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Gebaute Träume für die Welterbeliste – Die Schlösser König Ludwigs II. von Bayern: Neuschwanstein, Linderhof, Schachen und Herrenchiemsee

Seit 2015 sind die Königsschlösser Ludwigs II. von Bayern offiziell beim Welterbezentrum in Paris auf der deutschen Vorschlagsliste zur Ernennung zum UNESCO-Welterbe eingetragen. Am 1. Februar 2024 wird das von der Bayerischen Schlösserverwaltung erarbeitete Nominierungsdossier mit Managementplan der UNESCO-Kommission zur Begutachtung vorgelegt. Voraussichtlich im Sommer 2025 entscheidet dann das Welterbekomitee über die Eintragung der Königsschlösser Neuschwanstein, Linderhof, Schachen und Herrenchiemsee in die UNESCO-Welterbeliste.

 

Link zu Schloss Neuschwanstein
externer Link zur Website www.linderhof.de
interner Link
externer Link zur Website www.herrenchiemsee.de

Wichtigstes Kriterium, um überhaupt in die engere Wahl für einen Platz auf der UNESCO-Welterbeliste in Frage zu kommen, ist der Nachweis des außergewöhnlichen universellen Wertes. Was macht ein Gut einzigartig, warum sind die Königsschlösser Ludwigs II. welterbewürdig und was ist ihr besonderer, für die ganze Menschheitsgeschichte bedeutender Wert? Zusätzlich sind ausführliche Beschreibungen über den langfristigen Schutzstatus und das nachhaltige Management zum nominierten Welterbe notwendig, ohne die eine Eintragung in die begehrte Liste nicht erfolgversprechend ist.

Die Bayerische Schlösserverwaltung hat in Zusammenarbeit mit Fachleuten und den zuständigen Kommunen die umfangreichen wissenschaftlichen Begründungen zum außergewöhnlichen universellen Wert, die von der UNESCO geforderten Schutzziele sowie die Gutachten und Nachweise zum Welterbeantrag Königsschlösser Ludwigs II. erarbeitet. Ein erster Einblick in den Verfahrenstand und die Begründungen für die UNESCO-Welterbeliste bietet diese Homepage, die künftig aktualisiert und erweitert werden soll.

Einleitung zum UNESCO-Welterbeantrag

Die Schlösser Ludwigs II. – Neuschwanstein, Linderhof, das Königshaus am Schachen und das Neue Schloss Herrenchiemsee – gehören zu den weltweit bekanntesten Bauten Deutschlands. Sie üben auch nach 150 Jahren seit ihrer Entstehung über alle Kulturgrenzen hinweg eine ungebrochene Faszination aus. Das große Besucherinteresse und die stete Medienpräsenz dieser Schlösser hängen unbestritten mit dem Bauherrn und Schöpfer König Ludwig II. von Bayern (1845-1886) zusammen, der schon zu Lebzeiten, aber vor allem durch seinen tragischen Tod zum Mythos wurde. Als „Märchenkönig“ genießt er als einer der wenigen Monarchen des 19. Jahrhunderts weltweit auch heute noch große Sympathien. Die weiterhin anhaltende Begeisterung für die Bauten Ludwigs II. lässt sich aber nicht nur mit seinem außergewöhnlichen Leben erklären. Von den Königsschlössern selbst geht eine Faszination aus, die bis heute wirkt und Besucher aus aller Welt anzieht.

Wie und wo ist dieses Faszinosum an den Königsschlössern nachweisbar, wieso finden wir dies nicht auch bei anderen Schlossbauten dieser Zeit, was macht die Bauten Ludwigs II. so einzigartig, so außergewöhnlich? Das „Phänomen Königsschlösser“ und ihr bis heute anhaltender Erfolg hängen eng mit ihrer von König Ludwig II. intendierten Funktion und Nutzung zusammen: Kein repräsentativer, staatspolitischer Bau oder erzieherisches Museum sollten sie sein, sondern allein dem Kunstgenuss und der emotionalen Rezeption des Schönen dienen. Dass die von Ludwig II. gewünschte Verwirklichung seiner Vorstellungswelt tatsächlich gelang, ist erstaunlich und außergewöhnlich. Dass eine Rezeption auch heute noch über alle Kulturgrenzen hinweg möglich ist, deutet auf einen universell erfahrbaren Kern dieser Baudenkmäler auf der Ebene des Emotionalen hin, auf den Michael Petzet schon 1968 in seiner sehr beachteten Münchner Ausstellung „Ludwig II. und die Kunst“ verwies.

