26. April 2017

Pressemitteilung

Geburtstagsglückwünsche an den Generalfeldmarschall:
250 Jahre Carl Philipp von Wrede am 29. April

Die Bayerische Schlösserverwaltung erinnert an ein Geburtstagskind mit beachtlicher Karriere: Als der kleine Carl Philipp Wreden [sic!] am 29. April 1767 in Heidelberg zur Welt kam, ahnte wohl niemand, dass aus dem Sohn eines kurpfälzischen Regierungsrats und Landschreibers einst eine Persönlichkeit werden sollte, ohne die der Aufstieg Bayerns zum Königreich kaum denkbar ist.

Der verwegene Soldat hatte seine erstaunliche Laufbahn zunächst als kurpfälzischer Hofgerichtsrat begonnen. Erst mit 32 Jahren kam er zu seiner eigentlichen Berufung. 1799 wurde er von Kurfürst Max Joseph mit dem Auftrag zum Oberst ernannt, ein Freiwilligen-Corps zu organisieren. 1804 befehligte Wrede bereits eine Brigade und avancierte zum Generalleutnant; 1806 wurde er mit dem Großkreuz des Max-Joseph-Ordens ausgezeichnet und von Napoleon zum französischen Reichsgrafen erhoben. Im Feldzug gegen Russland stand die gesamte 30.000 Mann starke bayerische Streitmacht unter seinem Oberbefehl. Die Reorganisation der bayerischen Armee und der Vertrag von Ried (1813), der Bayern auf die Seite der Verbündeten gegen Napoleon brachte, sind in der Hauptsache sein Werk gewesen. In der Schlacht bei Hanau (1813) zeichnete sich das bayerisch-österreichische Corps unter seinem Befehl gegen einen doppelt überlegenen Feind aus. An der endgültigen Niederwerfung Napoleons hatte er in den Schlachten bei Brienne, Bar-sur-Aube und Arcis-sur-Aube wesentlichen Anteil. 1814 wurde Carl Philipp Wrede von König Max I. Joseph von Bayern zum Feldmarschall ernannt und schließlich in den Fürstenstand erhoben.

1815 schließlich übergab König Max I. von Bayern das Schloss Ellingen als »mannlehenbares Thronlehen« mit 19 Dörfern und 16 Weilern dem frisch nobilitierten bayerischen Feldmarschall Carl Philipp Fürst von Wrede.

Fürst Wrede als Schlossbesitzer

Unter dem neuen Besitzer wurde die alte Ausstattung des Schlosses Ellingen ab 1815 teilweise mit Behutsamkeit bewahrt und vereinzelt sogar der ursprüngliche historische Zustand wieder hergestellt. Ein Teil der Ausstattung war bereits versteigert worden und so kaufte der Feldmarschall die Altargemälde der Schlosskirche zurück, die der Ansbacher Kunsthändler Hattermann erworben hatte. Darunter war auch das große Gemälde des Hauptaltars mit »Mariä Himmelfahrt« von dem Würzburger Hofmaler Oswald Onghers aus dem Jahre 1684. Sofort mit der Übernahme ließ Wrede das Schloss 1815–1818 von dem Pariser Tapicier und Decorateur Jean Jaques Werner neu möblieren und vor allem die Wandbespannungen erneuern. Aus dieser Zeit stammen die ungeheuer eleganten und äußerst selten erhaltenen Seidentapeten, die bemerkenswerten klassizistischen Papiertapeten der Pariser Manufaktur Joseph Dufour & Co., die zu den Hauptwerken des frühen Tapetendrucks gehören und die prachtvollen, mit Mahagoni furnierten Empire-Möbel sowie die Kronleuchter. Redenbacher rühmt 1845 die »herrlichen Spiegel, ein Geschenk des Kaisers von Russland und die Draperien von gewirktem Glas«. 1832 brach in den Räumen westlich des Festsaals ein Brand aus; von einem zweiten Brand erfahren wir 1834.

Unter den Nachkommen des 1838 verstorbenen Fürsten blieben die Wohn- und Empfangszimmer des Feldmarschalls in der Hauptsache unverändert. So können – trotz Kriegsschäden – die Besucher noch heute die Residenz Ellingen teils so erleben, wie Carl Philipp von Wrede sie einst bewohnte. Heute zur Bayerischen Schlösserverwaltung gehörig, ist die Residenz Ellingen im Sommer dienstags bis sonntags im Rahmen von stündlichen Führungen zu besichtigen. Die erste Führung startet um 9 Uhr, die letzte Führung um 17 Uhr. Der Eintritt kostet 4,50 Euro für Erwachsene, 3,50 Euro ermäßigt, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren erhalten freien Eintritt.

Die Residenz Ellingen

Seit 1216 gehörte Ellingen dem Deutschen Orden und war Residenz des Landkomturs der Ballei Franken. Sie war die mächtigste Ballei im Deutschen Orden und deshalb stellte das kleine Ellingen ehemals das Zentrum einer weitgespannten Territorial- und Wirtschaftsmacht dar.

Zur Bauzeit des heutigen Schlosses aber hatte sich der Deutsche Orden bereits zur Versorgungsinstitution für den Niederadel entwickelt. Anstelle des heutigen Schlosses gab es verschiedene mittelalterliche Vorgängerbauten und einen sehr repräsentativen Renaissancebau. Ab 1708 wurde die heutige Schlossanlage gebaut und die spätgotische Schlosskirche barockisiert. Der riesige Hauptbau entstand von 1718 bis 1720 unter dem Architekten Franz Keller.

Von der Innenausstattung sind Deckengemälde, Wandvertäfelungen, Fußböden und vor allem die Stuckaturen von Franz Joseph Roth erhalten. Die Kolonnade im Binnenhof ist Teil der Umbauten des französischen Architekten Michel d‘Ixnard und wurde um 1775 neu errichtet.

1789 wurde der Sitz der Ballei Franken nach Bad Mergentheim verlegt. Damit war die Geschichte des Schlosses Ellingen als Residenz des Deutschen Ordens praktisch beendet. Einige Jahre später wurde der Orden fast gänzlich aufgelöst und der Besitz Ellingen fiel an das Königreich Bayern. König Max I. Joseph übergab das Schloss 1815 seinem verdienten Feldmarschall Carl Philipp Fürst von Wrede, der einige Raumfluchten mit ungeheuer kostbaren Seiden- und Papiertapeten, Möbeln, Glas und Bronzen aus Paris neu ausstatten ließ. Diese Räume zählen mit den Stuckaturen und Möbeln Michel d‘Ixnards zu den bedeutendsten Raumkunstwerken des Klassizismus in Bayern.

Weitere Informationen finden Sie hier:  Residenz Ellingen


Presse-Informationen:
Dr. des. Cordula Mauß und Franziska Hölzle
Pressesprecherinnen der Bayerischen Schlösserverwaltung
Telefon 089 17908-160 und -180, Fax 089 17908-190
presse@bsv.bayern.de


Pressemitteilung 26. April 2017

| nach oben |