18. September 2003

Pressemitteilung

Schloss Höchstädt

"Brennpunkt Europas 1704: Die Schlacht von Höchstädt –
The Battle of Blenheim"

Eine Ausstellung der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen in Zusammenarbeit mit dem Forum für Schwäbische Geschichte (Träger: Bezirk Schwaben) und dem Bayerischen Armeemuseum (Ingolstadt)

Schloss Höchstädt an der Donau
Herzogin-Anna-Str. 52, 89420 Höchstädt/Donau
1. Juli bis 7. November 2004
Täglich außer Montag 9 bis 18 Uhr

Winston Churchill, Nachfahre eines der Sieger der Schlacht von Höchstädt, sprach von der Schlacht als einem Ereignis, das "die politische Achse der Welt verschob". Am 13. August 1704 wurde auf den Feldern im Osten und Norden der Stadt Höchstädt eine der blutigsten Schlachten der Neuzeit geschlagen. Dabei kämpften über 100.000 Soldaten aus Frankreich, Bayern, England, Holland, Preußen, Dänemark, Hannover, Hessen-Kassel, Österreich, Württemberg, dem Schwäbischen und dem Fränkischen Kreis. Am Abend waren mehr als 25.000 Gefallene und Verwundete zu beklagen.

Die Schlacht endete mit der ersten großen Niederlage der als unbesiegbar geltenden französischen Armee. König Ludwig XIV. von Frankreich erlitt damit in seinem letzten Krieg um die Vorherrschaft in Europa einen entscheidenden Rückschlag. Die Großmachtträume seines bayerischen Verbündeten, des Kurfürsten Max Emanuel, waren zerstoben. Dem bereits in weiten Teilen verwüsteten Bayern stand eine fast zehnjährige Besatzungszeit bevor.

Auf Seiten der Alliierten hatte das Feldherrnpaar Marlborough und Prinz Eugen seinen ersten Sieg errungen, die Herrschaft des Hauses Habsburg war vor dem drohenden Zusammenbruch bewahrt worden und England zu einer die Geschicke des Kontinents maßgeblich mitbestimmenden Macht aufgestiegen.

Höchstädt ist "eine von jenen Schlachten, welche das Verhältnis der Mächte und das damit zusammenhängende Schicksal der Nationen auf Jahrzehnte hinaus entscheiden." (Leopold von Ranke)

1. Anlass und Bedeutung

Die "Schlacht von Höchstädt" am 13. August 1704 (im englischsprachigen Raum bekannt als "The Battle of Blenheim") war eines der folgenreichsten militärischen Ereignisse des 18. Jahrhunderts. Sie brachte die Wende im Spanischen Erbfolgekrieg und beeinflusste auf lange Zeit den Gang der europäischen Geschichte.

Die 300. Wiederkehr des Tages der Schlacht von Höchstädt 2004 ist Anlass für eine Ausstellung, welche die Schlacht und ihre Einbindung in die Politik Bayerns, des Reichs und Europas ebenso thematisiert wie die unmittelbaren Folgen für die Region. Die Dramatik des militärischen Zusammenstoßes wird gleichermaßen lebendig werden wie die europäische Dimension des Ereignisses.

Mehrere Institutionen arbeiten eng zusammen, um die Ausstellung in Höchstädt im Sommer 2004 zu einem europäischen Ereignis auf bayerisch-schwäbischem Boden werden zu lassen: Neben der federführenden Bayerischen Schlösserverwaltung wirken das Forum für Schwäbische Geschichte (Höchstädt) des Bezirks Schwaben sowie das Bayerische Armeemuseum (Ingolstadt) an Konzept und Umsetzung der Ausstellung mit.

2. Der Ausstellungsort

Die Stadt Höchstädt liegt an der Oberen Donau zwischen Ulm und Donauwörth, wenige Kilometer östlich von Dillingen in einem unberührten Winkel Bayerisch-Schwabens.

Das Schloss Höchstädt ist einer der bedeutendsten Schlossbauten der Spätrenaissance in Bayern. Pfalzgraf Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg ließ das Schloss zwischen 1589 und 1603 an Stelle einer mittelalterlichen Burg als Witwensitz für seine Gemahlin errichten. Von der mittelalterlichen Burg wurde nur der Bergfried in die neue Vierflügelanlage übernommen.

In den vergangenen Jahren wurde das Schloss von der Bayerischen Schlösserverwaltung von Grund auf restauriert und saniert. Mittlerweile beherbergt es das Forum für Schwäbische Geschichte des Bezirks Schwaben. Die Präsentation einer exquisiten Sammlung deutscher Fayencen ist in Vorbereitung. Die Ausstellung "Brennpunkt Europas 1704 – Die Schlacht von Höchstädt – The Battle of Blenheim" wird im 2. Obergeschoss auf einer Fläche von rund 1500 qm gezeigt.

