8. September 2003

Pressemitteilung

Meisterstück spätgotischer Bildhauerkunst kehrt nach Nürnberg zurück – Veit-Stoß-Kruzifix restauriert

"Ein Meisterstück spätgotischer Bildhauerkunst ist auf die Kaiserburg Nürnberg heimgekehrt: Das restaurierte Veit-Stoß-Kruzifix. Das Kruzifix ist von unschätzbarem Wert und zählt zu den bedeutendsten Ausstattungsstücken der Kaiserburg", stellte Finanzminister Kurt Faltlhauser anlässlich der Rückführung des Kruzifixes in die Kaiserburg Nürnberg am Montag (8.9) in Nürnberg fest. Auch Innenminister Dr. Günther Beckstein begrüßte es, dass das Kunstwerk nun wieder an seinen angestammten Platz auf dem Hauptaltar in der Kaiserkapelle in der Burg zurückgekehrt ist, wo es seit 1836 gestanden hatte. "Das Veit-Stoß-Kruzifix ist ein bedeutendes Zeugnis für die äußert produktive Blütezeit der Freien Reichsstadt Nürnberg um 1500", so Beckstein.

Das spätgotische Kruzifix verließ Anfang der 80er-Jahre anlässlich der großen Veit-Stoß-Ausstellung in Nürnberg die Kapelle auf der Kaiserburg. Nach umfangreichen Untersuchungen mit modernsten Methoden und jahrelanger umfassender Restaurierung kehrt es nun wieder auf seinen Platz über dem Hauptaltar in der Kaiserkapelle zurück. Einen Schwerpunkt der Arbeiten bildete der ungewöhnlich lang gezogene und tiefe Riss durch Brustkorb und Lendentuch des Kruzifixes. Daneben war seine farbige Gestaltung zentrales Thema der Restaurierung. Insgesamt konnten drei Fassungen, also farbige Gestaltungen der Figur eindeutig nachgewiesen werden. Die Restauratoren der Schlösserverwaltung entschieden sich nach Abwägung aller Aspekte und eingehender Untersuchung für die Freilegung der ersten, ältesten deckenden Fassung des Kruzifixes aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Diese Fassung ist in einem hervorragenden Zustand erhalten. Ihre porzellanartige Oberfläche und künstlerische Gestaltung bringt die hohe Qualität der Schnitzerei besonders schön zu Geltung. Die Freilegung wurde in mehreren Schritten vorgenommen. Die dunkle Lasur der jüngsten Fassung ließ sich unter Zuhilfenahme von Lösemitteln entfernen. Die mittlere Schicht wurde anschließend Millimeter für Millimeter mit einer speziell zugeschliffenen Metallklinge unter dem beweglichen Mikroskop abgenommen. Insgesamt belaufen sich die Kosten der Restaurierung auf rd. 250.000 Euro.

Die ersten prominenten Werke des im schwäbischen Horb am Neckar geborenen Stoß entstanden in Krakau, wie der Hauptaltar der Marienkirche und das Grabmal für König Kasimir IV. Jagiello in der Kathedrale auf dem Wawel. Das Ende des 15. Jahrhunderts war die Zeit des Umbruchs von der Spätgotik zur Renaissance, eine Blütezeit der Kunst. Diese ist mit Namen wie Adam Kraft, Peter Vischer dem Älteren und Albrecht Dürer verbunden. "Veit Stoß reiht sich ein in diese Liste hervorragender Künstler. Er schaffte Altäre, Kruzifixe und zahlreiche andere Bildwerke, die als Inbegriff der Bildhauerkunst seiner Zeit gelten. Die Ausdruckskraft und die handwerkliche Meisterschaft seiner Kunstwerke ist enorm – mit größter Raffinesse und Virtuosität entlockt Stoß dem Material feinste Details", stellte Faltlhauser fest.

Das Kruzifix entstand wohl noch vor dem denkwürdigen Jahr 1503, in dem Stoß für einen handfesten Skandal sorgte. Nach gescheiterten Geldgeschäften fälschte er einen Schuldschein und kam dafür ins Lochgefängnis der Stadt. Nachdem er vom Henker gebrandmarkt war, galt der exzentrische Künstler als Einzelgänger, als gesellschaftlicher Außenseiter. Für seinen Ehrgeiz und seine Willensstärke sprechen seine berühmten späten Werke, wie etwa der "Englische Gruß" in St. Lorenz, das so genannte "Wickel'sche Kruzifix" in St. Sebald und der Altar für die Karmeliterkirche, der sich heute im Bamberger Dom befindet. Das nun wieder nach Nürnberg zurückgekehrte Kruzifix wurde erstmals 1836 in der Kaiserburg erwähnt.

"Die vielen Mühen und die Geduld der Restauratoren bei der Restaurierung des Kruzifixes haben sich gelohnt. Es wurden viele neue Erkenntnisse über die Skulptur gewonnen. Ich freue mich, den Nürnbergern und allen Besuchern der Kaiserburg ein Meisterstück spätgotischer Bildhauerkunst präsentieren zu können, das in seiner künstlerischen Vollendung wieder zur Geltung gebracht wurde", stellte Faltlhauser abschließend fest.

 

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Pressemitteilung 8. September 2003

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