27. Oktober 2016

Pressemitteilung

Restauratoren reinigen im Marstallmuseum die elegante Galakutsche des Kurfürsten Karl Theodor

Besucher können die Arbeiten am Prunkfahrzeug beobachten

Bis Mitte November bietet die Bayerische Schlösserverwaltungden Besuchern des Marstallmuseums in Schloss Nymphenburg eine besondere Attraktion: Noch etwa vier Wochen lassen sich Restauratorinnen bei der Arbeit über die Schultern schauen. Sie restaurieren vor Ort die Gemälde an der rund 1,5 Tonnen schweren sogenannten Gala-Berline. Das elegante Gefährt im späten Rokokostil gelangte über Kurfürst Karl Theodor von Pfalz-Bayern (1724–1799) von Paris nach München.

Zuvor haben Sattler bereits die brüchigen ledernen Traggurte, die den Kutschenkasten halten, mit nicht sichtbaren Hilfsgurten gesichert. Darüber hinaus wurden die großen ledernen Kotflügel restauriert, die vergoldeten Bronzebeschläge gereinigt sowie großflächige Übermalungen an den Lackflächen wie den Rädern freigelegt. Als Abschluss der Arbeiten werden jetzt die hochwertigen Gemälde restauriert.

Die Expertinnen konservieren derzeit die wertvolle Fassung und ergänzen bzw. retuschieren Fehlstellen. Dasselbe gilt für Metallteile und die vergoldeten Bronzen. Schnitzer ergänzten fehlende Holzornamente, die nun neu gefasst werden. Insgesamt kommen rund 700 Arbeitsstunden von Metallrestauratoren, Sattlern und Gemälderestauratoren zusammen.

Teile der Gemälde waren bei einer älteren Restaurierung großflächig übermalt worden, um Schäden zu kaschieren. Nach Abnahme dieser alten Retuschen werden diese nun vorsichtig und möglichst kleinflächig retuschiert, so dass der optische Eindruck der Malereien wieder viel näher am Originalzustand sein wird. Die Kosten dafür belaufen sich zusammen mit der Sicherung und Konservierung der Textilien auf knapp 50.000 Euro. Einen großzügigen Anteil hat die LfA Förderbank Bayern bezahlt.

Die Gala-Berline – ein glänzender Wagen für Hochzeiten und Prozessionen

Die typische Gala-Kutsche ist ein handwerklich äußerst hochwertiges Gefährt mit vergoldeten Schnitzereien, einer Innenausstattung aus Seidensamt, einer goldbestickten Bockdecke, Ölgemälden auf den Außenpaneelen, vergoldeten Metallbeschlägen sowie einer hochwertigen Lackierung. Sie wurde ausschließlich zu offiziellen oder zeremoniellen Anlässen verwendet wie Prozessionen, Hochzeiten oder Gesandtenbesuche. Vier bis acht Pferde waren mit speziell zur Kutsche angefertigten Geschirren vorgespannt und ein Trio aus Kutscher, Vorreiter und Beiläufer in Gala-Livree begleitete diese sogenannte „Equipage“.

Technisch zeichnet sich dieser Kutschentyp einer frühen Berline dadurch aus, dass der Wagenkasten auf zwei Lederriemen liegt, die hinten mittels Winden nachgestellt wurden. Diese neue Art der Federung ermöglichte den Passagieren einen höheren Fahrkomfort. Zudem ist die Gala-Berline mit einer Spezial-Lackierung ausgerüstet, die sie wetterfest macht. Ihre Oberfläche ist in drei Schichten aufgebaut: Über dem Goldgrund wurde eine feine Malerei aufgebracht. Diese beiden Schichten sind mit einem wasserfesten Firnis überzogen. Die Kutsche ist jedoch zu kostbar, um sie heute noch im Freien zu fahren.

Nach der Restaurierung des Kleinen Galawagens Ludwigs II. (2015), des Neuen Galawagens (2014/2015), des Zweiten Nymphenschlittens (2013) und des Galaschlittens mit Putten (2011) ist die Gala-Berline das fünfte Fahrzeug, das bald in neuem Glanz erstrahlt.

Das Marstallmuseum

Die weltweit einzigartige Sammlung von Kutschen König Ludwigs II. sowie der gesamte Bestand von Staats- und Galawagen der Wittelsbacher – insgesamt über 40 Fahrzeuge aus über 300 Jahren – war bis zum Zweiten Weltkrieg im alten Marstall am Marstallplatz nahe der Münchner Residenz untergebracht. 1952 wurde das Marstallmuseum in den ehemaligen Stallungen des Nymphenburger Schlosses eingerichtet. Das Marstallmuseum zählt zu den bedeutendsten seiner Art weltweit.

 

Presse-Informationen:
Ines Holzmüller und Dr. des. Cordula Mauß
Pressesprecherinnen der Bayerischen Schlösserverwaltung
Telefon 089 17908-160 und -180, Fax 089 17908-190, presse@bsv.bayern.de


Pressemitteilung 27. Oktober 2016

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