Juli 2003

Pressemitteilung

Zur Gartengeschichte der Roseninsel

Als im Frühjahr 1851 zum Auftakt der Gartenarbeiten auf der Insel Wörth die ersten Spatenstiche ausgeführt wurden, war dem Bauherrn König Maximilian II. von Bayern – einem stets zögerlichen Auftraggeber – das Terrain seit bereits knapp 10 Jahren bekannt.
Die Idee, auf der einzigen Insel im landschaftlich sehr reizvoll gelegenen Starnberger See ein kleines privates Refugium einzurichten, ging auf das Jahr 1842 zurück. Als "Prinzeninsel" sollte sie damals dem Thronfolger einen ungestörten Aufenthalt ganz in der Nähe einer auf dem Festland gegenüber geplanten Erziehungsanstalt ermöglichen.

Der Standort der später als "Maximilianeum" bezeichneten Erziehungsanstalt wurde jedoch nach München verlegt. Damit stand der Bauplatz in der hügeligen Uferlandschaft südlich des Ortes Feldafing für ein ebenfalls seit längerem geplantes Sommerschloss zur Verfügung. Nachdem zuletzt noch zwei Standorte in der engeren Wahl standen, entschied sich der König wohl 1848 endgültig für Feldafing als Schlossstandort.

Den Ausschlag für diese Entscheidung dürfte die Insel Wörth gegeben haben, die nur etwa 165 m vom Ufer entfernt liegt. Innerhalb des geplanten Ensembles von Schloss, repräsentativen Terrassengärten und einem weitläufigen Landschaftspark eignete sie sich vorzüglich zur Einrichtung eines "Giardino segreto", eines abgeschiedenen Gartens ganz zum privaten Vergnügen im kleinen Familienkreis.

Im Oktober 1850 schloss Maximilian II. mit dem Besitzer, dem Fischer Peter Kugelmüller, den Vertrag über 3000 Gulden zum Kauf der Insel ab. Zunächst leitete die kgl. Hofgärtenintendanz unter Ludwig Carl Seitz (1792-1866) erste Gestaltungsmaßnahmen ein. Doch mit dem Argument, die Anlage " … aus einem Gusse und in Harmonie" gestalten zu wollen, zog der Architekt Franz Jakob Kreuter (1813-1889) auch den Auftrag zur Ausführung der Gartenanlagen an sich. Kreuter war im März 1851 schon mit der Planung der als "Casino" bezeichneten bescheidenen Inselvilla beauftragt worden. Noch 1850 hatte sich dieser bei keinem Geringeren als dem Generaldirektor der kgl. Preußischen Hofgärten Peter Joseph Lenné (1789-1866) einen Entwurf zur gärtnerischen Gestaltung der Insel besorgt.

Der Plan zeigte Lennés Absicht, das Casino in ein von Osten nach Westen verlaufendes Band geometrischer Gartenpartien zu betten, eine Idee, die er in ähnlicher Form in der Schloss- und Gartenanlage Charlottenhof in Sanssouci umgesetzt hatte. Nachdem Lennés ohnehin schon reduzierte Entwurfsidee bei der Ausführung nochmals stark vereinfacht wurde, verblieb nur das Rosenrondell – allerdings unmittelbar am Casino liegend und damit in zentraler Lage – als dominierender formaler Gartenraum. 360 Hochstammrosen und 1000 "Centifolien" (die Kohlrose Rosa centifolia), aber auch zahlreiche, über die ganze Insel verstreute Strauchrosen verströmten ihren Duft über die Insel. Als optischer Blickfang und Zeugnis verwandtschaftlicher Verbundenheit zwischen dem bayerischen und preußischen Königshaus wurde 1854 im Mitteloval des Rosariums eine Säule aus weißen und blauen Glasstäben aufgestellt. Sie war ein Geschenk König Friedrich Wilhelms IV. von Preußen an seine Cousine Marie, die Gattin König Maximilians II. von Bayern.

Sanft geschwungene Wege vernetzten die Inselvilla und den Rosengarten mit den übrigen Partien der Insel. Aus buntartig zusammengesetzten, in Gruppen gepflanzten Baum- und Strauchpartien formte Lenné hier in der Art englischer Landschaftsgärten das ideale Abbild einer Naturlandschaft. Durch gezielte Baumpflanzungen inszenierte er dabei herrliche Ausblicke in die umliegende Landschaft. Mit der bewussten Verknüpfung von landschaftlichen und formalen Gartenstrukturen hatte Peter Joseph Lenné den Weg zum Historismus in der Gartenkunst geebnet. Die Gartenanlage auf der Roseninsel kann als erstes Beispiel dieser Entwicklung in Bayern gelten.

Nach Abschluss der Arbeiten im September 1851 übernahm der örtliche Bauleiter, Obergärtner Loewel, die Stelle des ersten Inselgärtners.

