen.

Ab 18. Mai ist wieder das erfolgreiche Schauspiel "Die Nibelungen" über Liebe, Hass und Verrat zu sehen: Immer samstags, sonntags und an Feiertagen jeweils um 14.30 Uhr steigt Kriemhild aus dem Nibelungenlied und zeigt ihre abenteuerliche Geschichte. Gruppen melden sich bitte unter der Telefonnummer (0 94 42) 33 23 an.

Am Freitag, den 31. Mai, findet auf der Burg das Konzert des Nibelungenlied-Sängers Knud Seckel statt. Karten dafür gibt es an der Burgkasse.

In den Sommerferien können vom 27. bis 30. August Kinder zwischen sechs und zehn Jahren vier Tage lang von 14 bis 17 Uhr am Ferienprogramm auf der Burg teilnehmen. Dabei werden sie beispielsweise versuchen, mit Federkiel und Tinte die Prunner Handschrift des Nibelungenlieds nachzuschreiben.

Die Burg Prunn lässt sich sogar fernab in Regensburg erleben: Noch bis Dienstag, 23. April, findet dort im Besucherzentrum Welterbe eine kleine Ausstellung statt. Gezeigt wird neben Infofahnen die Kopie des mysteriösen Prunner Wasserspeiers. Der Drachen- oder Löwenkopf hing wohl einstmals an der Fassade der Burg, durch das Maul floss das Wasser in den Burggraben.

Der Prunner Codex – "Das ist das Buch Chreimhilden"

Der Prunner Codex gehört zu den wertvollsten Zeugnissen deutscher Literatur im Mittelalter. Darin überliefert ist eine der ältesten Fassungen des mittelhochdeutschen Nibelungenlieds. Die um 1330 entstandene Handschrift mit dem Titel "Das ist das Buch Chreimhilden" wurde von Wiguläus Hund, Geschichtsschreiber und Hofrat Herzog Albrechts V., nach 1566 auf der Burg Prunn entdeckt. Dieser Fund zeigt, dass Prunn im späten Mittelalter ein kulturelles Zentrum von überregionaler Bedeutung gewesen sein muss.

Hund schenkte die Handschrift 1575 Herzog Albrecht V. von Bayern, der bekannt war für seine Bücherleidenschaft. Die Handschrift wurde nach dem Auffindungsort Prunner Codex genannt und gelangte als Prachtstück in die herzogliche Bibliothek. Heute gehört der Codex als "Handschrift D" des Nibelungenliedes zu den Schätzen der Bayerischen Staatsbibliothek. Nach den drei Nibelungen-Leithandschriften A, B und C, die zum Weltkulturerbe der UNESCO gehören, ist sie wohl die schönste und wichtigste.

Alte Geschichten aktuell diskutiert: Der "Nibelungentalk" – eine Kooperation der Schlösserverwaltung, des Bayerischen Rundfunks, von Schülern und der Stiftung Zuhören

"Alte Maeren – geht uns doch nichts an, oder?" Dass Jugendliche die Stoffe und zeitlosen Probleme des Nibelungenlieds aber sehr wohl ansprechen, zeigen die lebendigen Ergebnisse eines Projektes der vergangenen Monate: Schüler der 11. Jahrgangsstufe des Donau-Gymnasiums Kelheim, begleitet von ihrem Lehrer Edwin Augsberger und "gecoacht" von Medienprofi Bernhard Jugel, machten aus ihren Gedanken nun eine Talkshow in vier Folgen. Erfrischend umgesetzt und professionell produziert, vermag sie weitere Jugendliche für einen Museumsrundgang begeistern.

