6. Juli 2018

Pressemitteilung

Alte Ordnung im Hofgarten Dachau – Wegeverlauf im Obstgarten nach historischem Vorbild korrigiert

Der prächtige Hofgarten Dachau blickt auf eine lange Geschichte zurück, in deren Verlauf das Aussehen des Gartens immer wieder verändert wurde. Um dessen ursprüngliche Gestaltung aus dem 19. Jahrhundert wiederherzustellen hat die Bayerische Schlösserverwaltung Ende letzten Jahres mit einer gartendenkmalpflegerischen Maßnahme begonnen und diese nun erfolgreich abgeschlossen.

In der Mitte des 16. Jahrhunderts ließen Herzog Wilhelm IV. von Bayern und sein Sohn und Nachfolger, Herzog Albrecht V., die alte, baufällige Burg Dachau auf dem sogenannten Kayberg von Grund auf erneuern. Es entstand ein mächtiges vierflügeliges Renaissanceschloss. Ab 1578 wurde an der Westseite des Gebäudes ein ummauerter Garten ergänzt, ausgestattet mit zahlreichen buchsbaumgefassten Beeten, in denen Kräuter, Blumen und Zwergobstbäume kultiviert wurden.

Anfang des 19. Jahrhunderts mussten drei baufällige Flügel des Schlosses abgerissen werden. Auch sollte die Gartenanlage pflegeleichter und wirtschaftlicher gestaltet werden. Kurfürst Max IV. Joseph wies seinen Hofgartenintendanten Friedrich Ludwig von Sckell (1750-1823) darum an, anstelle der Blumen- und Kräuterbeete einen einfachen Obstgarten anzulegen. Der Gartenkünstler – bekannt auch als Schöpfer des Englischen Gartens in München – entschied sich für eine strenge gestalterische und gleichzeitig praktische Ordnung des Gartens, indem er geradlinige Obstbaumreihen in die Wiesenbereiche setzen ließ, erschlossen durch rechtwinklig verlaufende Wege. Diese Gestaltung hat sich im Wesentlichen bis heute nicht mehr verändert.

1980 ergab sich allerdings die Notwendigkeit, die Kellerdecke des ehemaligen Gärtnerhauses aus statischen Gründen durch eine Betondecke zu sichern. Dabei wurde der einst rechtwinklig verlaufende Weg aus technischen Gründen in einem Bogen an der Kellerdecke vorbeigeführt und mit Sträuchern bepflanzt. Diese Maßnahmen hatten zur Folge, dass die von Ludwig von Sckell ursprünglich hergestellte streng geometrische Struktur des Obstgartens an dieser Stelle nicht mehr erkennbar war.

Diese gestalterisch unbefriedigende Situation mit kurvigem Wegeverlauf und Strauchpflanzung ist nun nach historischen Plänen korrigiert worden. Die Gärtner der Schloss- und Gartenverwaltung Schleißheim haben im Herbst 2017 zunächst die Sträucher am Wegesrand entfernt. Als nächster Arbeitsschritt wurde der ursprüngliche Wegeverlauf abgesteckt und nach alter Bauweise mit einer Kiestragschicht versehen, nachdem mit einem kleinen Bagger die neue Wegetrasse ausgehoben worden war.

Im Frühsommer 2018 konnte die Wegekorrektur nun erfolgreich abgeschlossen werden. Eine Bepflanzung aus Stauden, Sommerblumen und Obstbäumen wird die Maßnahme gestalterisch noch abrunden. Neben dem begradigten Weg ist nach dem Entfernen des Strauchbewuchses hier auch die bis vor kurzem noch verdeckte historische Gartenmauer zu sehen. Damit erschließt sich den Besuchern wieder in allen Bereichen des Hofgartens Dachau die von Ludwig von Sckell einst kunstvoll gestaltete Ordnung und Strenge. Die Bayerische Schlösserverwaltung lädt Sie ein, dieses barocke Gartenjuwel wieder neu zu entdecken. Genießen Sie von hier den grandiosen Panoramablick bis hin zur Gebirgskette der Alpen.

 

Presse-Informationen:
Dr. Cordula Mauß und Franziska Hölzle
Pressesprecherinnen der Bayerischen Schlösserverwaltung
Telefon 089 17908-180 und -160, Fax 089 17908-190, presse@bsv.bayern.de


Pressemitteilung 6. Juli 2018

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