Als Gesamtkunstwerke, die einen einzigartigen Einblick in Inszenierungsphänomene des 19. Jahrhunderts erlauben, gehören die Königsschlösser ohne Frage zu den wichtigsten Kunstschöpfungen dieser Zeit. Als außergewöhnliche Zeugnisse eines ganzen Epochenthemas, durch künstlerisches Streben und Technikbegeisterung bessere Welten, irdische Paradiese zu erschaffen, verdienen die Königsschlösser eine besondere Würdigung in der Kunst- und Kulturgeschichte der Menschheit. Sie sind nicht allein Höhe- und Endpunkt einer Kunstströmung des 19. Jahrhunderts: Die Königsschlösser Ludwigs II. sind heute und auch in Zukunft Sehnsuchtsorte für Menschen aus allen Kulturkreisen, die außerhalb ihres alltäglichen Daseins, für einen Augenblick ihres Lebens die Möglichkeit haben, sich in die perfekte Traumwelt eines irdischen Paradieses zu versetzen. Dies zeichnet die Königsschlösser Ludwigs II., die zweifellos einen Platz auf der UNESCO-Welterbeliste der Menschheit verdienen, in einzigartiger Weise aus.

 

Entwurf der Erklärung zum außergewöhnlichen universellen Wert

Brief synthesis

Die serielle Welterbestätte umfasst die von König Ludwig II. (reg. 1864-1886) geschaffenen Bauten Neuschwanstein, Linderhof, das Königshaus am Schachen und das Neue Schloss Herrenchiemsee. Schloss Neuschwanstein liegt auf einem Bergrücken, der sogenannten „Jugend“, am Rande der Ammergauer Alpen. Schloss und Park Linderhof befinden sich im Graswangtal innerhalb der naturräumlichen Einheit des Ammergebirges. Das Königshaus am Schachen thront im Wettersteingebirge auf 1866 Metern Höhe. Die Schloss- und Gartenanlage Herrenchiemsee ist auf der Herreninsel situiert, der größten von drei Inseln nahe dem westlichen Ufer des Chiemsees im Chiemgau.

Die Königsschlösser Neuschwanstein, Linderhof, das Königshaus am Schachen und das Neue Schloss Herrenchiemsee sind untrennbar mit der Person König Ludwig II., seiner Intention und Arbeitsweise verbunden. Ludwig II. war Bauherr, Schöpfer und Ideengeber zugleich. Er schuf sich mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln künstliche Inszenierungen vergangener Zeiten (Mittelalter, Barock und Rokoko) und ferner Orte (Wartburg, Versailles, Orient, blaue Grotte in Capri), die ihm das Eintauchen in eine Kunstwelt abseits der Zwänge seiner monarchischen Pflichten erlaubten. Allen seinen Schöpfungen ist gemein, dass sie allein die Funktion haben, inszenierte Erlebnis- oder Schauarchitekturen für die poetischen Vorstellungswelten ihres Benutzers zu sein, womit sie sich grundsätzlich von zeitüblichen Herrschafts- oder Repräsentationsarchitekturen unterscheiden.

In Neuschwanstein (1868-1886), das von den Opernaufführungen Richard Wagners inspiriert ist, inszenierte sich Ludwig II. Themen aus dessen Werk (Lohengrin, Tannhäuser, Tristan und Isolde, Parsifal, Der Ring des Nibelungen), die ihm zusammen mit der spektakulären Alpenkulisse diese poetische Welt real vergegenwärtigte und visuell erlebbar machten. In Linderhof (1870-1878) versammelte der König – gleich einem Themenpark – ein Schloss aus der Zeit des 18. Jahrhunderts, orientalische Bauten (Maurischer Kiosk, Marokkanisches Haus, Türkischer Saal im Königshaus Schachen) und gebaute Bühnenbilder aus der Wagnerwelt (Venusgrotte, Gurnemanzklause und Hundinghütte). Schloss Herrenchiemsee (1878-1886) verwirklichte Ludwig II. von der Außenwelt abgeschlossen auf einer Insel, um sich hier in die Welt des bourbonischen Königtums möglichst ungestört hineinversetzen zu können.