König Ludwig II. und die Roseninsel

König Maximilian II. hatte bis zu seinem frühen Tod im März 1864 die Roseninsel in ein kleines Paradies verwandelt. Schattige Lauben, eine Badehütte, ein Landungssteg für das königliche Dampfschiff sorgten neben der gärtnerischen Pracht für angenehmsten Aufenthalt. Vor allem aber ihre Intimität und Abgeschiedenheit wird den Thronfolger Ludwig II. dazu veranlasst haben, 1865 die Insel aus der Erbmasse seines Vaters um die Kaufsumme von 25.000 Gulden zu erwerben. Die Gartenanlage hat er nicht grundlegend verändert. Sein Wunsch nach dichtester Abschirmung und üppigem Blumendekor veranlasste ihn jedoch, die bestehenden Pflanzungen zu ergänzen. In den Kassenbüchern von 1865 und 1866 sind in diesem Zusammenhang Zahlungen für 550 veredelte Rosen und 400 Rosenwildlinge belegt.

Nur auserlesene Gäste wie Richard Wagner, die russische Zarin Maria Alexandrowna und Kaiserin Elisabeth von Österreich empfing König Ludwig II. auf der Insel.

Die Blütezeit der Roseninsel endete mit dem Tod Ludwigs II. Der königliche Obersthofmarschallstab entließ 1888 aus Kostengründen den Inselgärtner. Damit begann der schleichende Verfall der gärtnerischen Pracht. In den Jahren 1899 und 1912 wurden zwar die Rosenpflanzungen noch einmal erneuert. Doch in den Wirren der beiden Weltkriege konnte dem weiteren Verfall kaum mehr Einhalt geboten werden. Gras bedeckte allmählich die Rosenbeete und Kieswege, die Gehölzgruppen verwilderten.

1970 veräußerte der Wittelsbacher Ausgleichsfonds die Roseninsel, die seit 1924 in dessen Eigentum stand, an den Freistaat Bayern. Der Kaufpreis betrug 800 000 DM. Nach dem Kauf führte die Bayerische Schlösserverwaltung zunächst die dringlichsten Maßnahmen zur Sicherung der Denkmalsubstanz durch. Seit 1997 wird intensiv an der Wiederherstellung der Roseninsel gearbeitet.

Die Wiederherstellung des Gartens auf der Roseninsel

Bayern ist potentielles Waldland. Ohne Pflegeeingriffe wie beispielsweise das Mähen von Wiesen oder das Jäten von Gehölzsämlingen würden sich alle freien Flächen über verschiedene Entwicklungsstufen hinweg mit einem Wald bestocken. Im Gebiet des Starnberger Sees wäre dies im Endstadium ein Tannen-Rotbuchen-Mischwald.

Die insbesondere zwischen und nach den beiden Weltkriegen stark reduzierte Pflege der Roseninsel förderte den Prozess der "Verwaldung". Diesem fielen zunächst die Zierbeete mit den Stauden- und Rosenpflanzungen zum Opfer. Schleichend ging der Verfall der Kieswege vor sich. Sie wurden ebenfalls nicht mehr unterhalten und kaum noch begangen, infolgedessen sich zunächst Kräuter und Gräser darauf breit machten. Mit dem Verlust der Wege aber verlor die Gartenanlage ein wichtiges Gestaltungselement. Als die "stummen Führer" durch die Anlagen geleiteten sie den Besucher in genau berechneten Schwüngen zu den reizvollen Partien des Gartens. Im Zusammenspiel der Wege mit den in Gruppen gepflanzten Gehölzen hatte Peter Joseph Lenné eine ausgeklügelte Abfolge stets wechselnder Landschaftsbilder inszeniert. Geschult von der vergleichbaren Landschaftssituation am Havelsee an seiner eigentlichen Wirkungsstätte Potsdam, wo unter der Federführung Lenné viele Parkanlagen ausgeführt worden waren, setzte er dabei die herrlichen Ausblicke über den Starnberger See hinweg besonders in Szene. Parallel zum Verfall der Wege gerieten die einst sorgfältig platzierten und zusammengesetzten Gehölzgruppen außer Form. Unkontrollierte Naturverjüngung breitete sich aus, verdrängte die fremdländischen Ziergehölze und verstellte die von Lenné so sorgfältig geplanten Sichtfenster in die umliegende Landschaft.

Nach dem Erwerb der Roseninsel durch den Freistaat Bayern im Jahre 1970 war es eine der vordringlichsten Maßnahmen, die Verkehrssicherheit auf der Insel wiederherzustellen. Dazu mussten viele überalterte und zum Teil brüchige Bäume entfernt werden. Ein großer Teil des in die Wiesenbereiche drängenden Gehölzjungwuchses wurde gerodet, so dass der parkartige Charakter der Insel im Ansatz wieder zu erkennen war.

