13. März 2015

Pressemitteilung

70 Jahre nach der Katastrophe

Neuer Gedenkraum über die Zerstörung der Residenz Würzburg und ihren Retter John D. Skilton

Die Bayerische Schlösserverwaltung erinnert mit einem neuen Gedenkraum in der Residenz Würzburg an die Zerstörung der Residenz vor 70 Jahren.

„Angesichts der gelungenen Wiederaufbauleistung kann sich heute kaum noch einer unserer jährlich über 370.000 Besucher den Umfang der einstigen Zerstörung dieses Weltkulturerbes vorstellen“ betont Bernd Schreiber, Präsident der Bayerischen Schlösserverwaltung. Einen Eindruck der Zerstörung soll die neue kleine Präsentation geben, die ganz auf die Überzeugungskraft der Bilder setzt – mit wenig Text, aber eindrucksvoll inszenierten Fotos der Ruinenstadt und der ausgebrannten Residenz. Zeitdokumente wie der verzweifelte Bericht des Hausmeisters der Residenz geben einen vertieften Eindruck der damaligen Nöte.

Besonders gewürdigt wird der amerikanische Kunstschutzoffizier John Davis Skilton mit einem Aquarellporträt und persönlichen Zeugnissen. Nur durch sein Engagement unmittelbar nach Kriegsende 1945 konnten damals wertvolle Materialien wie Bauholz, Dachpappe und Zement zum Bau von Notdächern beschafft werden. Und nur dadurch konnten die Gewölbe Balthasar Neumanns vor Durchfeuchtung geschützt und damit auch die weltberühmten Deckenfresken Giovanni Battista Tiepolos im Treppenhaus und Kaisersaal vor der sicheren Zerstörung bewahrt werden.

Vor genau 70 Jahren, am 16. März 1945, brach die Katastrophe über Würzburg und die Residenz herein: Dem Fliegerangriff mit Brandbomben durch die britische Royal Air Force fielen etwa 5000 Menschen zum Opfer. Die historische Altstadt wurde fast vollständig zerstört. Mit der ganzen Stadt brannten zugleich fast alle Dächer, hölzernen Decken und Fußböden der Residenz aus. Nur die gewölbten Räume, darunter die großen Säle des Mittelbaus, überstanden das Inferno relativ unbeschadet.

Leutnant John D. Skilton kam am 18. Juni 1945 nach Würzburg, nur drei Monate nach der verheerenden Bombardierung vom 16. März. Der Kunstschutzoffizier fand eine fast vollständig zerstörte Altstadt und eine Residenz ohne Dächer vor. Als Kunsthistoriker und Mitarbeiter der Nationalgalerie in Washington wusste Skilton um die Bedeutung der großartigen fürstbischöflichen Residenz und ihrer einzigartigen Innenausstattung. Unverzüglich begann der Kunstschutzoffizier Sicherungsarbeiten einzuleiten.

Er ließ die Gewölbe provisorisch abdecken und bewahrte so Tiepolos Fresken, die Stuckaturen von Antonio Bossi und Balthasar Neumanns Treppenhaus, die heute zum Welterbe der UNESCO zählen, vor dem Verfall. „Zu Recht gilt Leutnant Skilton somit als Retter der Würzburger Residenz, würdigt Schreiber.

Der neue Gedenkraum ist ab Montag, 16. März innerhalb des Rundgangs durch die Residenz Würzburg für Besucher zugänglich.

 

Presse-Informationen:
Ines Holzmüller und Dr. des. Cordula Mauß
Pressesprecherinnen der Bayerischen Schlösserverwaltung
Telefon 089 17908-160 und -180, Fax 089 17908-190, presse@bsv.bayern.de


Pressemitteilung 13. März 2015

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