26. März 2015

Pressemitteilung

300 Jahre Hofbaumeister Joseph Effner. Der Architekt aus einer Dachauer Gärtnerdynastie prägte Bayerns Barockschlösser

Vor drei Jahrhunderten, am 1. April 1715, ernannte Kurfürst Max Emanuel Joseph Effner (1697–1745) zum bayerischen Hofbaumeister. Ab diesem Zeitpunkt betreute er alle Bauten des aus dem französischen Exil nach Bayern zurückgekehrten Kurfürsten. Wer sich auf die Spuren Effners begibt, entdeckt sein reiches Erbe. So gehören die bis heute authentisch erhaltenen Parkschlösschen Pagodenburg und  Badenburg sowie die Magdalenenklause im Nymphenburger Schlosspark zu Effners Werken. Auch die barocke Fassade und das Prunktreppenhaus von Schloss Dachau sowie große Teile von Schloss Nymphenburg wurden von ihm geschaffen, ebenso die Innendekoration der Ahnengalerie in der Residenz München.

Zu Effners Hauptwerken zählt das Neue Schloss Schleißheim, das er seit 1719 ausgestaltete. Dort lässt sich sein Können nicht nur an der Gestaltung der Fassaden bewundern, sondern vor allem auch in der künstlerisch überaus bedeutenden Ausstattung der Säle und Prunkräume im Stil des französischen Spätbarocks. Zu den Höhepunkten der Innenausstattung zählt die zeremonielle Raumfolge vom barocken Prunktreppenhaus über die großen Säle im Obergeschoss bis in die Große Galerie. In Schleißheim hängt auch das Porträt des Architekten, das der Maler der Schleißheimer Deckenfresken Jacopo Amigoni schuf.

Joseph Effner wurde in seinen Lehrjahren auf Kosten des Landesherrn zur Ausbildung nach Brüssel und Paris geschickt. In dieser Zeit entschied er sich, Baumeister zu werden und wurde Schüler von Germain Boffrand, der an der Académie royale d'architecture lehrte. Fünf Jahre nachdem er Hofbaumeister wurde, erhielt er 1720 den Titel Oberhofbaumeister und leitete bis etwa 1730 das kurfürstliche Bauwesen.

Effner brachte den Dekorationsstil des französischen Spätbarocks in Bayern zur Blüte, aus dem sich später das typische bayerische Rokoko entwickelte. Das so genannte Nördliche Salettl im Nymphenburger Schloss, das die Bayerische Schlösserverwaltung 2014 umfassend restaurieren ließ, ist ein Paradebeispiel für Effners Dekorationskunst nach französischem Vorbild, bei der sich Vertäfelung, vergoldete Schnitzereien und Stuckdekoration perfekt zusammenfügen.

Joseph Effner wurde als neuntes von zehn Kindern in eine alte Gärtnerfamilie hineingeboren. Sein Vater war in Dachau Hofgärtner. Sein Urenkel wurde später der Königliche Hofgartendirektor Carl Joseph von Effner. Effner starb 1745, sein Grabstein steht im Chor der Münchner Frauenkirche. Der Effnerplatz in München und das Josef-Effner-Gymnasium in Dachau sind nach ihm benannt.

 

Presse-Informationen:
Ines Holzmüller und Dr. des. Cordula Mauß
Pressesprecherinnen der Bayerischen Schlösserverwaltung
Telefon 089 17908-160 und -180, Fax 089 17908-190, presse@bsv.bayern.de


Pressemitteilung 26. März 2015

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