21. Dezember 2011

Pressemitteilung

Ein Weihnachtsgeschenk für das Schloss Neuburg: Kostbares Ziergitter vom Schlossportal kehrt nach aufwendiger Restaurierung zurück

Dank einer großzügigen Spende der Gesellschaft "Alte Residenz Neuburg e.V." kehrt kurz vor Weihnachten ein kostbares Ziergitter vom Schlossportal frisch restauriert ins Schloss Neuburg zurück. Karl Theodor, der seit 1743 als Kurfürst von der Pfalz das Fürstentum Pfalz-Neuburg regierte, hatte das prächtige Ziergitter aus getriebenem und feuervergoldetem Kupferblech gestiftet. Nach seiner Restaurierung wird es nun im Museumstrakt zum "Fürstentum Pfalz-Neuburg" präsentiert. Von hier hat der Besucher direkten Blickkontakt zum hofseitigen Bogen der Tordurchfahrt, wo das Gitter einst angebracht war.

"Das prächtige Ziergitter ist ein bedeutendes Relikt der Baugeschichte von Schloss Neuburg. Wir freuen uns sehr, dass es dank der Initiative und großzügigen Unterstützung durch die Gesellschaft 'Alte Residenz Neuburg' nun im Museum zu sehen ist", sagte Dr. Brigitte Langer, Museumsreferentin der Bayerischen Schlösserverwaltung, bei der Präsentation des neuen Exponats am Mittwoch (21. Dezember).

Aufwendige Restaurierung

Aufgrund seines schlechten Erhaltungszustands war das Oberlicht-Gitter seit langem im Depot untergebracht. Voruntersuchungen hatten jedoch gezeigt, dass unter den Übermalungen, Verschmutzungen und Korrosionen die originale Feuervergoldung der Oberfläche erhalten war. Diese kostbare Vergoldung konnte nun vollständig wieder freigelegt werden, so dass die hohe Qualität der kunsthandwerklichen Arbeit wieder zur Geltung kommt. Die deformierten Kupferblechteile wurden wieder in Form gebracht, der mehrfach gebrochene Rahmen aus Eichenholz stabilisiert.

Pfalz-Bayerische Visitenkarte

Im Zentrum des bogenförmigen Gitters halten zwei Löwen das Wappen des Kurfürsten. Ursprünglich wohl farbig staffiert, zeigt dieses von links nach rechts im oberen Rang den Pfälzer Löwen und die bayerischen Rauten für das Gesamthaus Wittelsbach sowie die Wappen der niederrheinischen Herzogtümer Jülich (Löwe), Kleve (Lilienhaspel) und Berg (Löwe); darunter folgen die Wappen der Grafschaften Moers (Querbalken), Bergen op Zoom (Andreaskreuze über Dreiberg), Veldenz (Löwe), Mark (geschachteter Querbalken) und Ravensberg (drei Sparren). Im inneren Herzschild verweist das Tilgungszeichen "D" (lat. delere) auf das Hofamt des Erztruchsessen, das die Pfalz 1623 verlor und erst 1778 mit der Übernahme Bayerns wieder erhielt. Den Wappenschild umgibt die Ordenskette des hl. Hubertus-Ritterordens als dem höchsten pfälzischen Orden. Fragmentarisch erhalten, doch in seinen wesentlichen Teilen ablesbar ist der feine Rokoko-Schmuck, der das Mittelmotiv umgibt.

Eifrige Förderer

Die Gesellschaft "Alte Residenz Neuburg" hat für Schloss Neuburg schon zahlreiche wichtige Projekte initiiert und mit Spenden finanziert. Besonders prominente Unternehmungen waren unter anderem 2005 der Nachguss des bronzenen Ziergitters aus der Ottheinrich-Zeit an der stadtseitigen Tordurchfahrt in das Schloss sowie 1990 die Kopie des Ottheinrich-Brunnens für die Schlossterrasse, dessen Original in Schloss Berchtesgaden steht.

Kurfürst Karl Theodor und Neuburg

Kurfürst Karl Theodor (1724–1799), seit 1743 auch Herzog von Pfalz-Neuburg, Jülich und Berg, residierte in Mannheim. 1777 zog er als Kurfürst von der Pfalz und Bayerns nach München. Die Neuburger Residenz diente bis 1759 seiner Stiefmutter Eleonore Philippine als Witwensitz. Das Kurfürstenpaar selbst kam erstmals 1752 zu einem längeren Aufenthalt nach Neuburg.

Anlässlich der Vermählung seines Ziehsohns Karl Theodor mit seiner Enkelin Elisabeth Auguste von Pfalz-Sulzbach hatte noch Kurfürst Karl III. Philipp 1742 den Fürstentrakt im Ostflügel von Schloss Neuburg mit seinen schönen Rokoko-Decken versehen lassen. Karl Theodor ließ 1747 die Schlossgrotten renovieren und auch Schloss Grünau instand setzen. Mit Maßnahmen zur Trockenlegung und Besiedelung des Donaumooses südlich von Neuburg hat er die Region mitgeprägt, woran noch heute Ortsnamen wie "Karlskron", "Karlshuld" und "Neuschwetzingen" erinnern. 1795 vermählte sich Karl Theodor in zweiter Ehe mit Maria Leopoldine von Österreich-Este (1776–1848). Das Landgut Stepperg bei Neuburg, das sie 1802 als Mustergut erwarb, erinnert noch heute an diese ungewöhnliche, in zweiter Ehe mit Graf Ludwig von Arco vermählte Frau.

Das prächtig restaurierte Ziergitter ist ab heute im Schlossmuseum Neuburg zu besichtigen. Öffnungszeiten: täglich außer Montag von 10 bis 16 Uhr. Am 24., 25. und 31. Dezember und am 1. Januar ist das Museum geschlossen. Am Montag, den 26. Dezember, ist das Museum geöffnet.

 

Presse-Informationen:
Dr. Jan Björn Potthast, Pressesprecher der Bayerischen Schlösserverwaltung
Telefon (0 89) 1 79 08-160 und -180, Fax (0 89) 1 79 08-190, presse@bsv.bayern.de


Pressemitteilung 21. Dezember 2011

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