Diese Hörstücke entstanden im Rahmen einer Kooperation der Bayerischen Schlösserverwaltung mit der Schule, der Stiftung Zuhören und dem Bayerischen Rundfunk. BR-Journalist Berhard Jugel beschreibt das spannende Projekt: "Würde man die Nibelungensage heutzutage erzählen, hätte sie wohl die Form eines opulent ausgestatteten TV-Mehrteilers oder einer aufwändig inszenierten Hörspiel-Serie. Da dieses Format den Rahmen eines Audioguide gesprengt hätte, hatten die Schüler und Schülerinnen eine andere Serien-Idee: eine Talkshow mit einer Moderatorin aus der Gegenwart und Gästen aus dem Nibelungenepos. Im Gespräch prallen Weltbilder und Wertvorstellungen aufeinander. Kurze Reportagen stellen eine direkte Verbindung zur mittelalterlichen Sage her. Die einzelnen Talkshow-Folgen sind thematisch jeweils einem Raum der Nibelungenausstellung auf Burg Prunn zugeordnet."

Der "Nibelungentalk" ist auf der Homepage des BR (www.br.de) sowie auf der Internetseite von Burg Prunn www.burg-prunn.de zu hören.

Eintrittspreise und Öffnungszeiten

Ab sofort gelten auf der Burg Prunn die Sommeröffnungszeiten: Täglich können Besucher von 9 bis 18 Uhr die Ritterburg mit einer Führung besichtigen. Die letzte Führung beginnt um 17 Uhr. Der Eintritt kostet 5,- Euro, ermäßigt 4,- Euro. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre müssen keinen Eintritt bezahlen.

Das Buch zur Burg: "Umb die vest prunn"

Der aktuelle Stand der Forschung zu Burg und Prunner Codex ist in der wissenschaftlichen Darstellung der Bayerischen Schlösserverwaltung zur Ausstellung zusammengefasst: Die Publikation "Umb die vest prunn" von Sebastian Karnatz, Uta Piereth und Alexander Wiesneth kann im Buchhandel, in den Museumsläden oder im Online-Shop der Schlösserverwaltung erworben werden (29,- Euro). Das Buch und die wissenschaftlichen Grundlagen der Ausstellung wurden von der Vera und Volker Doppelfeld Stiftung unterstützt.

Burg Prunn: Eine stolze Geschichte

Steil ragt die Burg Prunn auf einem Kalksteinfelsen 70 Meter über dem Altmühltal auf. Die Herren von Prunn sind seit 1037 urkundlich erwähnt. Die Burg selbst stammt aus der Zeit um 1200, der Blütezeit des Burgenbaus. 1288 erwarb Herzog Ludwig von Bayern die Burg von den Herren von Prunn-Laaber. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts belehnte der Herzog dann das Geschlecht der Fraunberger von Haag mit der Burg. Ihr Wappen, der Schimmel auf rotem Grund, ziert noch heute weithin sichtbar die Burg. Vom Ehrgeiz und Anspruch der Fraunberger, die bis ins 16. Jahrhundert herrschten, zeugt auch die weitere Ausgestaltung der Burg, etwa fein profilierte gotische Portale und Fragmente von spätgotischen Wandmalereien mit rätselhaften Burgendarstellungen.

Nach mehrmaligem Besitzerwechsel ging Burg Prunn 1672 schließlich in den Besitz der Ingolstädter Jesuiten über. Sie ließen um 1700 die Kapelle neu gestalten und mit Stuck ausstatten. Später war die Burg im Besitz des "Malteserordens bayerischer Zunge", bis dieser sich auflöste. 1822 fiel sie zum dritten Mal an die Wittelsbacher. Für ihre Erhaltung als geschichtliches Wahrzeichen setzte sich kein Geringerer als König Ludwig I. persönlich ein. Seit 1946 betreut die Bayerische Schlösserverwaltung Burg Prunn.

In den vergangenen Jahren hat der Freistaat Bayern viel in die Burg investiert, zuletzt rund 2,5 Millionen Euro für eine aufwendige Dachstuhlsanierung. Im Vorfeld der Ausstellung wurden 2012 rund 300.000 Euro für die bauliche Erschließung ausgegeben.

Authentischer als auf Burg Prunn lässt sich mittelalterliche Geschichte selten erleben!

 

Presse-Informationen:
Ines Holzmüller und Dr. Thomas Rainer, Pressesprecher der Bayerischen Schlösserverwaltung
Telefon (0 89) 1 79 08-160 und -180, Fax (0 89) 1 79 08-190, presse@bsv.bayern.de


Pressemitteilung 22. März 2013

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