An der Wiederherstellung der gärtnerischen Feinstrukturen wird seit 1997 gearbeitet. Nach der Auswertung historischer Pläne und deren Vergleich mit dem derzeitigen Gehölzbestand versuchten Mitarbeiter der Bayerischen Schlösserverwaltung, die ursprünglich angelegten Sichtfenster zu lokalisieren. Behutsam und unter ständiger kritischer Überprüfung der sich verändernden Geländesituation entfernte man dann störendes Junggehölz, so dass man nun wieder herrliche Ausblicke in die Landschaft genießen kann.

Schwieriger gestaltete sich die Suche nach den historischen Wegen, die völlig von Grasbewuchs verdeckt waren. Hier gab zunächst das historische Katasteraufmaß aus dem Jahre 1864 Aufschluss über den ungefähren Trassenverlauf, der im Gelände mit Holzpflöcken markiert wurde. Nach Sondierungen mit Eisenstangen und vor allem mittels vorsichtig ausgehobener Suchgräben konnten die Kiestragschichten eines Großteils der historischen Wege freigelegt werden.

Sie bedurften lediglich der Nachbearbeitung mit einer Wegewalze sowie eines oberen Abschlusses durch eine Deckschicht aus feinem Brechsand.

Mittels vorsichtig durchgeführter Suchgrabungen gelang es den Mitarbeitern der örtlichen Verwaltung auch, den Rosengarten, dessen auffällige Form aus ellipsenförmigen Wegen und Beeten ausgebildet war, zu drei Viertel wieder freizulegen. Vom übrigen Viertel des Wegesystems fehlten eindeutige Spuren. Vermutlich ist hier durch unsachgemäße Erdarbeiten in der jüngeren Vergangenheit der Schichtaufbau durchmischt worden. Da der Rosengarten in Form einer "Gärtnerellipse" (das ist eine gegenüber der geometrisch exakten Form in der Längenausdehnung etwas gedrückte Ellipse) symmetrisch ausgeformt war, konnten die Maße des fehlenden Viertels aus den Abmessungen der ausgegrabenen Wege und Beete abgeleitet werden. Zu beachten war dabei, dass Peter Joseph Lenné als Gartenarchitekt in preußischen Diensten bei der Planung der Roseninsel preußische Fuß als Maßeinheit zu Grunde legte. Der preußische Fuß (gerundete 31,39 cm) übertraf den bayerischen Fuß (gerundete 29,19 cm) um gut zwei Zentimeter an Länge. Um den nur drei preußische Fuß schmalen Wegen des Rosengartens größere Stabilität zu verleihen, wurden sie mit in den Boden versenkten 10 cm hohen Eisenbändern eingefasst.

Keine eindeutigen Ergebnisse erbrachten die Forschungen hinsichtlich der Bepflanzung des Rosariums. Sicher ist, dass ursprünglich Hunderte von Hochstammrosen, begleitet vermutlich von Sommerblumen und kleinen Strauchrosen, die mit Efeu eingefassten Beete zierten. Eine Pflanzenliste, die Auskunft über die verwendeten Rosensorten geben könnte, wurde nicht gefunden. Sicher ist dagegen wiederum, dass die Bepflanzung des Rosengartens bis 1912 mehrmals erneuert und dabei meist auch variiert worden war. Die neue Bepflanzung zeigt Rosensorten, die bis um das Jahr 1900 bekannt waren. In den Ovalbeeten konzentrieren sich Hochstammrosen, die mit Sommerblumen unterpflanzt sind. Die Begleitbeete beidseitig des Rosenovals schmücken historische Strauchrosen.

Von 1854 bis 1946 stand eine monumentale korinthische Glassäule im Zentrum des Rosengartens. Ihr Schaft bestand aus 15 blauen und 15 weißen Glasröhren. Als Bekrönung des Kapitells diente die Figur "Mädchen mit Papagei". Dieselben Säulen gab es im Marlygarten in Potsdam-Sanssouci und im Park von Peterhof bei Sankt Petersburg. Von der Säule auf der Roseninsel fanden sich noch so viele Fragmente, dass eine Restaurierung und Rekonstruktion möglich war. Die fehlende Statuette wurde dem Original in Potsdam nachgeformt. Seit 23. Mai 2001 bildet die Säule wieder den Mittelpunkt des Rosengartens.

 

Weitere Informationen erhalten Sie bei:
Manfred Stephan, Bayerische Schlösserverwaltung, Gärtenabteilung
Telefon (0 89) 1 79 08-506, Fax (0 89) 1 79 08-510
manfred.stephan@bsv.bayern.de


Pressemitteilung Juli 2003

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