An den Königsschlössern Ludwigs II. lässt sich die Kulturgeschichte dieser Epoche in außergewöhnlicher Weise nachspüren, wie sie in vergleichbarer Art nur auf Weltausstellungen und in den damals neuartigen Operninszenierungen zu erleben war. Die Königsschlösser sind heute das einzige Beispiel und Zeugnis eines im 19. Jahrhundert weit verbreiteten Phänomens, der künstlerischen und inszenatorischen Realisierung von „imaginären Reisen“ zu fernen Orten und vergangenen Zeiten. Kaum anderswo wurde dieses Phänomen so aufwendig realisiert, nirgendwo sind die vielfältigen Inszenierungen in ihrer Gesamtheit bis heute noch so geschlossen im Original und im Detail überliefert wie bei den Königsschlössern Ludwigs II.

Das 19. Jahrhundert ist durch ein Spannungsfeld zwischen Rückzug (Eskapismus, Romantik) und Fortschritt (Technikbegeisterung, bessere Welt) gekennzeichnet, das sich in der Suche und Erschaffung von irdischen Paradiesen und künstlichen Parallelwelten äußerte. Als Grundthema dieses Jahrhunderts zeigt sich dies baulich, künstlerisch sowie technisch auf den damals neu aufkommenden Weltausstellungen, wobei Zeugnisse dieser fantastischen Schauinszenierungen jedoch so gut wie nirgendwo mehr erhalten sind. Die Schlösser Neuschwanstein, Linderhof, das Königshaus am Schachen und das Neue Schloss Herrenchiemsee ermöglichen heute einen einzigartigen Blick auf diese sonst überall verlorenen und nur mehr durch Bildwerke und schriftliche Quellen nachvollziehbaren Kulturphänomene.

In den Königsschlössern Ludwigs II. manifestieren sich in einzigartiger Form deutsche und europäische Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts. Die Opernwelt Richard Wagners, mittelalterliche sowie barocke Vergangenheit oder die Faszination der Exotik (Orientalismus) vereinen sich hier zu Gesamtkunstwerken ihrer Zeit und lassen sich dort noch heute haptisch erleben. In den Königsschlössern lassen sich sogar die Ursprünge unserer modernen Unterhaltungskultur (Kino, Themenparks, Virtual Reality) nachspüren und real erfahren. Das zeigt insbesondere die Rezeption von Schloss Neuschwanstein in den modernen Massenmedien unserer Zeit, in denen dieses Bauwerk zu einer universell lesbaren Ikone des Märchenhaften schlechthin geworden ist. Darüberhinaus werden die Königsschlösser von Menschen weltweit mit der Kultur Bayerns und Deutschlands assoziiert, eine Identifikation, die in diesen Bauten lebendig verankert ist.

 

Zeitstrahl: Die Königsschlösser auf dem Weg zum UNESCO-Welterbe

2001 Antrag und Beschluss zur „Aufnahme von Schloss Neuschwanstein in die Vorschlagsliste für die Ausweisung als Weltkulturerbe“
Antrag des Bayerischen Landtages vom 26.4.2001
Beschluss des Bayerischen Landtags vom 10.07.2001

2007 Antrag und Beschluss „Ludwig II. Schlösser als UNESCO-Weltkulturerbe“
Antrag des Bayerischen Landtages vom 21.2.2007 
Beschluss des Bayerischen Landtags vom 10.05.2007

2011: Vorschlag der Bayerischen Schlösserverwaltung Königsschlösser Ludwigs II. für die Fortschreibung der UNESCO-Tentativliste zum offenen bayernweiten Interessensbekundungsverfahren

2011: Zustimmung der unabhängigen Expertenkommission im bayernweiten Interessensbekundungsverfahren: „Außergewöhnlicher universeller Wert ist nach Auffassung der Kommission zweifelsfrei vorhanden. Als weltberühmte Hauptwerke aus der Epoche des Historismus verdienen die Königsschlösser einen bevorzugten Platz auf der deutschen Tentativliste. Für den Vorschlag werden große Chancen bei einer Anmeldung zur Evaluation auf KMK-Ebene und einer anschließenden Anmeldung bei der UNESCO gesehen.“

2014: Empfehlungen des Fachbeirats der Kultusministerkonferenz (KMK) zur Fortschreibung der deutschen Tentativliste für das UNESCO-Welterbe mit Abschlussbericht
Abschlussbericht des Fachbeirat vom 22.04.2014

