7. August 2009

Pressemitteilung

Prächtige Kinderkutsche ist zurück von großer Fahrt …

Von der Themse wieder an die Isar: Die Garten-Kalesche der bayerischen Prinzen

Vor wenigen Tagen ging die große Barock-Ausstellung im Londoner Victoria and Albert Museum zu Ende. Eines der schönsten Exponate ist wieder zurück in München: Die Kutsche für kleine Prinzen aus dem Marstallmuseum im Schloss Nymphenburg. Gerade groß genug für ein Kind, wurde sie einst vermutlich von Ziegen, Schafen oder sehr kleinen Ponys gezogen. Die Räder sind mit Filz ummantelt, damit sie nicht nur auf den Kieswegen des Parks, sondern auch im Schloss gefahren werden konnte. Die kleine Kutsche ist ab sofort wieder im Marstallmuseum im Schloss Nymphenburg zu bewundern.

Die Bayerische Schlösserverwaltung hatte die Gartenkalesche als Leihgabe für die Ausstellung "Barock 1620-1800: Stil im Zeitalter der Pracht" nach London gebracht. Zuvor war das putzige Gefährt aufwendig restauriert worden: Rund 600 Stunden haben Hella Huber und ihre Kollegen in den Restaurierungswerkstätten der Schlösserverwaltung an der kleinen Kutsche gearbeitet. Sie ist reich mit Schnitzereien verziert und kunstvoll bemalt.

 

Luxus-Spielzeug mit trauriger Geschichte

Die Geschichte der Kalesche ist überschattet von einem traurigen Ereignis: Kurfürst Max Emanuel kaufte die Kinderkutsche wohl um 1697 in Paris, wahrscheinlich beim Sattler-Meister Saillot. Das durchaus königliche Spielzeug war für den angehenden Beherrscher des spanischen Weltreichs bestimmt: Kurprinz Joseph Ferdinand von Bayern, der Sohn Max Emanuels, war von den europäischen Mächten zum Thronerben Spaniens bestimmt worden, um das Gleichgewicht der Kräfte in Europa zu erhalten. Leider starb der Kurprinz schon am 6. Februar 1699 im Alter von sieben Jahren.

Der frühe Tod beendete nicht nur den Traum der Wittelsbacher von einem Weltreich, sondern auch die Hoffnung auf eine friedliche Lösung der Thronfolge. Die spanische Erbfolge wurde schließlich in einem europäischen Krieg ausgefochten, dessen blutiger Höhepunkt die Schlacht von Höchstädt (1704) war.

Nach Joseph Ferdinand durfte sich wahrscheinlich ein anderes Kind mit großer Zukunft über die prächtige Kutsche freuen: Kurprinz Karl Albrecht, der spätere Kaiser Karl VII. Heute ist sie Eigentum des Wittelsbacher Ausgleichsfonds.

 

Glänzender Sonnenwagen

Die farbige Fassung der Kalesche in "Phaeton"-Form war einst so hochwertig gearbeitet wie bei einer wertvollen Kirchenskulptur. Aber nach über 300 Jahren befand sie sich in einem schlechten Zustand. Schon mehrfach war sie ausgebessert worden, zum ersten Mal bereits wenige Jahre nach ihrer Anfertigung. Ging man damals noch sehr sorgfältig vor, so wurde in den folgenden Jahrhunderten eher schlecht als recht repariert. Hella Huber und ihre Kollegen hatten also alle Hände voll zu tun, um die Fassung zu stabilisieren, zu schützen und die kleine Kutsche für die große Reise nach England vorzubereiten. Dabei stellte sich heraus, dass die Kutsche einst in Silber und Blau gefasst war. Außerdem waren die Polster mit Silberborten verziert, damit das fürstliche Gefährt bei Ausfahrten des Prinzen glänzte wie ein sagenhafter Sonnenwagen.

Der Wagenkasten der Kutsche ist mit Landschaftsbildern bemalt. Sie zeigen die Entenjagd, den Fischfang und einen Fuchs, der in den Gänsestall einbricht. Aufwändige Schnitzereien zieren die Kalesche. Auf der Drehkranz-Lenkung ist eine kleine Skulpturengruppe angebracht, die einen Pelikan mit seinen Küken darstellt. Die Pelikan-Mutter nährt ihre Jungen mit ihrem eigenem Blut: ein christliches Symbol und zugleich Sinnbild der Elternliebe. Ein Küken war verloren gegangen, also wurde es in den Werkstätten der Schlösserverwaltung nachgeschnitzt und ergänzt.

 

Presse-Informationen:
Ines Holzmüller und Dr. Jan Björn Potthast, Pressesprecher der Bayerischen Schlösserverwaltung
Telefon (0 89) 1 79 08-160 und -180, Fax (0 89) 1 79 08-190, presse@bsv.bayern.de


Pressemitteilung 7. August 2009

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