3. Die Ausstellung

Die Schlacht von Höchstädt am 13. August 1704 hat Geschichte geschrieben. Der Sieg eines Reichskontingents zusammen mit kaiserlichen, holländischen und britischen Truppen unter Prinz Eugen von Savoyen und dem Herzog von Marlborough über Bayern und Franzosen unter Kurfürst Max Emanuel und Marschall Tallard zwang den bayerischen Herrscher ins Exil und brachte eine österreichische Besatzungsarmee nach Bayern. Mit ihm brach aber auch der Versuch König Ludwigs XIV. von Frankreich zusammen, eine hegemoniale Stellung in Europa zu erzwingen.

Höchstädt ist ein Meilenstein der europäischen Gleichgewichtspolitik. Wieder und wieder schlossen sich die schwächeren Staaten zusammen, um der Etablierung einer kontinentalen Hegemonialmacht entgegenzuwirken. Rückgrat dieser Bündnisse waren die finanzstarken Seemächte, vor allem England, das – im Schutz des Gleichgewichts auf dem Festland – auf den Weltmeeren und in den überseeischen Kolonien seine Machtstellung ausbaute. Der Sieg von Höchstädt verhinderte ein frühzeitiges Zerbrechen der Allianz und bildete so die Voraussetzung dafür, dass das dreizehnjährige Ringen um das spanische Erbe schließlich mit der erneuten Sicherung des Gleichgewichts endete. Damit verdankt das vielgestaltige Europa von heute der Schlacht von Höchstädt wesentliche Impulse.

Höchstädt ist darüber hinaus ein innerbayerisches Thema. Vor dem zu Pfalz-Neuburg gehörenden Ort standen die Interessen zweier Wittelsbacher gegeneinander: Max Emanuel, Kurfürst von Bayern, und Johann Wilhelm, Kurfürst von der Pfalz aus dem Hause Neuburg, standen auf verschiedenen Seiten. Die bayerische Niederlage war zugleich ein Sieg des Pfalz-Neuburgers, der die im 30-jährigen Krieg an Bayern verlorenen Positionen zurückzugewinnen suchte. Nach dem Spanischen Erbfolgekrieg zogen die Wittelsbacher Lehren aus den kräftezehrenden Konflikten und schlossen 1724 eine Hausunion aller Linien, mit der das Zusammenwachsen ihrer verschiedenen Territorien zu einem Staat eingeleitet wurde. Höchstädt erinnert daran, dass die Vielgestaltigkeit des heutigen Bayern aus der Vielfalt der historischen Wurzeln herrührt: Bayern hat nicht eine, sondern viele Geschichten.

Die Ausstellung beginnt mit der Situation in Europa kurz vor 1700: Das von der spanischen Linie des Hauses Habsburg regierte Weltreich Spanien mit seinen großen Überseekolonien stand zur Vererbung an. Die großen Kontrahenten auf dem europäischen Kontinent Ludwig XIV. von Frankreich und der Kaiser aus dem österreichischen Haus Habsburg meldeten ihre – jeweils dynastisch legitimierten – Erbansprüche an. Sowohl die europäischen Landmächte als auch die Seemächte England und Holland fürchteten eine Übermacht Frankreichs oder Österreich-Habsburgs in Form einer europäischen "Monarchia Universalis". Deshalb verständigte man sich darauf, dass eine Mittelmacht – die bayerischen Wittelsbacher – den spanischen Thron erben sollte. Der vorzeitige Tod des Kurprinzen Joseph Ferdinand 1699 bedeutete eine Katastrophe für die ehrgeizigen Aufstiegspläne seines Vaters Max Emanuel. Als im letzten Testament des spanischen Habsburgers Karls II. überraschend ein Enkel Ludwigs XIV. zum Alleinerben ernannt wurde, erschien der Krieg unvermeidlich. Für Max Emanuel stellte sich eine Allianz mit Frankreich und gegen Österreich-Habsburg als aussichtsreicher dar, versprach ihm Ludwig XIV. doch die ersehnte Königswürde.

1701 begann die militärische Auseinandersetzung, die als "Spanischer Erbfolgekrieg" in die Geschichte einging. Bei ihrem ersten Höhepunkt, der "Schlacht von Höchstädt", standen sich am 13. August 1704 über 100.000 Soldaten gegenüber, von denen rund 25.000 starben oder verwundet wurden. Die Ausstellung thematisiert neben dem eigentlichen Schlachtgeschehen die Fragen nach den Konventionen der Kriegführung im 18. Jahrhundert, nach der Bedeutung von Waffentechnik, von Organisation und Versorgung der Armeen. Gefragt wird nach der Motivation der Heerführer und der einfachen Soldaten, nach dem Schicksal der Bevölkerung in Bayern wie in Schwaben, die unter den Durchzügen und Einquartierungen der Armee ganz gleich welcher Seite zu leiden hatte.

