11. Februar 2020

Pressemitteilung

 „Tischlein, ich entdeck Dich“ – am Bildschirm erwachen die kostbaren Verwandlungsmöbel des Münchner Residenzmuseums zum Leben

Die Bayerische Schlösserverwaltung präsentiert in der Residenz München fünf neue Medienstationen. Mit virtuell aufbereiteten Informationen zu acht herausragenden Möbelstücken ist das Residenzmuseum um ein faszinierendes Vermittlungsangebot reicher.

Zu den besonderen Kunstschätzen der Münchner Residenz zählen die zahlreichen Prunk- und Verwandlungsmöbel, die die Wittelsbacher Kurfürsten als Ausstattung ihrer verschiedenen Schlösser angeschafft haben. Die Besucher können diese heute auf ihrem Rundgang durch die weitläufige Schlossanlage entdecken. Ihr reiches Dekor und die komplexe verborgene Mechanik, die beim Auslösen immer neue Funktionen der zierlichen Tische, Schränke und Sekretäre offenbart, machen diese Meisterwerke der Möbelkunst zu beeindruckenden Zeugnissen ihrer jeweiligen Epoche; sie dokumentieren höfisches Repräsentationsbedürfnis, Spielfreude und Technikbegeisterung. Doch müssen im musealen Alltag die hölzernen Kostbarkeiten leider bewegungslos und verschlossen bleiben: Sonnenlicht bleicht die im Inneren der Möbel noch lebhaften Farben der Einlegearbeiten, häufige Benutzung schwächt die jahrhundertealte Mechanik.

Hier schafft nun seit wenigen Tagen eine Reihe neu in den Museumsräumen installierter Medienstationen Abhilfe: Am Touchscreen offenbaren die daneben ausgestellten Möbel zukünftig neugierigen Augen auf Knopfdruck ihre Geheimnisse: Kurze Filme und aufwendig hergestellte 3D-Animationen gestatten faszinierende Einblicke ins Innere und die zahlreichen Funktionen der fragilen Kunstwerke. Dazu gehören zwei prächtige Augsburger Kabinettschränke und ein Spieltisch, die im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts für den kunstliebenden Kurfürsten Max Emanuel (reg. 1679-1726) angefertigt wurden – farbenfrohe, reich dekorierte Schaustücke, die in verborgenen Schubladen und Fächern Platz für verzierte Spielbretter und rare Kunstgegenstände boten, die es zu entdecken galt. Für Max Emanuels Sohn, den Kurfürst-Kaiser Karl Albrecht (reg. 1726-1745), wiederum lieferten Pariser Luxuswarenhändler elegant geschwungene Rokokomöbel mit damals hochmodernen ostasiatischen Dekoren, vor allem aber einen überbordend reich mit Lackmalereien und Goldbronze verzierten Sekretär, der in seiner Art einzigartig in der Geschichte der Möbelkunst steht. Diskreter, aber nicht minder kunstfertig lassen luxuriöse Schreib- und Handarbeitstische aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein zunehmendes Bedürfnis nach Bequemlichkeit und raffiniertem Komfort erkennen. Diesen Trend dokumentieren in der Residenz besonders eindrucksvoll zwei kleine Verwandlungsmöbel des französischen Kunsttischlers Jean-François Oeben und ein Paar Sekretäre aus der Werkstatt des international gefragten David Roentgen: Die mit Intarsiengemälden aus farbigen Hölzern dekorierten Stücke offenbaren ein ebenso überraschendes wie komplexes Innenleben.

Mittels des neuen musealen Angebots werden die Prunkmöbel des Residenzmuseums von ästhetischen Schaustücken zu unmittelbaren – immer noch vitalen – Lebenszeugnissen einer plötzlich gar nicht mehr so fernen Vergangenheit.

Presse-Informationen:
Ines Holzmüller und Franziska Wimberger
Pressesprecherinnen der Bayerischen Schlösserverwaltung
Telefon 089 17908-160 und -180, Fax 089 17908-190, presse@bsv.bayern.de


Pressemitteilung 11. Februar 2020

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