01. Juni 2017

Pressemitteilung

Geflügelte Löwen in der Residenz Würzburg
Neuerwerbung eines Konsoltisches von Johann Valentin Raab

Die Bayerische Schlösserverwaltung konnte vor Kurzem ein vermutlich originales Möbelstück der Residenz Würzburg zurückkaufen. Der jetzt frisch restaurierte Konsoltisch von Johann Valentin Raab ergänzt den Möbelbestand der sogenannten „Toskanazeit“ (1806-1814) um ein sehr wertvolles Stück, das wahrscheinlich von Ferdinand III. von Toskana als Großherzog von Würzburg in Auftrag gegeben wurde. Eine Spende der „Freunde der Würzburger Residenz e.V.“ trug zum Rückkauf bei.

Auch wenn sie ein wenig verschreckt dreinschauen – imposant sind sie schon, die beiden vergoldeten Löwen, die den neu erworbenen Konsoltisch in der Residenz Würzburg stützen. Sie flankieren einen in die Rückwand eingelassenen Spiegel und tragen über einer ornamentverzierten Zarge eine weiße Marmorplatte. Die als Trägerfiguren ausgebildeten Löwen sind kunstvoll aus Holz geschnitzt. Sie bestehen eigentlich nur aus einer mächtigen Pranke, einem kurzen Stück Oberkörper, dem Kopf und je zwei dekorativ geschwungenen Flügeln.

Glücklicherweise hat der Hersteller des Konsoltisches – ein klassizistisches Möbel der Zeit um 1810 – an versteckter Stelle unter der Marmorplatte, auf der Innenseite der rückwärtigen Zarge, seinen Namen nach französischer Manier mit einem Schlagstempel eingeprägt: „I.V.RAAB“. Der Frankfurter Kunstschreiner Johann Valentin Raab (1777-1839), über dessen Leben und Werkstatt bisher nur sehr wenig bekannt ist, muss aufgrund seiner Werke als einer der bedeutendsten deutschen Möbelschreiner des Klassizismus bezeichnet werden.

Unter der Leitung und teilweise nach Entwürfen des Architekten Alexandre Salins de Montfort arbeitete Raab ab 1806 auch wesentlich an der Möbelausstattung der Toskanazimmer der Würzburger Residenz mit. Von ihm stammen z.B. die seit 2014 wieder in der Residenz ausgestellten Möbel der berühmten „Schwanengarnitur“ und auch die vergoldete Sitzgarnitur des „Großen Salons“, die ebenfalls seinen Schlagstempel trägt. Auf der neuen Konsole befindet sich sogar ein alter Aufkleber mit dem Aufdruck „Residenz.Würzburg“, zu dem die Bayerische Schlösserverwaltung allerdings kein direktes Vergleichsexemplar kennt.

Als Ferdinand III. von Toskana als Großherzog von Würzburg 1806-1814 drei Appartements in der Residenz neu einrichten ließ, standen fast an jedem Fensterpfeiler Konsoltische. Nach den Kriegszerstörungen 1945 hat sich davon im Besitz der Schlösserverwaltung – im Gegensatz zu den noch zahlreich vorhandenen Sitzmöbeln – leider kein einziges Exemplar erhalten. Da die Beschreibungen der Konsoltische in den Inventaren sehr oberflächlich ausfallen und nur wenige Fotos der Fensterwände existieren, ist der ehemalige Standort der Konsole leider bisher nicht exakt bestimmbar. Die geschilderten Fakten lassen jedoch durchaus plausibel erscheinen, dass es sich um ein originales Ausstattungsstück der Residenz Würzburg handelt. Ein sehr wertvolles, jetzt frisch restauriertes Originalmöbel von Johann Valentin Raab und eine willkommene Ergänzung des Würzburger Möbelbestandes ist der Konsoltisch in jedem Fall.

Im Herbst 2016 konnte dieser Tisch für etwas über 10.000 Schweizer Franken auf einer Auktion in Zürich von der Bayerischen Schlösserverwaltung erworben werden. Diesen glücklichen Ankauf hatte eine Spende in Höhe von 5.000 Euro durch die „Freunde der Residenz Würzburg e.V. unter Vorsitz von Herrn Prof. Kummer überhaupt erst ermöglicht, dafür gebührt ihnen herzlicher Dank. Bei der anschließenden Restaurierung wurden spätere Überfassungen teilweise abgetragen, eine zweite, später untergeschobene Sockelstufe wieder entfernt, kleinere Ausbrüche und Fehlstellen ergänzt und die weitgehend sehr gut erhaltene Originaloberfläche freigelegt.

Weitere Informationen zur Residenz Würzburg finden Sie unter www.residenz-wuerzburg.de.


Presse-Informationen:
Dr. des. Cordula Mauß und Franziska Hölzle
Pressesprecherinnen der Bayerischen Schlösserverwaltung
Telefon 089 17908-160 und -180, Fax 089 17908-190
presse@bsv.bayern.de


Pressemitteilung 01. Juni 2017

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