13.06. 2014: Pressemitteilung der Bayerischen Staatsregierung zur neuen deutschen Vorschlagsliste der KMK: Dr. Markus Söder, Finanzminister, freute sich besonders, dass auch die Schlösser Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee als UNESCO-Weltkulturerbe nominiert werden. Söder: Die Schlösser von Märchenkönig Ludwig II. sind Sinnbild unserer Heimat, Touristenmagnet und prägen das Bild Bayerns in der Welt.“
UNESCO-Welterbe: Drei von neun Kandidaten auf der neuen deutschen Vorschlagsliste kommen aus Bayern

2015: Bestätigung der neuen deutschen Tentativ-Liste durch die UNESCO auf ihrer 39. Sitzung in Bonn mit dem bayerischen Vorschlag:
Dreams in Stone – the palaces of King Ludwig II of Bavaria: Neuschwanstein, Linderhof and Herrenchiemsee

2017: Fertigstellung des Welterbeantrags und Zustimmung der Gemeinden Ettal, Garmisch-Partenkirchen, Chiemsee, Prien, Rimsting, Grabenstätt und Übersee

Seit 2019: Kommunales Denkmalkonzept Schwangau (noch nicht abgeschlossen)
Schwangau will beim Wasserschutzgebiet, beim Forggensee und bei den Königsschlösern weiterkommen (kreisbote.de)

30. September 2023: Vorprüfung des UNESCO-Antrags Königsschlösser Ludwigs II. bei der UNESCO-Kommission in Paris

01. Februar 2024: Von der KMK gesetzter Abgabetermin des Welterbeantrags Königsschlösser

Sommer 2025: Voraussichtliche Entscheidung der UNESCO-Kommission zur Eintragung der Königsschlösser in die Weltkulturerbeliste der Menschheit

 

Ansprechpartner

Federführung und Zuständigkeit zum UNESCO-Welterbe Verfahren in Bayern:

Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst
Salvatorstraße 2, 80333 München
presse@stmwk.bayern.de

Vorgesetzte Dienstbehörde der Bayerischen Schlösserverwaltung

Bayerisches Staatsministerium der Finanzen und für Heimat
Odeonsplatz 4, 80539 München
presse@stmfh.bayern.de

Projektkoordination UNESCO-Welterbeantrag Königsschlösser Ludwigs II.

Bayerische Schlösserverwaltung
Schloss Nymphenburg, Eingang 16; 80638 München
presse@bsv.bayern.de

 

Weiterführende Links und Publikationen

Links

Auswärtiges Amt Berlin (mit weiterführenden Links)
UNESCO - Auswärtiges Amt (auswaertiges-amt.de)

Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (mit weiterführenden Links)
Welterbestätten in Bayern

Bayerische Schlösserverwaltung
Schloss Neuschwanstein
Schloss Linderhof
Herrenchiemsee
Königshaus am Schachen
Prospekte zu König Ludwig II. und seinen Schlössern

Publikationen zum Thema UNESCO-Welterbe Königsschlösser Ludwigs II.

UNESCO-Welterbe in Deutschland und Mitteleuropa. Bilanz und Perspektiven. Internationale Fachtagung des Deutschen Nationalkomitees von ICOMOS in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen. München, 29. bis 30. November 2012. ICOMOS Hefte des deutschen Nationalkomitees LVII. Berlin 2013. Dort Seite 48-60: Wiesneth, Alexander: Welterbestätten der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen.
Heft LVII. (icomos.de)

Wiesneth, Alexander: „Reisen“ in vergangene Zeiten und zu fernen Orten – Die Königsschlösser Ludwigs II. auf dem Weg zum UNESCO-Welterbe. In: LÜBBERS, Bernhard; SPANGENBERG, Marcus: Traumschlösser? Die Bauten Ludwigs II. als Tourismus- und Werbeobjekte. Kataloge und Schriften der Staatlichen Bibliothek Regensburg, Band 12, Regensburg 2015, Seite 35-75.

Wiesneth, Alexander: Die Königsschlösser Ludwigs II. von Bayern und ihr außergewöhnlicher universeller Wert. In: LANDESHAUPTSTADT SCHWERIN (Herausgeber): 2. Schweriner Welterbetagung 13.-14. Oktober 2016, Rostock 2017, Seite 177-199.

Zur Venusgrotte im Schlosspark Linderhof:
Die Venusgrotte im Schlosspark Linderhof. Illusionskunst und High Tech im 19. Jahrhundert. ICOMOS Hefte des Deutschen Nationalkomitees LXX. Berlin 2019.
Band 70 (2019): ICOMOS – Hefte des Deutschen Nationalkomitees


 
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