Mit der "Schlacht von Höchstädt" hatte Frankreich die erste Entscheidungsschlacht des Spanischen Erbfolgekrieges verloren. Als direkte Folge musste Max Emanuel ins Exil; 1706 wurde über ihn und seinen Bruder Joseph Clemens, den Kölner Kurfürsten, die Reichsacht verhängt. Bayern wurde von Österreich besetzt. Der Leidensdruck entlud sich in einem Aufstand der Bevölkerung, der 1705 in der so genannten "Sendlinger Mordweihnacht" sowie bei Aidenbach niedergeschlagen wurde.

Erst 1714 endete das lange, blutige Ringen um das spanische Erbe, das nun doch geteilt wurde. Für England als den eigentlichen Sieger des Konflikts begann damit der Aufstieg zum "Schiedsrichter Europas" und zur Weltmacht. Max Emanuel konnte aus seinem langjährigen Exil zurückkehren und wurde wieder als Kurfürst und Landesherr von Bayern eingesetzt. Die Großmachtträume der Wittelsbacher waren vorerst aufgeschoben.

Die Ausstellung macht die wechselnden Allianzen und Kriegsziele der beteiligten europäischen Nationen durchschaubar. Sie zeigt Legitimation und Selbstpräsentation der Sieger und Verlierer in zeitgenössischen Kunstgegenständen. Gemälde, Tapisserien, Medaillen, Tafelaufsätze und Möbel aus internationalen Sammlungen veranschaulichen in abwechslungsreicher Inszenierung die entscheidenden Aspekte der Politik, Diplomatie, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Uniformen, Waffen, Druckgraphik, Karten und Pläne informieren über die technischen Aspekte der Kriegführung. Relikte vom Schlachtfeld vergegenwärtigen beeindruckend das Grauen des Kriegsgeschehens.

Europa hat aus dem Konflikt um die spanische Erbfolge gelernt. Erstmals meldete sich eine fundierte Friedenspublizistik zu Wort, die angesichts der blutigen Schlachten und der Verwüstungen dem politischen Ausgleich das Wort redete und über die Möglichkeiten eines immerwährenden Friedens reflektierte. Durch eine vorausschauende Neuordnung Europas versuchten die Mächte, künftige Erbauseinandersetzungen zu entschärfen. Das Gleichgewicht der Kräfte, "Balance of Power", musste zwar immer wieder austariert werden, wurde aber zum politischen Leitmotiv der Konfliktvermeidung und zur Grundlage langdauernder Friedenszeiten in Europa.

4. Die Ausstellungsabteilungen

0  Europa um 1700

1  Spanien: Ein Weltreich zu vererben

2  Das dynastische Prinzip: Erbansprüche

3  Kaiser und Reich: Max Emanuels Streben nach Rangerhöhung

4  Frankreich: Die europäische Vormacht?

5  Die Seemächte England und Holland: Die Idee des europäischen Gleichgewichts

6  Die spanischen Testamente: Max Emanuels Katastrophe und die Zwickmühle Ludwigs XIV.

7  Die Armeen marschieren auf: Kriegsführung im 18. Jahrhundert

8  Kriegschauplatz Bayern

9  Verwüstungen

10  Die Schlacht am 13. August 1704
      Die Heerführer Marlborough, Prinz Eugen, Tallard, Marsin, Max Emanuel

11  Schlachtfeld

12  1708: Der Triumph Pfalz-Neuburgs

13  Max Emanuel im Exil

14  1705: Bayerns Leiden

15  Monumente der Sieger: Blenheim

16  1711: Der Wechsel der Allianzen

17  1712/14: Die Neuordnung Europas und die Wittelsbacher Hausunion

18  Der Traum vom Frieden

5. Publikationen

Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog mit Beiträgen eines internationalen Autorenteams.

6. Führungen

Führungen durch die Ausstellung können gebucht werden unter:
Telefon (0 89) 1 79 08-3 72 oder per Fax (0 89) 1 79 08-3 08

Ab 1. Juli 2004 unter Telefon (0 90 74) 95 85-7 14 oder per Fax (0 90 74) 95 85-7 18

7. Begleitprogramm

Ein umfangreiches Jubiläumsprogramm mit Führungen über das Schlachtfeld, Vorträgen, Konzerten und Aktionen veranstalteten die Stadt Höchstädt und die Gemeinden Blindheim und Lutzingen.

Am 16./17. Juli 2004 wird vom Forum für Schwäbische Geschichte eine offene Vortragsreihe angeboten zum Thema "Die Schlacht von Höchstädt 1704 im Kontext der europäischen und regionalen Geschichte."

 

Weitere Informationen und kostenlose Pressefotos erhalten Sie bei:
Michael Grill, Bayerische Schlösserverwaltung, Öffentlichkeitsarbeit
Telefon (0 89) 1 79 08-1 60, Fax (0 89) 1 79 08-1 90, presse@bsv.bayern.de


Pressemitteilung 18. September 2003

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